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Predigt:

Der Vorgeschmack ewiger Vollendung

Fest der Verklärung des Herrn B (06.08.2006)

L1: Dan 7,9-10.13-14 oder: 2 Petr 1,16-19; Ev: Mk 9,2-10


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jesus nahm die Apostel „Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg ... Und er wurde vor ihren Augen verwandelt.“ Diese Worte aus dem eben gehörten Evangelium beschreiben kurz und prägnant das Geheimnis des heutigen Festes der „Verklärung des Herrn“.

Verklärung bedeutet Verwandlung, Verherrlichung, ein Überstrahltwerden von der Größe und Macht Gottes, vom Glanz seiner Wahrheit und Liebe; es ist im heutigen Evangelium eine Vorausnahme dessen, was sich am Herrn bei seiner Auferstehung und Himmelfahrt ereignen wird, ein Vorausleuchten und Vorauskosten jener ewigen Vollendung, in die unser Herr Jesus Christus eintreten sollte, nachdem er das Kreuz und den Tod auf sich genommen und zur Sühne für die Sünden der Menschen erlitten hatte. Im Hebräerbrief (2,10) heißt es: „Es war angemessen, dass Gott, für den und durch den das All ist und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte, den Urheber ihres Heils durch Leiden vollendete.“ Auch der erste Petrusbrief (1,11) spricht von den „Leiden Christi“ und der „darauf folgenden Herrlichkeit“.

Es scheint, dass die göttliche Pädagogik gleichsam im Voraus den dazu bestimmten Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes zeigen wollte, wohin der Weg Jesu auf Erden führen sollte. In der Verherrlichung am Berg Tabor sollte offenbar werden, wer Jesus Christus wirklich war. Die Stimme des Vaters vom Himmel bezeugte ihn als seinen „geliebten Sohn“: „Auf ihn sollt ihr hören.“ Die ebenfalls auf geheimnisvolle Weise anwesenden alttestamentlichen Zeugen Mose und Elija brachten zum Ausdruck, dass sich in Jesus von Nazareth all das erfüllen würde, was von den Propheten im Voraus verkündet worden war. Rückblickend spricht der Apostel Petrus davon, dass er mit Jesus auf dem heiligen Berg war und zum „Augenzeugen seiner Macht und Größe“ geworden war (1 Petr 1,16). Durch das Ereignis der Verklärung und die Stimme des himmlischen Vaters sei das „Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden“ (1 Petr 1,19).

Liebe Brüder und Schwestern! Jesus Christus ist uns vorausgegangen in die himmlische Herrlichkeit. Er hat aus Liebe zu uns das Leiden und den Tod auf sich genommen, um uns von der Sünde und allem Bösen zu erlösen. Wenn wir ihm nachfolgen, dann dürfen wir teilhaben an seinem Tod und auch an seiner Auferstehung und Verherrlichung. Wir sind auf den Tod Christi getauft (vgl. Röm 6,3). Uns gilt die Verheißung, wie sie der Apostel Paulus im Römerbrief (6,5) ausspricht: „Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“

Der heutige Festtag ist also eine Ermutigung für uns alle, die wir als Christen unserem Herrn Jesus Christus nachfolgen wollen. Gott selber hat uns das Tor des Himmels geöffnet und zeigt uns im Voraus ein erstes Aufleuchten seiner Herrlichkeit, die er uns schenken wird, wenn wir als Kinder Gottes vollendet sind.

Mag es auch uns zeitweise so ergehen wie den Aposteln, dass sie zuerst nicht verstanden, wozu denn das Leiden des Herrn und sein Tod am Kreuz gut sein sollten; wir werden dennoch im Glauben darüber belehrt – und dies ist der Grund unserer Hoffnung –, dass die irdische Mühsal und Plage nicht das letzte ist, was uns erwartet, sondern dass wir durch unseren Mittler und Erlöser, Jesus Christus, eingeladen sind, einst teilzuhaben an der ewigen Vollendung. Maria, die Gottesmutter, möge uns mit ihrer mütterlichen Fürsprache begleiten, damit wir sicher das Ziel des ewigen und seligen Lebens erlangen – der ewigen Verklärung entgegen. Amen