Predigt:
Vom Saulus zum Paulus
3. Sonntag im Jahreskreis B (25.01.2009)
L1: Jona 3,1-5.10; L2: 1 Kor 7,29-31; Ev: Mk 1,14-20
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im Paulusjahr 2008/2009 trifft es sich gut, dass wir das Fest der Bekehrung des Apostels Paulus sogar an einem Sonntag feiern können. Nach seiner Bekehrung war es der ganze Lebensinhalt des Apostels, die frohe Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu Christi und der damit verbundenen Erlösung zu verkünden. Paulus, vormals Saulus genannt, ist der größte Missionar in der Geschichte des Christentums, ein machtvoller Zeuge und Verkünder der Herrlichkeit Jesu Christi!
Was ist der Unterschied zwischen Saulus – also dem Menschen vor der Bekehrung – und Paulus? Vor allem deshalb gilt es diesen Unterschied herauszuheben, weil der zu Füßen Gamaliels erzogene Saulus ja durchaus ein auf seine Weise frommer und gesetzestreuer Mann gemäß der jüdischen Glaubenstradition war. Er wollte auch vor seiner Bekehrung schon Gott dienen, war aber verblendet durch seinen Fanatismus und seine Unduldsamkeit, mit der er andere verfolgte.
Glaube, Hoffnung und Liebe hatten vor seiner Bekehrung noch nicht im vollen Sinn in seinem Herzen Raum gewonnen. Saulus glaubte zwar an den wahren Gott, der sich dem Volk des Alten Bundes geoffenbart hatte. Er stand, wie er meinte, treu zu diesem Gott, übersah aber, dass der treue und wahrhaftige Gott seinen Sohn in Knechtsgestalt in diese Welt gesandt hatte, und war unfähig, im Gekreuzigten den Herrn und Messias zu erkennen. Erst das Licht der Erscheinung des Auferstandenen auf dem Weg nach Damaskus machte ihn im Herzen wahrhaft „sehend“. In der Folge dieses Bekehrungserlebnisses konnte er einige Tage mit seinen leiblichen Augen nicht mehr sehen, wurde aber durch das Gebet des Hananias von seiner Blindheit befreit und ließ sich dann taufen. Ab da glaubte Paulus im vollen Sinn des Wortes!
Auch in der Hoffnung war Saulus vor seiner Bekehrung keineswegs vollendet. Die Hoffnung richtete sich noch nicht auf den Auferstandenen, der uns ewiges Leben in seiner Gemeinschaft schenken will. Wohl hoffte Paulus, durch sein gesetzestreues Leben sich den Himmel gleichsam verdienen zu können; weil damit aber eine selbstgerechte Einschätzung und Einstellung verbunden war, lief diese Hoffnung ohne Christus letztlich ins Leere. Gott aber hat es gefallen, ihm den Erlöser zu offenbaren. Von da an war seine Hoffnung unerschütterlich, und er sollte viele andere Menschen – Juden wie Heiden – zur wahren Hoffnung in Jesus Christus hinführen!
Schließlich erfuhr Saulus durch seine Bekehrung eine innere Wandlung in seiner Liebe. Er meinte Gott zu lieben, für den er eiferte. Aber was war das für eine Gottesliebe, welche die Anhänger des „neuen Weges“, wie man die Christen, nannte, bis aufs Blut verfolgte und sie sogar dem Tod auslieferte? Der Fanatismus macht blind und unfähig für die Liebe. Das erkannte Paulus erst nach seiner Bekehrung, als ihn die Liebe des Gekreuzigten und Auferstandenen im Innersten ergriffen und verwandelt hatte. Von da an wollte er das vergessen, was hinter ihm lag, und sich ausstrecken nach dem, was vor ihm lag. Er war ein Beispiel von Glaube, Hoffnung und Liebe!
Wie sieht es aus mit unserem Glauben, unserer Hoffnung und unserer Liebe? Wer werden zugeben müssen, dass wir in all diesen göttlichen Tugenden noch weiter wachsen können. Gott möge uns auf die Fürbitte des heiligen Paulus schenken, dass wir im Glauben nicht wanken, sondern fest bleiben und so der Erfüllung der göttlichen Verheißungen teilhaft werden. Denn Gott liebt uns mehr und will uns Größeres schenken, als wir uns jemals vorstellen können. Eben deshalb ist auch unsere Hoffnung wie ein Anker, der unser Sehnen dort befestigt, wo es einen wirklichen Grund, also ein Fundament im stürmischen Meer des Lebens gibt. Schließlich sollen wir in der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen vollendet werden, denn darin besteht unser Heil und unsere ewige Seligkeit. Paulus wurde von dieser Liebe gleichsam verzehrt, sodass er alle Kräfte seines Lebens dafür einsetzte, den Menschen die unbegreifliche Liebe Gottes zu vermitteln und sie zum Heil zu führen.
Heiliger Paulus, sei du auch den Menschen unserer Zeit nahe mit deiner Fürbitte! Gott schenke uns sein reiches Erbarmen im Heiligen Geist durch seinen Sohn Jesus Christus, der für uns Mensch geworden ist, gelitten und gestorben ist und am dritten Tag wieder von den Toten auferstanden ist!
Amen.
