www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Das Gleichnis vom Unkraut im Acker

16. Sonntag im Jahreskreis A (17.07.2011)

L1: Weish 12,13.16-19; L2: Röm 8,26-27; Ev: Mt 13,24-43


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Gleich drei Gleichnisse werden uns im heutigen Evangelium vorgelesen: das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker, das Gleichnis vom Senfkorn und das Gleichnis vom Sauerteig. Alle drei Bildreden Jesu – denn das sind Gleichnisse – haben mit dem Reich Gottes zu tun. Auf verschiedene Weise bemüht sich Jesus, seinen Zuhörern gewisse Wahrheiten zu veranschaulichen. Obwohl die Gleichnisse vor fast 2000 Jahren erzählt und aufgeschrieben worden sind, finden auch wir einen Zugang zu ihnen, wenn wir dafür offen sind.

Das Gleichnis vom Senfkorn weist hin auf das unscheinbare, aber doch mächtige und unaufhaltsame Wachstum des Reiches Gottes. Das Reich Gottes ist bereits unter uns anwesend; Gottes Gnade lässt uns am Heil Gottes teilhaftig werden. Nicht wir Menschen erlösen uns selbst, sondern in Jesus Christus wird uns das Geschenk der Heiligkeit angeboten, und diese Gnade der Gotteskindschaft haben wir in der Taufe empfangen. Das irdische Leben ist Reifezeit für das ewige Leben bei Gott. In der Kirche hat das Reich Gottes auf Erden einen Anfang gefunden; es wird vollendet im Himmel.

Das Gleichnis vom Sauerteig lenkt unseren Blick auf die innere Kraft, die vom Evangelium Christi ausgeht. Auch wenn es am Anfang des Christentums nur wenige Menschen waren, die an Jesus Christus glaubten, so zeigte doch ihr Lebenszeugnis große Wirksamkeit. Die frohe Botschaft vom Himmelreich breitete sich aus, so wie ein kleiner Teil des Sauerteigs das Ganze durchsäuert. Auch wir sind aufgerufen, Zeugen für das Wort Gottes zu sein.

Und schließlich das Gleichnis vom Unkraut im Acker. Hatte nicht der Sämann nur guten Weizen ausgesät? Woher kommt dann das Unkraut? Jesus erklärt seinen Jüngern das Gleichnis, und er verweist auf sich selbst als den Menschensohn, der den guten Samen auf dem Acker der Welt sät. Dieser gute Same sind die Söhne des Reiches, also die Kinder des Himmelreiches. Das Unkraut jedoch sind die Söhne des Bösen, die vom Feind des Sämanns gesät werden, nämlich vom Teufel, wie Jesus sagt. Am Ende der Welt ist die Ernte, und die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. Es kommt zur großen Scheidung der Guten von den Bösen, und Gott, der Gerechte und Barmherzige, wird alle Menschen richten gemäß ihren Taten.

Im Gleichnis selber ist auch die Rede davon, dass die Knechte das Unkraut ausreißen wollen. Doch der Gutsherr sagt zu ihnen, sie sollen beides wachsen lassen bis zur Ernte. Denn „sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.“

Wenn wir diese Anweisung von der Auslegung Jesu her verstehen, dann heißt dies: Gott kann warten. Er lässt allen Menschen Zeit, solange sie auf Erden leben, damit sie sich zu ihm bekehren. Er will das Heil aller, in seiner Liebe aber zwingt er niemanden. Erst mit dem Tod ist das Schicksal des Menschen endgültig entschieden. Dann am Ende des Lebens bzw. am Ende der Welt wird geerntet, doch nicht vorher. Dann aber werden „die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten“, sagt Jesus. Und wir dürfen das in christlicher Hoffnung und Demut auf uns beziehen. Möge uns Gott auf die Fürbitte der seligen Jungfrau Maria einst die Teilnahme am Himmelreich schenken, sodass wir dort Gottes Liebe erfahren und verherrlichen! Amen