| | 11.03.2011 13:54:05 | | Fastenhirtenwort 2011 von Bischof Klaus Küng | (dsp.at) Der St. Pöltner Diözesanbischof DDr. Klaus Küng wendet sich mit folgendem Hirtenwort zu Beginn der Fastenzeit an die Gläubigen: Liebe Mitchristen! Wir leben in einer Zeit gewaltiger Umbrüche in Gesellschaft und Kirche, vor allem in der Kirche, mit vielen Diskussionen und zum Teil dramatischen Entwicklungen. Manches ist sehr schmerzhaft. Da ist die Fastenzeit eine besondere Einladung, auf Jesus zu schauen, der gekommen ist, um die Welt zu retten, auch uns persönlich. Seine zentrale Botschaft lautet, dass Gott ein Vater ist, ein Gott „voll des Erbarmens“ (vgl. Eph 2,4). Er vergibt die Sünde, und zwar ganz, ohne Einschränkung und ohne, dass etwas Negatives zurückbleibt, aber nicht ohne unsere Bekehrung. Faustina Kowalska durfte diese Barmherzigkeit Gottes in besonderer Weise erfahren und erhielt den Auftrag, sie in unserer Zeit überall bekanntzumachen. Sie erklärte die bekannte Vision von Christus, dass die verschiedenen Farben der Strahlen, die von seinen Händen ausgehen, darauf hinweisen, dass in Gott Wahrheit und Gerechtigkeit mit Barmherzigkeit und Liebe untrennbar vereint sind. Die Barmherzigkeit Gottes ist nicht wie ein Mantel, der alles, was uns nicht angenehm ist, einfach zudeckt und uns die Umkehr erspart. Im Gegenteil, sein Geist – der Heilige Geist - schenkt Einsicht und Erkenntnis, er hilft wahrnehmen, was nicht zum Leben eines Christen passt, was den Glauben, die Hoffnung und die Liebe stört, welches unsere Unterlassungen und Mängel sind, unsere Fehler und Sünden. Sein Geist lässt Reue aufkommen und weckt den Wunsch nach Veränderung und Besserung. Aber ebenso ist eine Frucht der Wirksamkeit dieses gleichen Heiligen Geistes Vertrauen in die Güte und Barmherzigkeit des Herrn, der auch die größten Vergehen zu vergeben vermag und selbst dann vergibt, wenn ein Fehler schon sehr oft wiederholt worden ist, sofern er wirklich bereut wird. Der Geist Gottes lässt uns erkennen: Gott hört nie auf, jene zu lieben, die ER erschaffen hat. Seine Barmherzigkeit schenkt Freude und Mut zu neuem Anfang. „Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen“, heißt es bei einer der Osterbegegnungen. Froh werden durch eine aufrichtige, persönliche Begegnung mit Jesus, der die Schuld der ganzen Welt, auch unsere eigene, persönliche Schuld auf sich geladen hat, der durch seinen Gehorsam bis zum Tod am Kreuz die Sünde und den Tod besiegt hat und auferstanden ist, das wünsche ich uns allen. Vergesst nicht, dass für dieses Frohwerden die persönliche Besinnung, die volle Aufrichtigkeit Gott und sich selber gegenüber und konkret eine gute Beichte wichtig sind. Außerdem ist es heilsam zu bedenken: Gottes Barmherzigkeit macht barmherzig. „Selig die Barmherzigen, den sie werden Barmherzigkeit finden“ (Mt 5,7). Diese Einsicht ist wichtig für das Miteinander in der Familie, in der beruflichen Arbeit, im gesellschaftlichen Leben und besonders auch in der Kirche. Wir erlangen keine Barmherzigkeit Gottes, wenn wir sie nicht in einem Miteinander üben ohne jede Ausgrenzung! Dieses Jahr haben wir die besondere Freude, dass wir am 1. Mai, eine Woche nach dem Osterfest, am Sonntag der Barmherzigkeit, die Seligsprechung Papst Johannes Paul II erleben dürfen. Es war sein riesiger Wunsch, dass die Menschen von heute Barmherzigkeit erfahren und üben! Dieser große Papst hat vieles in Gang gebracht. Möge sein Vorbild und seine Fürsprache uns beflügeln! Schließlich, noch ganz am Schluss: Vergesst auch nicht die Werke der Barmherzigkeit gegenüber all jenen, die arm sind und sich in Not befinden. Die Fastenaktion der Diözese gibt Euch eine Gelegenheit, ein Zeichen der Barmherzigkeit zu setzen. Ich bitte Euch um Großzügigkeit. So wünsche ich Euch allen eine gesegnete Fastenzeit, die zu einem wahrhaft österlichen Frohsein führen möge + Klaus Küng e.h. Siehe auch www.33schritte.at |
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