| | 04.01.2010 17:14:26 | | Kontroverse um "Privatbesuch" in Medjugorje | (news.stjosef.at) Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn war vor einigen Tagen zu einem als privat deklarierten Besuch im bosnischen Marienwallfahrtsort Medjugorje. Aufgrund medialer Berichte, aber auch veranlasst durch öffentliche liturgische Feiern des Kardinals in dem Ort, wo kirchlich nicht anerkannte Erscheinungen der „Gospa“ stattfinden sollen, nahm der zuständige Bischof von Mostar kritisch Stellung zum Besuch von Kardinal Schönborn. Wörtlich erklärte der Ortsbischof: „Ich muss anerkennen, dass mich diese Sache als Bischof der Diözese Mostar-Duvno nicht wenig überrascht hat. Ich verstehe, dass ein Kardinal der Heiligen Römischen Kirche das Recht hat, das Evangelium in der ganzen Katholischen Kirche zu bekennen und zu predigen. Aber bei einem öffentlichen Auftritt außerhalb der eigenen Diözese existieren auch zwischen uns Bischöfen gewisse kirchliche Anstandsregeln: Bischöfe oder Kardinäle, die beabsichtigen, in eine andere Diözese zu kommen und dort öffentlich aufzutreten, melden sich zuerst beim Ortsbischof an. Das legt auch die kirchliche Klugheit nahe. Ich bin der Meinung, dass die kirchliche Klugheit und diese übliche Regel in diesem Fall ganz besonders hätten zu Anwendung kommen sollen.“ (stephanscom.at) Im Gespräch mit dem Pressedienst der Erzdiözese Wien betonte Kardinal Schönborn, er habe den Ort sehen wollen, von dem „viele positive Früchte“ ausgegangen seien. Es sei notwendig, das Phänomen Medjugorje zu „entdramatisieren“, betonte der Wiener Erzbischof. Zweifellos sei der Anfangsimpuls von den „Seherinnen und Sehern“ ausgegangen, die 1981 - als es zu den ersten „Erscheinungen“ kam - noch Kinder waren. Inzwischen spielten diese außergewöhnlichen Vorgänge nur mehr eine untergeordnete Rolle. Faszinierend habe er gefunden, dass Medjugorje etwas wie eine „Schule des normalen christlichen Lebens“ sei: „Es geht dort um den Glauben an Christus, um das Gebet, um die Eucharistie, um gelebte Nächstenliebe, um das Wesentliche im Christentum, um die Stärkung im christlichen Alltagsleben.“ Der Wiener Erzbischof ist im Übrigen dafür, das „Phänomen Medjugorje“ im Lichte des Zweiten Vatikanischen Konzils zu studieren. Der „sensus fidelium“, der Glaubenssinn der Getauften, spiele in den Vorgängen um Medjugorje eine wichtige Rolle. Was bewegt die Pilger, die nach Medjugorje kommen? „Die Pilger tun vor allem eines, sie beten“, so Kardinal Schönborn. Er wolle der Entscheidung der Weltkirche aber nicht vorgreifen, sondern sich lieber an den von der damaligen Jugoslawischen Bischofskonferenz 1991 formulierten „Leitlinien“ in Sachen Medjugorje orientieren, so Kardinal Schönborn. Diese - von der vatikanischen Glaubenskongregation zweimal bestätigten - „Leitlinien“ seien „weise und richtungweisend“. In den „Leitlinien“ werde betont, dass nicht feststeht, ob die Vorgänge in Medjugorje „übernatürlich“ sind. Die Frage der Übernatürlichkeit werde offen gelassen. Daraus ergebe sich, dass keine offiziellen Wallfahrten nach Medjugorje erlaubt sind. Zugleich werde in den „Leitlinien“ aber auch die Notwendigkeit der seelsorglichen Betreuung der Pilger unterstrichen. Den Bischöfen sei es darum gegangen, einerseits die Früchte nicht zu hindern und andererseits Irrwege abzuwehren. |
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