| | 23.12.2009 16:31:37 | | Ein Kommentar zur Verteidigung von Papst Pius XII. | (merkur.de, Kommentar von Rudolf Zewell) Papst Benedikt XVI. hat seinen Vorgängern Pius XII. und Johannes Paul II. den heroischen Tugendgrad zuerkannt. Das Seligsprechungsverfahren für die beiden Päpste ist damit um einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Die Seligsprechung des Papstes aus Polen könnte bereits im Herbst nächsten Jahres stattfinden. So reibungslos wird es bei Pius XII. nicht gehen. Der Vatikan muss sich auf öffentlichen Protest einstellen. Was 1963 mit Hochhuths Theaterstück „Der Stellvertreter“ begann, prägte sich in den Köpfen ein: Pius XII. gilt vielen als „Papst, der geschwiegen hat“. Aus Schweigen wurde so Schuld. Gegen die Geschichtsklitterung eines Daniel Goldhagen („Hitlers Pope“) haben es Historiker wie Michael Hesemann („Der Papst, der Hitler trotzte“) schwer. Die Seligsprechung von Pius XII. ist von jüdischer Seite bereits zum Testfall für die gegenseitigen Beziehungen erklärt worden. Doch abgesehen davon, dass ein öffentlicher Protest des Papstes Hitler niemals veranlasst hätte, die Judenvernichtung zu stoppen, wäre ein solcher Aufschrei in der Weltöffentlichkeit verhallt wie zuvor schon die Enzyklika „Mit brennender Sorge“. Der pauschale Vorwurf, Rom habe geschwiegen, also nichts getan, ist haltlos. Pius XII. konnte mit seinen Hilfsmaßnahmen und über seine diplomatischen Kanäle Tausenden Juden das Leben retten. Jüdische Zeitzeugen haben das nach dem Krieg dankbar bestätigt. Wer mit dem heutigen Wissen, womöglich verstärkt durch „politische Korrektheit“, Menschen und deren Taten in früheren Zeiten vor allem moralisch beurteilt, wird der Sache selten gerecht. Nicht zuletzt aufgrund der unfassbaren Verbrechen des Nationalsozialismus erreicht der gesinnungsethische Ansatz in der historisch-politischen Bewertung eine derartige Dominanz, dass verantwortungsethische Beurteilungen in den Hintergrund gedrängt werden. Das trifft auch auf den Fall von Pius XII. zu. |
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