Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt zu Weihnachten

Messe am Morgen des 25.12.1996 (B)
L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


„Erschienen ist die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters!“ (vgl. Tit 3,4).

Als die Engel den Hirten auf dem Felde die frohe Botschaft verkündet hatten, da eilten diese nach Bethlehem. Sie fanden alles so, wie es ihnen der Engel beschrieben hatte: Maria und Josef und das Kind, das in einer Krippe lag. Gerade die einfachen und ungebildeten Hirten werden als erste zum göttlichen Kind geführt. Ihre Herzen sind offen für das unsagbar große Geheimnis der Erniedrigung und Selbstentäußerung Gottes. Gott ist arm geworden, um uns Menschen reich zu machen mit seiner Liebe und Gnade. Zu den armen Hirten wird der Messias zuerst gesandt. Sie dürfen dann auch anderen davon weitererzählen, was sie gehört und gesehen haben.

Vor Gott kommt es nicht auf eine machtvolle Position oder auf viel Geld an, sondern auf das Vertrauen und den Glauben des Herzens. Wer demütig und offen ist wie ein Kind, kann dem göttlichen Kind begegnen. Wir alle sind aufgerufen, wie die Hirten hinzutreten und dieses Geheimnis in staunender Ehrfurcht anzubeten.

Im Geschehen von Bethlehem hat sich uns die Liebe des großen und allmächtigen Gottes offenbart. Er hat uns gezeigt, daß er uns nicht fern ist. Gott kümmert sich um uns Menschen, es liegt ihm sehr viel, ja alles an uns. Er erklärt sich mit uns solidarisch. Diese Liebe ist so groß und geht so weit, daß er es nicht gescheut hat, aus dem Schoß der Jungfrau Maria die sterbliche Menschennatur anzunehmen. Gott ist einer von uns geworden: Jesus Christus, der wahre Gott, ist zugleich unser Bruder, ein wahrer Mensch. Er ist in allem uns gleich geworden außer der Sünde.

Von Maria, der Mutter des Jesuskindes, heißt es: Sie „bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“

Vielleicht gelingt es uns, Räume der Stille und des besinnlichen Nachdenkens zu schaffen, um Gott zu begegnen. Auch unser Leben ist von der Hand Gottes geführt. Oft übersehen wir die Spuren der göttlichen Vorsehung und Liebe in unserem Leben. Bitten wir die Gottesmutter um ein waches und liebevolles Herz, damit wir dem Herrn begegnen können!

Das Ziel von Weihnachten ist, daß auch wir Jesus Christus ganz persönlich in unser Herz aufnehmen. Der Dichter Angelus Silesius hat einmal geschrieben: „Wär’ Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.“

So kommt es also darauf an, daß auch wir dem Herrn in unserem Herzen und in unseren Familien eine würdige Wohnstätte bereiten; daß wir nicht bloß Krippen aufstellen, sondern das göttliche Kind in unser Leben hereinnehmen.

Jesus, der Retter, ist da! Er bringt uns den Frieden, den die Welt nicht geben kann. Er überwindet allen Haß und Streit. Seine Botschaft ist heute noch so aktuell wie vor zweitausend Jahren.

Jesus Christus ist wirklich die Mitte und Vollendung der Geschichte. Darum wird auch die Zeit nach seiner Geburt berechnet. In den kommenden drei Jahren (1997, 1998 und 1999) will sich die Kirche auf die zweitausendjährige Feier der Geburt des Herrn vorbereiten. Darum hat der Heilige Vater Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Tertio millenio adveniente“ angeregt, daß das erste Jahr in besonderer Weise Jesus Christus geweiht sein soll, das zweite dem Heiligen Geist und das dritte Gott dem Vater.

So soll uns das kommende Jahr unserem Erlöser noch näher bringen, der nicht gekommen ist, um die Welt zu richten, sondern uns zu erretten. Er ist die Versöhnung für uns beim Vater und unser Friede. Amen.


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Gemeinschaft vom heiligen Josef