Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Hochfest der Geburt des Herrn
(Weihnachten 1999) – in der Nacht

Messe in der Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Am Morgen: L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
Am Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was verbindet uns in dieser Stunde miteinander? Ist es nur die alljährliche Gewohnheit, nach der familiären Feier des Weihnachtsfestes auch noch die "Mette" zu besuchen, um die besondere Festlichkeit dieser Augenblicke zu unterstreichen? Oder geht es doch um mehr?

Was immer heute für uns persönlich die Gründe waren, an dieser Feier teilzunehmen, eben jetzt ist uns im Evangelium die Botschaft von Weihnachten verkündet worden. Diese Botschaft zu hören sind alle aufgerufen und eingeladen, mögen sie auch von weit her – im wörtlichen und im übertragenen Sinn – kommen. Sie lautet: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Er ist der Erlöser, Jesus Christus, der Herr!

Liebe Gläubige, wenn das wahr ist, wenn das nicht nur ein schönes Märchen ist, das wir uns gerne anhören und das wir unseren Kindern erzählen, um so richtig in "Weihnachtsstimmung" zu kommen – wenn das also wirklich wahr ist: Gott erlöst uns, er befreit uns!, dann kann unser Leben nicht im alten Trott einfach so weitergehen. Seien wir doch nicht so "abgebrüht", so hartherzig, so empfindungslos, daß wir es gar nicht zulassen wollen, uns auf die Botschaft von Weihnachten ernsthaft einzulassen.

Die Einladung an uns lautet: Laß’ Dich vom Kind in der Krippe ansprechen, wo immer Du stehst, und seiest Du noch so fern! Das Jesuskind in der Krippe macht uns keine Vorwürfe, wenn wir vielleicht weit abseits stehen von Glaube und kirchlich gebundenem Christentum. Es lächelt uns vielmehr an mit dem Blick der Liebe und ruft uns zu: Gib mir Dein Herz, damit ich es mit Liebe füllen und so neu machen kann. Wenn das geschieht, liebe Gläubige, wenn wir den Mut haben, diesem göttlichen Kind unser Herz zu öffnen und alles, was darin ist, zu schenken, dann ist das eigentliche Wunder von Weihnachten geschehen und Wirklichkeit geworden auch in unserem Leben.

Denn wie kann diese Stunde folgenlos bleiben für unser tägliches Zusammenleben in den Familien, am Arbeitsplatz, in den verschiedenen Gemeinschaften des privaten und öffentlichen Lebens? Wie können wir dann, wenn uns die Liebe des göttlichen Kindes wirklich im Herzen ergriffen hat, einfach zur Tagesordnung übergehen und so tun, als ob nichts geschehen wäre? Es ist etwas geschehen, und es wird immer wieder neu das Entscheidende und Wesentliche in unserem Leben geschehen, wenn wir uns dem menschgewordenen Gott öffnen und bereit sind, ihm Herberge zu geben in unserem Leben!

Dann werden schwinden Haß und Gewalt, Unfriede und Selbstsucht. Keinen Platz mehr werden haben Neid und Eifersucht, Zorn und Habsucht und all die bösen Dinge, von denen wir heute nicht reden wollen, um sie heraufzubeschwören, sondern weil sie das Kind in der Krippe endgültig besiegt und überwindet! Ist das nicht Erlösung, liebe Brüder und Schwestern, jene Befreiung vom Bösen, die wir uns so sehr wünschen?!

Vor 2000 Jahren ist die Menschwerdung Gottes geschehen, und heuer und nächstes Jahr feiern wir dieses Jubiläum in besonderer Weise. Dem Papst ist "eingefallen", wir könnten eigentlich ein ganzes Jahr lang "Weihnachten" feiern, und so hat er ein "Heiliges Jahr" ausgerufen, das in diesen Stunden seinen Anfang nimmt und erst mit dem Dreikönigsfest des Jahres 2001 seinen Abschluß findet. Dazu wurde in Rom die Heilige Pforte an der Petersbasilika geöffnet, die während des Jahres offenstehen wird. Es soll ein Jahr der Gnade sein, ein Jahr des Heiles, in dem wir auch persönlich Fortschritte im Guten machen können, wenn wir uns der Liebe Gottes öffnen.

Öffnen wir die Tore unseres Herzens weit für den Erlöser! Lassen wir ihn eintreten und unser Leben zum Guten hin verändern. Sein Friede ist unbegreiflich; die Liebe Gottes ist nach 2000 Jahren nicht geringer geworden, denn Gott bleibt allezeit derselbe. Er trägt die Zeit in seinen Händen. Ihm wollen wir alles übergeben und uns seiner Liebe empfehlen.

Beten wir es an, dieses göttliche Kind, in Gemeinschaft mit Maria, seiner Mutter, und mit dem heiligen Josef, sowie mit den Hirten an der Krippe! Es lächelt uns zu, als ob es sagen wollte: Gott meint es gut mit Euch! Glaubt ihm, vertraut ihm, er ist unser Leben und unser Heil, er ist der Retter für Zeit und Ewigkeit. Amen.
 
 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at