Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Die Unbefleckte Empfängnis Mariens und unsere priesterliche Berufung
Gedanken bei einer Marienandacht
(Dekanatskonferenz, 11. Dezember 1997, Ybbs/Donau)
Liebe Mitbrüder!
Am 8. Dezember haben wir das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria gefeiert. Wir preisen Gott für die einzigartige Erwählung der seligen Jungfrau Maria, da er sie schon im ersten Augenblick ihrer Empfängnis vor der Erbsünde bewahrt und mit der heiligmachenden Gnade erfüllt hat.
In Maria leuchtet uns das Bild des von Gott geschaffenen und erlösten Menschen auf, so wie Gott den Menschen haben wollte. Sie ist der "Höchstfall" der Erlösung. So mächtig ist die Gnade Christi, ihres Sohnes, daß er an seiner Mutter schon im voraus jenes Gnadenwunder gewirkt hat, sie vor jeder Makel der Erbsünde zu bewahren.
Wir fragen uns: Rückt Maria damit nicht für uns in eine unvorstellbare Ferne, wird sie nicht unnahbar für uns Menschen in diesem "Tal der Tränen", die wir beladen sind mit der Last unserer Sünden?
Die Befürchtung ist unbegründet. Maria bleibt eine von uns, da auch sie den "Pilgerweg des Glaubens" gehen mußte, ja durfte. Aber in Maria erkennen wir unsere Berufung als Christen neu! Das 2.Vatikanische Konzil erklärt, daß sie "als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk" voranleuchtet (LG 68), sozusagen als "Morgenröte des Heils", die uns der aufgehenden "Sonne der Gerechtigkeit", Christus dem Herrn, entgegenführt.
In Maria ist uns von Gott der "Prototyp", das Urbild der Kirche vor Augen gestellt, so wie sie Gott einst vollenden wird in Herrlichkeit. Alles Böse wird dann überwunden sein. Paulus schreibt von Jesus Christus: "Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem." (1 Kor 15,28).
So trägt die Verherrlichung Mariens bei zum Lobpreis der Gnade des allmächtigen Gottes. Die Ehre Mariens ist die Ehre ihres Sohnes, ist die Ehre Gottes des Vaters und die Ehre des Heiligen Geistes.
Wenn wir als Seelsorger die Menschen Gott entgegenführen
wollen, ist uns die Verehrung der unbefleckt empfangenen Gottesmutter
Maria dabei kein Hindernis, sondern eine wirksame Hilfe! Haben
wir den Mut und die Demut und unterstellen wir alles seelsorgliche Wirken
jener Frau, die Gott erwählt hat, die Mutter seines Sohnes zu sein!
Sie wird uns durch ihre Fürbitte die Herzen der Menschen
öffnen für das Wort Gottes, das wir zu verkünden
haben.
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