Predigt am Fest
der Taufe des Herrn
(10. Januar
1999, Lesejahr A)
L 1: Jes 42,5a.1-4.6-7; L 2: Apg 10,34-38; Ev: Mt 3,13-17
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wir sind es gewohnt, daß hauptsächlich Kinder getauft werden. Durch die Taufe empfangen sie die Grundlage des Heils, jenes Sakrament, das uns zu Christen macht. Wer getauft ist, darf Gott seinen Vater nennen und er gehört zur Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche. So hat es gewiß seinen guten Sinn, daß gläubige Eltern ihre Kinder taufen lassen. Sie haben ja eine unabtretbare Verantwortung für die Kinder, die ihnen als Eltern zukommt und die sich auch auf die Erziehung im Glauben auswirken soll!
Die Taufe Jesu hat aber eine etwas andere Bedeutung als jenes Sakrament, das wir als christliche Taufe spenden und empfangen. Eine eigentliche Taufe war für Jesus Christus nicht notwendig: Er ist der vollkommen sündelose Mensch, und überdies braucht er nicht erst ein "Sohn Gottes" zu werden, sondern er ist dies schon von Ewigkeit in der Person des göttlichen Wortes. Es hat vor allem einen dreifachen Sinn, wenn sich Jesus von Johannes im Jordan taufen läßt:
Erstens zeigt Jesus dadurch, daß er sich - obwohl sündelos - freiwillig in die Reihen der Sünder stellt. Er solidarisiert sich mit den Menschen als das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt. Der äußere Eindruck, der dabei entsteht, ist Jesus gleichgültig. Er läßt es zu, daß er im Urteil mancher Zeitgenossen unerkannt bleibt; daß sie nicht begreifen, wer er ist, bis er sich endgültig offenbart.
Zweitens hat Jesus durch sein Getauftwerden im Jordan das Element des Wassers geheiligt. So wurde die Taufe auf den Namen des dreifaltigen Gottes vorbereitet. Das Wasser wird durch Jesus zum Quell der Gnade Gottes, der Leben spendet.
Drittens geschieht eben durch die Taufe Jesu am Jordan das, was wir göttliche Offenbarung nennen. Der Heilige Geist kommt in Gestalt einer Taube auf Jesus herab, und die Stimme des Vaters ertönt vom Himmel, die bezeugt, daß er der geliebte Sohn des Vaters ist. Dieses Offenbarungszeugnis gilt in erster Linie Jesus selbst und auch dem, der die Taufe vornimmt, nämlich Johannes. Das ist nicht so zu verstehen, als hätte Jesus vor der Taufe im Jordan gar nicht gewußt, wer er war. Die Taufe am Jordan ist vielmehr als feierliche Einführung in seine Sendung durch die Ausgießung des Heiligen Geistes zu verstehen. Gewiß: Jesus ist der Gesalbte, der Christus, schon mit seiner Menschwerdung. Diese Salbung durch den Heiligen Geist wird aber jetzt offenbar und entfaltet ihre Kraft. Nach dieser Taufe wird Jesus öffentlich auftreten und den Menschen das Evangelium vom Reich Gottes verkünden.
Der heutige Sonntag soll uns an unsere eigene Taufe erinnern. Wir wollen uns bewußtmachen, daß wir von Gott dem Vater angenommen sind als "Söhne im Sohn", als Kinder Gottes. Gott selber hat unser Leben verwandelt. Er befähigt uns zu Glaube, Hoffnung und Liebe. In der einmal empfangenen christlichen Taufe liegt eine unzerstörbare Kraft für unser ganzes Leben. Leben wir entsprechend dieser Würde, damit die Welt die Liebe des Erlösers erkennt, der uns so reich begnadet hat!
Die Taufe ist eine bleibende Zusage
der Liebe Gottes an uns. Keine Dunkelheit des Lebens, keine Wirrnis
und kein Versagen kann uns von dieser Ordnung des Heiles abbringen. Wer
getauft ist, darf sich immer wieder dem zuwenden, der die Quelle des Lebens
und der Heiligkeit ist. Und einst im Reich Gottes wird sich all das, was
uns in der Taufe anfanghaft geschenkt wurde, für immer vollenden.
Amen.