Kaplan Dr. Josef Spindelböck
St. Josef - ein Mann für das Jahr 2000
Predigt zum Hochfest des hl. Josef am 20. März 2000
L 1: 2 Sam 7,4-5a.12-14a.16; L 2: Röm 4,13.16-18.22; Ev: Mt 1,16.18-21.24a
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Seit kurzem sind wir im Jahr 2000, das von vielen so enthusiastisch erwartet worden ist. Wir treten ein in ein neues Jahrtausend, und immer dann wenn sich manches ändert im geschichtlichen Ablauf der Dinge, ist der Mensch gewissermaßen in einer Krise. Dies trifft zu in besonderer Weise für die Identität und die gegenseitige Zuordnung von Mann und Frau. Nur ein paar Stichworte: Soll die Frau zuerst Mutter sein oder vor allem Karrierefrau? Besteht zwischen Mann und Frau ein derartiger Wesensunterschied, daß bei aller grundlegenden Gleichwertigkeit doch eine Verschiedenheit in der gegenseitigen Zuordnung und in der je eigenen Beziehung zu Welt und Leben festzustellen ist? Und so weiter.
Heute soll es uns darum gehen, ein paar Anregungen zu empfangen für das Bild des Mannes im neuen Jahrtausend. Denn nicht nur Frauen sind in ihrem Wesen und in ihrer „Rolle“ und Aufgabe oft zutiefst verunsichert („Wer bin ich? Was soll ich tun?“) – auch Männer trifft diese Situation unserer Zeit, sodaß sie nicht mehr wissen, ob und wie sie ihr „Mann-Sein“ eigentlich noch leben können und sollen.
Da ist es immer gut, wenn man in diesen Zeiten der Wende auf Vorbilder zurückgreifen kann. Vorbilder stellen gleichsam ein lebendiges Maß dar, an dem man sich orientieren kann. Sie zeigen ein gelungenes, geglücktes Leben auf und sind auf diese Weise eine Verheißung für das eigene Leben. Auch die Kirche kennt solche Vorbilder. Es sind die Heiligen.
Wie wichtig ist es in unserem Zusammenhang, daß wir den Heiligen des heutigen Tages, den heiligen Josef, nicht abgehoben sehen von den Mühen und Schwierigkeiten dieses Lebens. Er war kein „Traummännlein“, das nicht so recht wußte, was läuft, sondern er stand mitten im Leben.
Nicht nur im Beruf bewährte er sich – als „Zimmermann“ war er für alle möglichen praktischen Dinge verantwortlich - , sondern auch in der Familie und sogar in der Beziehung zu Gott. Dies hervorzuheben ist wichtig, da manche „starke Männer“ so tun, also ob der Glaube nur etwas für das in ihren Augen „schwache Geschlecht“ der Frauen sei. Das Gegenteil trifft zu!
Wenn wir also nach Orientierung fragen für die Zukunft, für das neue Jahrtausend, dann tun wir Männer gut, auf den heiligen Josef zu schauen: Er lebt uns vor, wie wichtig es ist, „fromm“ zu sein, ohne zu „frömmeln“. Er zeigt uns, wie ernst es Männer mit der ehelichen Treue nehmen sollen, und er hilft auch allen Vätern, ihre Kinder besser zu verstehen und in wahrer Herzensgesinnung und mit tätiger Hingabe zu lieben.
Es erscheint uns Heutigen wie eine Zumutung, daß der heilige Josef von Gott zu einer Ehe berufen war, in der es zwar die innigste und herzlichste Liebe zwischen Mann und Frau gab, nicht aber deren Ausdruck in sexueller Vereinigung. Es gab ein Kind, Jesus, das zwar von seiner Frau, Maria, stammte, aber nicht von ihm. Wie unerhört! Der Glaube bekennt, daß es sich um ein Wunder handelte, da Maria ihr Kind ohne Zutun eines Mannes vom Heiligen Geist empfing. Josef war von sich aus nicht darauf vorbereitet, sondern mußte erst durch den Engel in das Geheimnis eingeführt werden. Dann aber glaubte er. Und das ist echt männlich! Er vertraute Gott und setzte sein ganzes Leben für ihn ein.
Als der Engel ihm auftrug, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen, da hielt er ihr die Treue für ein ganzes Leben. Er sorgte für sie und das Jesuskind, er übte alle väterlichen Rechte über das Kind aus und war ihm in Liebe zugetan. Ist das kein Auftrag, keine Aufgabe mehr für die heutigen Männer?!
Treu zu sein auch in schwierigen Zeiten, für die Familie das Leben einzusetzen und im Glauben das Leben zu bestehen – das sind zeitlose Werte, die gerade von Männern immer wieder neu verwirklicht werden sollen. Hüten wir uns davor zu sagen: Damals war alles einfacher! Das Leben in Nazaret war keineswegs nur romantisch, sondern kannte seine täglichen Nöte, Sorgen und Prüfungen. Was es nicht gab, das waren Lieblosigkeit oder Mißtrauen. Josef vertraute seiner Frau, und Maria vertraute ihm. Beide dienten sie dem Kind, dem Sohne Gottes, der in ihrer Familie Mensch geworden war. So leisteten sie ihren unersetzbaren und einzigartigen Beitrag im Geheimnis der Erlösung.
Für den Glaubenden ist es eine Tatsache, daß der heilige Josef vom Himmel aus besonders unseren Familien und hier den Männer und Vätern beisteht. Er kennt die Probleme heutiger Menschen und hilft allen, die ihm vertrauen.
Möge er uns die starke Liebe zu Gott erbitten, die ihn ausgezeichnet hat! Er sei ein Vorbild besonders für die Männer von heute, damit sie in seiner Schule lernen, Gott und die Menschen von Herzen zu lieben. Amen.