Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am Hochfest des Heiligen Josef
19. März 1999
Rundfunkmesse mit Radio Maria aus Ybbs an der Donau

L 1: 2 Sam 7,4-5a.12-14a.16; L 2: Röm 4,13.16-18.22; Ev: Mt 1,16.18-21.24a



Liebe Brüder und Schwestern!

Worin kann uns der heilige Josef ein Vorbild sein? Die Heilige Schrift überliefert uns kein einziges gesprochenes Wort aus seinem Mund. Wohl aber hören wir, daß er "gerecht" war. Ein gerechter Mensch gibt Gott und den Menschen das, was ihnen zusteht, also jedem das, was ihm gebührt - "suum cuique" (jedem das Seine). So erfüllt ein allseits gerechter Mensch das Hauptgebot der Liebe: Wenn jemand Gott liebt aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele und mit allen seinen Kräften und wenn er den Nächsten liebt wie sich selbst, dann ist er allseits "gerecht", denn die Liebe erfüllt alle Gebote. Ja, die Liebe übersteigt das, was wir im alltäglichen Sprachgebrauch unter Gerechtigkeit verstehen, denn wahre Liebe schließt ja auch Barmherzigkeit, Güte und Verzeihen ein. Eben diese Eigenschaften finden wir alle beim heiligen Josef verwirklicht.

Sein Lebensinhalt bestand darin, ganz für Maria, seine ihm anvertraute Braut, und für Jesus, das Kind, das aus der Jungfrau geboren wurde, dazusein. In allem zeigte er sich gegenüber dem Willen Gottes verfügbar. Das war ihm nur möglich, weil er in einer beständigen Verbundenheit mit Gott lebte. Mit anderen Worten: Das Gebet war ihm sozusagen zur eigentlichen Seinsweise geworden. Sein Leben war ein ständiges Gebet. Er machte seine Arbeit zum Gebet, weil er in allem, was er tat, den Willen Gottes erfüllte. Sein Dienst für Jesus und Maria und seine Liebe zu seiner jungfräulichen Gemahlin sowie zum Jesuskind waren wie ein Lobopfer des Gebetes vor Gott.

Und die Kirche hat ganz richtig erkannt, daß der Dienst des heiligen Josef am Heilswerk Jesu Christi nicht aufgehört hat mit seinem Tod. Wir dürfen ihn auch als "Patron der Kirche" verehren. Das heißt: Wie auf Erden Jesus und Maria unter seinem besonderen Schutz standen, so wird er im Himmel treu achtgeben auf den mystischen Leib Christi, die Kirche. In allen Nöten und Gefahren darf sich die Kirche an ihn wenden und ihn um seinen Schutz und seine Fürbitte anrufen. Das wollen auch wir tun in der gegenwärtigen Stunde.

Es ist nicht immer leicht für die Kirche in der heutigen Welt. Die Glaubenslosigkeit vieler ist ein echtes Problem geworden. Da wird uns der heilige Josef durch sein Beispiel und seine Fürsprache den rechten Weg weisen. Auch er hat vieles nicht verstanden. Überaus groß aber war sein Vertrauen in die göttliche Vorsehung. So hat er sich allezeit als gehorsam gegenüber den Weisungen Gottes erwiesen. Darin liegt auch für unser Leben das Heil.

Bewahren wir uns den Glauben daran, daß Gott gut ist und er es gut mit uns meint. Wenn wir diesen Glauben mit Gottes Hilfe durchhalten auch in Anfechtung und Not des Herzens, dann werden wir auch einmal teilhaben dürfen an der himmlischen Seligkeit, in die der heilige Josef bereits eingetreten ist. Er möge uns begleiten mit seiner Fürbitte. Er stehe den Kranken und Leidenden bei, er erbitte uns von Gott einst eine selige Sterbestunde! Amen.
 
 


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