Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau
Kurzpredigt am
Fest des hl. Stephanus
26. Dezember 1997
L 1: Apg 6,8-10; 7,54-60; Ev: Mt 10,17-22
Liebe Brüder und Schwestern!
Einen Tag nach dem Weihnachtsfest feiert die Kirche das Fest des Erzmärtyrers Stephanus. Ist das nicht ein Widerspruch? Zuvor die Idylle: Jesus, das kleine Kind, in der Krippe und Maria und Josef mit den Hirten, und jetzt das: Da wird einer von den sieben ersten Diakonen der Urkirche wegen seines Zeugnisses für Christus gesteinigt. Aber die Anordnung der Feste im Kirchenjahr hat durchaus ihren Sinn. Wenn wir heute das Fest des ersten Märtyrers der Kirche feiern, so denken wir daran, daß die Treue zum göttlichen Kind das Bekenntnis bis zum Tod einschließt. Wir sollen Christus, dem Erlöser, treu sein im Leben und im Sterben.
Wir sind wahrscheinlich nicht zum Martyrium berufen. Aber ist das tägliche Bemühen um das rechte christliche Leben einfacher? Es kommt immer wieder darauf an, mit neuem Mut das Gute zu tun und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus im Herzen zu erneuern sowie mit dem Mund zu bekennen.
Die Entscheidung für Glaube, Hoffnung und Liebe kann uns niemand abnehmen. Stephanus hat uns gezeigt, daß der an Christus glaubende Mensch nichts und niemanden zu fürchten braucht: am wenigsten den Tod. Voll gläubiger Zuversicht starb er und betete: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Sterbend verzieh er seinen Peinigern und betete für sie. Erinnert uns das nicht an das Sterben Jesu am Kreuz? In allem ist Stephanus seinem Meister gleich geworden.
Im Himmel hat er den Kranz der ewigen Herrlichkeit erlangt, die Krone des Martyriums. Auch für uns hat Jesus, das göttliche Kind, einen Kranz himmlischer Herrlichkeit bereitet, den wir erlangen werden, wenn wir treu sind bis zum Ende. Möge uns die Fürbitte des hl. Stephanus beistehen im täglichen Ringen um das Gute! Amen.
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