Moderator Mag. Werner Schmid, Kleinhain
Predigt zur Primiz von Mag. Peter Rückl
13. Juli
2003 in
Stephanskirchen
Lieber Peter!
Du feierst heute Deine Heimatprimiz an einem wunderschönen Sonntag, der zugleich der 13. Juli ist. Ein Tag, an dem sich die Gläubigen dankbar der Muttergottes von Fatima erinnern. Daß Du heute als Priester am Altar stehst, verdankst Du Ihr. Denn am Anfang Deines Weges stand die Gottesmutter und der Rosenkranz. Und so gilt ihr zuallererst unser Dank und unser Gruß!
Lieber hochwürdiger Herr Pfarrer,
Liebe Mitbrüder,
Liebe Gläubige aus Nah und Fern,
Lieber Primiziant!
Es ist tröstlich für uns, was wir eben in Lesung und Evangelium gehört haben:
Amos, ein Hirte aus Thekoa, der niemals an eine besondere Sendung gedacht hatte, wird berufen zum Propheten über Israel. Und im Evangelium hieß es: Galiläische Fischer, einfache Leute, werden ausgesucht, um das Reich Gottes zu verkünden. Dabei sollten sie sich nicht um Proviant und Kleidung kümmern und nicht um wirtschaftliche Absicherung. Auch sollten sie nicht von Wohlstand predigen, von Sieg und von Befreiung, sondern von Umkehr und Buße. Ein Thema, das weder damals noch heute dem Geschmack der Menschen entsprach. Und dennoch ist dieses waghalsige Unternehmen geglückt. Die Boten Christi sind aufgebrochen – und aus diesem winzigen Anfang wuchs die Verkündigung des Evangeliums in die ganze Welt hinein über die Jahrhunderte hinweg bis auf den heutigen Tag.
Dieser Blick auf den Anfang ist wichtig und tröstlich für uns. Denn er kann uns immer wieder Mut und Zuversicht geben – besonders dann,
wenn die Kirche und die Christen im Land keine einflussreichen Positionen haben,
wenn unsere Gemeinden kleiner werden,
wenn die Zahl der Kirchgänger abnimmt
und wenn uns die Statistiker bereits das heraufziehende Ende vorausberechnen wollen.
Aber – und das ist das tröstliche: Wie wenig braucht doch Gott zu einem neuen Anfang, wenn der Glaubensmut da ist, sich senden zu lassen!
Du, lieber Primiziant, hast vor 14 Jahren diesen Mut gehabt und Du hast durchgehalten. Heute vor zwei Wochen hat Dich der Bischof von St. Pölten, Dr. Kurt Krenn zum Priester geweiht. Und nun möchte Gott in Dir (und in all den anderen Neugeweihten) das weiterführen, was er damals in Seinen Aposteln begonnen hat – und sich durch die Jahrhunderte fortgesetzt hat bis zum heutigen Tag: Heute sprichst Du selber – oder genauer: Heute spricht Christus durch Dich wirksam und mit Vollmacht sein Wort: Das ist mein Leib, das ist meine Blut, vergossen für euch, zur Vergebung der Sünden.
Christus hat dieses Vermächtnis im Abendmahlssaal seinen Aposteln anvertraut. Und seither vollzieht sich in ununterbrochener Weitergabe dieser Auftrag und diese Sendung an seinen Aposteln und Priestern: „Tut diese zu meinem Gedächtnis!“ Die Eucharistie ist nun unlösbar an den Priester gebunden und der Priester ist ganz verwiesen auf die Eucharistie. Eines kann nicht ohne das andere sein. Es gibt keine hl. Messe ohne den Priester und es gibt kein Priestertum ohne Eucharistie. Aber dabei musst Du eines, lieber Primiziant bedenken: Priester bist Du nicht für Dich, sondern für die anderen. Du bist geweiht für das Volk zum Dienst vor Gott. Das heißt, in dem Maße Du Gott dienst, wirst Du auch wirklich wirksam werden können für das Volk.
Freilich kann es sein, daß der Priester heute den Eindruck bekommt, er sei der modernen Gesellschaft eher im Wege, er werde nicht mehr gebraucht und sein Wirken bringe ohnehin keinen Erfolg. Aber Christus hat schon damals die Apostel belehrt, daß das Reich Gottes anderen Wachstumsgesetzen unterliegt.
Als sich Petrus einmal eine ganze Nacht umsonst abgemüht hat ohne einen einzigen Fisch zu fangen, da wird er von Christus am helllichten Tag – also zur schlechtesten Fangzeit – noch einmal hinausgeschickt auf den See. Und Petrus gehorcht! Er kommt nicht mit fachlichen Einwänden. Er sagt nicht: es hat ohnedies keinen Sinn. Sondern er tut es, weil es der Herr gesagt hat. Und der Fang war so groß, daß die Netze zu zerreißen drohten.
Dieses Beispiel Deines Namenspatrons – lieber Peter – möchte ich Dir heute, an Deinem Primiztag mitgeben. Petrus und die Apostel haben nicht auf ihre persönliche Fähigkeit gebaut, sondern allein auf das Wort des Herrn: „Weil Du es sagst, Herr, auf Dein Wort hin“, will ich den Auftrag erfüllen und von neuem die Netze auswerfen (auch wenn es menschlich gesprochen sinnlos erscheint).
Und wir wissen – als Petrus und die Apostel die übervollen Netze sehen, da überkommt sie eine große Furcht, eine große Ehrfurcht vor der Majestät und Größe Gottes. Und die Antwort Jesu: „Fürchtet euch nicht! Denn von nun an werdet ihr Menschen fangen“ das heißt Menschen heimführen und hinführen zu Christus.
Lieber Peter, Du warst heuer achtunddreißig. Und vierzehn Jahre Vorbereitung waren eine lange Zeit. Ein Zeit, die dem Studium galt, der geistlichen und menschlichen Formung und der Errichtung der Gemeinschaft vom heiligen Josef – bei der Du entscheidend mitgewirkt hast. Als Du damals begonnen hast, war Unsicherheit da und Zweifel – aber dann hast Du voll Vertrauen begonnen und du weißt . Er hat Dein Netzt nicht leer belassen.
Wenn Du heute zurückblickst auf Deine bisherigen Stationen, und auf Deine langen Jahre der Vorbereitung, so werden sie Dir vorkommen wie ein Wimpernschlag.
Hier in Stephanskirchen wurdest Du getauft und gefirmt.
Hier bist Du zur Schule gegangen.
Hier hast Du Deinen Beruf erlernt.
Und von hier aus hast du auch zu jener marianischen Jugendgruppe gefunden, die Dir durch ihre marianische Prägung zum Sprungbrett geworden ist für Deine Zukunft – und dafür, daß Du heute hier stehst. Heute wirst Du am Altar dankbar all jener gedenken, die Dich auf diesem Weg begleitet haben mit ihrem Gebet und ihrem Opfer – allen voran Deine liebe Mutter und Dein verstorbener Vater, Deine Freunde und Bekannten und an Deine ganze Heimatgemeinde, die Dir diesen festlichen Tag bereitet hat.
Wir begreifen als gläubige Christen dieses Geschehen mit großer Dankbarkeit. Es ist also wahr bis zu dieser Stunde, daß der Ruf Gottes ergeht. Und es ist wahr, daß er auch heute noch angenommen wird mit Großherzigkeit. Denn es ist über unserer Kirche – trotz aller Not und Bedrängnis – dennoch die Gnade des Herrn, der Arbeiter in seinen Weinberg sendet.
-Niemals wird sich ändern, daß der Priester geweiht ist, um den Menschen zu dienen, damit sie zu Christus finden.
-Niemals wird sich ändern, daß der Priester gerufen ist, dem Meister zu folgen.
-Und niemals wird sich ändern, daß der Priester als gehorsamer Knecht in seiner heiligen Kirche und aus Liebe zu ihr und zum Herrn auf die Ehe verzichtet.
Was immer heute gesagt werden mag und was man auch noch so sehr in Frage stellt – dies ändert sich nicht!
Wir müssen noch einmal zum Evangelium des heutigen Tages zurückkehren, denn hier wird noch etwas deutlich, was zum Priester dazugehört. Die Apostel – so heißt es, sollen nicht auf Sicherheiten bedacht sein, sondern ganz arm und ungeschützt ihren Weg beschreiten. In einem Punkt aber – und das ist für viele Menschen heute befremdlich – sind sie mit Macht ausgestattet: Sie haben Macht über die unreinen Geister, Macht über die Dämonen. Das heißt,. Sie können Dämonen austreiben und Kranke heilen. Mit anderen Worten: Christus verband mit der Verkündigung des Gottesreiches zugleich die Vollmacht über die Dämonen. Dieser Auftrag von damals gilt heute genauso. Daß nämlich der von Christus gesandte, das heißt der, der die Königsherrschaft Gottes zu verkünden hat, zugleich damit die unreinen Geister vertreibt. Man lächelt natürlich heute müde darüber – aber es ist trotzdem wahr. Denn daß es Tendenzen gibt, Strömungen und Lebensweisen, die ganze Menschengruppen erfassen, ist wohl nicht zu übersehen. Der Heilige Vater hat in einem Schreiben an die Jugend der Welt erklärt: „Man darf keine Angst haben, den ersten Urheber des Bösen beim Namen zu nennen: den Bösen. Die Taktik, die er angewandt hat und anwendet, besteht darin, sich nicht offen zu zeigen, damit das Böse durch den Menschen selbst, durch die Systeme und durch Beziehungen zwischen den Menschen sich weiter entfaltet.“
Wie groß sind doch die vom Bösen besetzten Gebiete, auch da, wo der einzelne gewiß nicht der schuldige Urheber ist:
Es gibt doch die unreinen Geister, die in den Medien eine wahre Schmutzflut über uns ergießen, um uns dadurch die Sicht für das Klare, Helle, Heilige und Göttliche zu rauben.
Es gibt doch die Weltmacht Neid.
Es gibt die weltweite Illusion unaufhörlich fortschreitenden Wachstums.
Es gibt die Weltmacht Konsum
Und es gibt die übernationale Ausbeutung und Vermarktung der Sexualität –
Um von Terror, Folter und Hassideologien ganz zu schweigen.
In diese erlösungsbedürftige Welt ist der Priester gestellt, um im Auftrag Christi, in Seinem Namen und mit seiner Vollmacht die Königsherrschaft der Liebe Gottes zu verkünden.
Lieber Primiziant, lieber Peter! Du brauchst keine Angst zu haben! Christus sagt Dir, so wie damals den Aposteln: Fürchte Dich nicht! Ich habe am Kreuz die Macht der Finsternis gebrochen. Und mein Kreuz wird Deine Waffe sein, mit der Du immer siegen wirst!
Fürchte Dich auch nicht – lieber Peter – vor dem eigenen Versagen und den Niederlagen. Du wirst in Deinem kommenden Priesterleben beides erfahren: die Nacht der Vergeblichkeit und das Staunen darüber, daß der Herr die Netze füllt bis zum zerreißen. Du musst beides annehmen, so wie Gott es verfügt. In beidem aber darfst Du grenzenlos dem vertrauen, der Dich in seinen Weinberg gerufen hat.
Und so wünschen wir Dir heute, daß Du zum Segen werden mögest:
zum Segen für Deine Heimatgemeinde Stephanskirchen,
zum Segen für jene, wo Du einmal wirken wirst,
zum Segen der Väter und Mütter, der Jugend und der Kinder, der Alten, Kranken und Sterbenden.
Wenn Du dann bei der hl. Messe zum Volk gewendet sprichst: „Betet, Brüder, daß mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater gefalle!“ dann möge die Antwort des Volkes Wunsch und Hoffnung zugleich sein, die sie mit ihrem Neupriester heute verbinden:
„Der Herr nehme das Opfer an aus Deinen Händen,
zum Lob und Ruhme seines Namens
zum Segen für uns
und seine ganze heilige Kirche.“
Amen.
· Bericht des Oberbayrischen Volksblattes von der Primiz in Stephanskirchen