Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt am 29. Juni 1997 (Hochfest Peter und Paul)

am Vorabend: L 1: Apg 3,1-10; L 2: Gal 1,11-20; Joh 21,1.15-19
am Tag: L 1: Apg 12,1-11; L 2: 2 Tim 4,6-8.17-18; Ev: Mt 16,13-19

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Kirche feiert heute das Fest der beiden Apostel Petrus und Paulus. Diese beiden Apostel sind in Rom unter Kaiser Nero als Märtyrer gestorben. Petrus war der erste Papst der Kirche. Jesus Christus hatte ihn bestellt zum "Felsen" der Kirche. An diesem Felsen zerprallt aller Ansturm der Mächte der Unterwelt. Paulus setzte sich als der Apostel der Heiden kraftvoll für die Verkündigung des Evangeliums ein. Durch diese beiden Apostel vor allem wurde gleichsam der Grund des Glaubens in der Kirche gelegt. Dafür sind wir ihnen zu großem Dank verpflichtet, und darum ehrt sie die Kirche in hervorragender Weise.

In der Kirche ist das Petrusamt ein bleibendes Geschenk des Herrn für die sichere Weitergabe des Glaubens. Dem Papst und den mit ihm verbundenen Bischöfen ist in besonderem Maß das Geschenk des Heiligen Geistes verheißen. Der Heilige Geist führt die Kirche in alle Wahrheit ein, er lehrt und stärkt sie. Wir sollen also auf den Nachfolger Petri, den Stellvertreter Jesu Christi, unseren Papst hören und ihm folgen, wenn er die Wahrheit des Glaubens verkündet. Auch das Gebet für den Papst ist so wichtig!

Weil diese beiden Apostel für die Kirche eine so große Bedeutung haben, werden an ihrem Festtag in vielen Diözesen die Priesterweihen gespendet. Auch heuer werden im Dom zu St. Pölten drei Männer durch den hwst. Herrn Diözesanbischof zu Priestern geweiht, davon zwei aus dem Priesterseminar und einer aus der "Gemeinschaft vom heiligen Josef". Wir wollen für sie beten!

Dieses Apostelfest soll auch für uns in der Pfarre ein Anlaß sein, über die Bedeutung und die Notwendigkeit des Weihepriestertums nachzudenken.

Was ist ein Priester? Einerseits ist es ein Mensch wie jeder andere, mit menschlichen Qualitäten und Schwächen. Aber Gott hat gerade solche Menschen erwählt, am Priestertum seines Sohnes Jesus Christus teilzuhaben! Denn dies ist von entscheidender Wichtigkeit: Der eigentliche Priester ist unser Herr Jesus Christus. Der Priester ist nämlich ein Mittler zwischen Gott und den Menschen. Wer könnte dafür mehr berufen sein als der Erlöser der Menschen, Jesus Christus? Er ist ja zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch. Als Gott lebt er seit Ewigkeit. Vor zweitausend Jahren ist er Mensch geworden aus der Jungfrau Maria und hat damit sein priesterliches Amt angetreten, die Menschen mit Gott zu versöhnen. Im Namen der ganzen Menschheit bringt unser Herr Jesus Christus dem himmlischen Vater im Heiligen Geist das Opfer des Lobes dar. Dieses Opfer hat er besiegelt am Kreuz in der blutigen Hingabe seines Leibes für uns Menschen.

Und an diesem Priestertum Jesu Christi darf der geweihte Priester der Kirche teilnehmen!

Der Priester darf mitopfern mit Christus, in seinem Namen und im Namen der Kirche dem Vater im Himmel bei der Feier der Heiligen Eucharistie das Opfer des Leibes und Blutes Christi darbringen. Jesus hat auch die übrigen Sakramente seiner Kirche übergeben. So sind die Priester dazu aufgerufen, bei der Spendung dieser Sakramente in der Person Jesu Christi mitzuwirken.

Voller Dankbarkeit darf auch ich an diesem Festtag auf ein Jahr Priestertum zurückblicken. Für einen jungen Menschen ist es heute nicht leicht, sich für diesen Beruf zu entscheiden. Aber Gott schenkt denen, die sich bereit erklären, seinem Ruf zu folgen, große Freude in seinem heiligen Dienst! Und ich bereue es nicht, mich dafür entschieden zu haben. Daher danke ich allen, die mich durch ihr Gebet begleiten, auch in der Pfarre Mank.

Der Priesterberuf kann nicht einfach gewählt werden wie irgendeine andere Tätigkeit, wie ein "Job". Das Priestertum ist mehr! Es geht vor allem darum, dem Willen Gottes zu entsprechen. Was möchte Gott von mir in meinem Leben? Wozu ruft er mich? Es gibt in der Welt und in der Kirche viele Aufgaben. In vielen Berufen können wir Gott dienen und wohlgefallen. Unterstützen wir gerade junge Menschen durch unser Gebet und Opfer, damit sie den Willen Gottes für ihr Leben erkennen und ihr Ja sagen, wenn der Herr sie vielleicht zu einem Leben im Priester- oder Ordensstand ruft.

Der Nährboden für geistliche Berufe wird meist schon in den Familien bereitet. Darum ist es so wichtig, auch um gute Familien zu beten!

Je mehr sich das gläubige Volk mit der Gnade Gottes um die Heiligung des eigenen Lebens bemüht, desto mehr Segen wird seinen Priestern zuteil werden und auch umgekehrt.

Rufen wir die Fürbitte dieser beiden Apostel Petrus und Paulus an für die ganze heilige Kirche, besonders für unseren Papst Johannes Paul II. und unseren Bischof sowie für die neugeweihten Priester der Kirche. Empfehlen wir die Neupriester und alle Priester auch der Fürsprache der Gottesmutter Maria, die dem ewigen Hohenpriester, Jesus Christus, einen menschlichen Leib bereiten durfte! Amen.


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Gemeinschaft vom heiligen Josef