Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigtimpuls für den Ostersonntag
30. März 1997

L 1: Apg 10,34a.37-43; L 2: Kol 3,1-4 (oder: 1 Kor 5,6b-8); Ev: Joh 20,1-18


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Vielleicht werden Sie heute zu Mittag das Radio oder den Fernseher einschalten und sich die Osterbotschaft des Papstes mit dem Segen „Urbi et Orbi“ für die Stadt Rom und den ganzen Erdkreis anhören. Der Heilige Vater wird wieder weltweit in verschiedenen Sprachen die Auferstehungsbotschaft verkünden und allen Menschen ein frohes und gesegnetes Osterfest wünschen. Für uns Christen ist dieser gegenseitige Wunsch „Frohe und gesegnete Ostern“ mehr als ein frommer Brauch oder eine mitmenschliche Geste guten Willens. Jesus Christus ist wirklich auferstanden, und er lebt. Er ist auch bei uns gegenwärtig!

Aber fällt es uns leicht, daran zu glauben? Schon die Apostel hatten anfangs ihre Schwierigkeiten, wie wir in den Evangelien lesen. Zu tief saß der Schock über den Tod Jesu in ihrem Herzen. Die Frauen waren ihnen voraus im Glauben. Maria von Magdala ist die erste, der der auferstandene Herr erscheint. Doch es ist auch für sie zuerst nicht klar, wer ihr gegenübersteht. Sie meint nämlich den Gärtner zu erblicken. Da spricht sie Jesus ganz persönlich an mit den Worten „Maria“. Nun erst erkennt sie, wer zu ihr spricht: der Herr und „Meister“ Jesus Christus.

Der Osterglaube aber läßt sich nicht aufhalten. Er bricht sich Bahn bei den Aposteln und den Jüngern Jesu, bei den einen schneller, bei den anderen langsamer. Entscheidend ist die persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, wovon sie anderen weiter erzählen. Jesus zeigt ihnen seinen verklärten Leib, die Apostel dürfen ihn anfassen. Ja, es ist wirklich derselbe Jesus, der am Kreuz gestorben ist! Er lebt.

Wir gehören nicht zu den Augenzeugen der Erscheinungen des auferstandenen Herrn. Ist für uns deshalb die Auferstehung Jesu weniger gewiß? Keineswegs. Die Apostel und Jünger sind glaubwürdige Zeugen, die für den Glauben an Jesus Christus in den Tod gegangen sind. Viele sind als Märtyrer gestorben. Außerdem hat Gott ihre Verkündigung begleitet durch Zeichen und Wunder. Das Wort der Apostel war mit dem „Erweis von Geist und Kraft verbunden“ (1 Kor 2,4), wie der Apostel Paulus schreibt. So ist die Botschaft von Jesus Christus dem Auferstandenen auch für uns eine lebendige Hoffnung, auf die wir unser Leben gründen dürfen.

All das Negative in der Welt hat Christus durch seinen Tod am Kreuz überwunden. In der Auferstehung ist dieser Triumph über das Böse - über Sünde, Tod und Teufel - allen offenbar geworden. Der Weg zum Vater im Himmel steht uns wieder offen. Das Netz der Sünde ist zerrissen, und wir sind frei (vgl. Ps 124,7). In dieser Freiheit der Kinder Gottes dürfen wir Gott unseren Vater nennen und zu ihm beten.

Es war der Tag nach dem jüdischen Sabbat, als Jesus auferstanden ist, der achte Tag der Woche also. Die Christen feierten diesen Tag in besonderer Weise und kamen jede Woche vor allem am Tag der Auferstehung des Herrn, dem „Tag des Herrn“ zusammen, um miteinander Eucharistie zu feiern. Im Geschehen der Heiligen Messe wird ja auf unblutige Weise das Kreuzesopfer Jesu Christi Gegenwart, zugleich aber auch seine glorreicheAuferstehung und Himmelfahrt. Als sich das Christentum im römischen Weltreich durchsetzte und zur Staatsreligion wurde, da wurde auch der arbeitsfreie Sonntag eingeführt. So war es für die Christen leichter möglich, ihren religiösen Verpflichtungen nachzukommen und sich ihren Angehörigen zu widmen.

Lassen wir uns diesen Tag der wöchentlichen Feier der Auferstehung des Herrn nicht nehmen. Viel hängt von uns selber ab, wie wir ihn gestalten. Gesetze können zwar gewisse Rahmenbedingungen schaffen, aber den Glauben und die Liebe zu Gott können sie nicht ersetzen. Nehmen wir doch am Gottesdienst der Heiligen Messe aus innerster Überzeugung teil und nicht nur aus gewohnheitsmäßigem Brauchtum! Es soll uns ein Anliegen sein, an der Feier des Leidens und Sterbens Jesu und seiner Auferstehung teilzunehmen.

Liebe Gläubige, was steht uns bevor, was ist unsere Zukunft? Ist der Tod das Letzte und die Verwesung des Leibes die enttäuschende Antwort auf ein mühevolles Leben? Nein. Die Auferstehung des Fleisches am Ende aller Zeiten ist genauso wirklich wie der uns vorher erwartende Tod. Jesus Christus hat auch für uns den Sieg davongetragen. Er ist die Auferstehung und das Leben - auch für uns! In dieser Hoffnung dürfen wir leben und sterben. Bemühen wir uns, durch ein glaubwürdiges christliches Leben von dieser Hoffnung Zeugnis zu geben. Amen.


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