Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Predigt zur Kindermette
am 24.12.1996
Messe von der Heiligen Nacht (B). L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Liebe Kinder, liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es ist schön, daß Ihr in so großer Zahl gekommen seid, um voll Freude die Geburt des Jesuskindes zu feiern. Auch die Jungschar ist hier, dazu viele ganz Kleine mit ihren Eltern sowie die Schulkinder und manche Erwachsenen.
Im Evangelium haben wir die frohe Botschaft gehört, daß Maria ihren Sohn Jesus geboren und ihn in eine Krippe gelegt hat. Denn in der Herberge war kein Platz für sie.
Es ist für uns kaum vorstellbar: Da wird ein Königskind geboren, der Sohn Gottes vom Himmel, und er findet keinen Platz bei den Menschen! Nur Maria und Josef sorgen für das Kind mit großer Liebe.
Dann aber erfahren auch Hirten auf dem Felde vom Engel die frohe Botschaft. „Heute ist euch der Retter geboren“, sagt der Engel zu den Hirten. Und er verkündet ihnen den Frieden, der von diesem Kinde ausgeht und der alle Menschen erreichen soll!
Ihr seht jetzt in der Kirche eine wunderbare Krippe und werdet wohl auch selber herantreten, um das Jesuskind und seine Mutter Maria sowie den heiligen Josef anzuschauen und zu verehren. Denkt euch, ihr kommt wirklich zum Jesuskind!
Aber was können wir Jesus schenken? Wir haben doch selber nicht viel, werdet ihr sagen, und das ist richtig. Aber vielleicht möchte Jesus gar nicht irdischen Reichtum von uns, sondern etwas anderes.
Da gibt es eine interessante Geschichte:
Nachdem die Hirten bei dem Kind gewesen und längst wieder fort gegangen waren, da kam auch ein kleiner Bub in eurem Alter zur Krippe. Er wollte das Jesuskind anschauen, und Maria und Josef erlaubten es ihm. Plötzlich hörte er ganz leise die Worte des Jesuskindes (es konnte nämlich schon sprechen, aber ganz leise nur): „Martin, was möchtest du mir schenken?“ Da wurde der Bub rot und sagte: „Ich habe nichts, was ich dir geben könnte. Ja, vielleicht die Klinge eines alten Messers. Ich habe sie gefunden.“ „Nein“, sagte das Jesuskind, „das ist es nicht, was ich von dir haben möchte. - Aber vielleicht kannst du mir dein Bild schenken, das du zuletzt gemalt hast?“ Da wurde Martin ganz verlegen. Er sagte: „Aber das war doch so häßlich, daß überhaupt niemand es haben wollte.“ „Eben deshalb“, sagte das Jesuskind. „Schenke mir immer alles, was andere an dir auszusetzen haben und wo du nicht ihren Wünschen und Vorstellungen entsprichst.“ Martin schenkte dem Kind also das Bild. „Dann möchte ich noch etwas anderes von dir“, sagte das Jesuskind. „Erinnerst du dich an den Teller, den du heute zerbrochen hast?“ „Ja“, meinte Martin. „Schenke ihn mir!“ sagte das Jesuskind. „Gib mir immer alles, was in deinem Leben zerbrochen und schiefgegangen ist.“ Martin schenkte ihm den Teller. „Und noch einen letzten Wunsch habe ich von dir“, sagte das Jesuskind. „Schenke mir auch die Antwort an deine Eltern, als sie dich fragten, was mit dem Teller passiert ist.“ Da wurde der Bub sehr traurig und flüsterte: „Ich habe gesagt, ich hätte den Teller unabsichtlich vom Tisch gestoßen. Aber das war eine Lüge. In Wirklichkeit war ich zornig und habe den Teller deswegen zu Boden geworfen.“ „Das wollte ich wissen“, sagte das Christuskind. „Gib mir immer alles, was in deinem Leben böse ist, alle Lügen und Ausflüchte, deine Feigheit und Grausamkeit, den Streit und allen Zorn und Neid. Ich will es dir wegnehmen. Das brauchst du doch nicht, oder? Ich werde dich wieder froh machen! Von heute an darfst du jeden Tag zu mir kommen und mir alle deine Fehler übergeben.“ Da wurde Martin sehr froh und erleichtert. Er wußte sich verstanden und angenommen. Und er nahm sich fest vor, dem Christkind jeden Tag viel Freude zu machen!
So wie der kleine Martin seid auch ihr heute zur Krippe gekommen, um Jesus alle Eure Freude und Liebe zu schenken. Ihr dürft ihm aber jeden Tag auch das geben, was euch bedrückt und was ihr falsch gemacht habt. Er wird euch bestimmt nicht wegschicken. Denn Jesus liebt es, wenn die Kinder zu ihm kommen!
In der heiligen Messe feiern wir das größte Geheimnis unseres Glaubens: Auf unsichtbare Weise wird Jesus in der Wandlung bei uns gegenwärtig unter der Gestalt des Brotes und Weines. In der heiligen Kommunion möchte dieser König in Euer Herz kommen. Habt ihn recht gern!
Und verehrt auch die heilige Jungfrau Maria, seine Mutter, und den heiligen Josef, der das Jesuskind so liebevoll beschützt hat und so väterlich für Jesus gesorgt hat!
Einmal nach diesem Leben werden wir Jesus persönlich begegnen und ihn sehen, wie er als König herrscht im Himmel. Bleibt im Leben immer mit ihm verbunden. Dann dürfen wir sein Kommen voll Freude feiern! Amen.
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