Kaplan Mag. Christian Poschenrieder, Gars am Kamp
Predigt
für den Karfreitag
(10. April 1998)
L 1: Jes 52,13-53,12; L 2: Hebr 4,14-16; 5,7-9; Ev: Joh 18,1-19,42
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Warum gibt es das Leid in der Welt? Warum gibt es Kriege? Warum die Ungerechtigkeit? Warum soviel Armut, Not, Hunger in der 3. Welt?
Sie werden sich sicher schon diese Fragen gestellt haben und vielleicht ratlos gewesen sein und keine befriedigende Antwort darauf gewußt haben. Im Letzten müssen wir wirklich passen. Wir wissen es nicht. Der Glaube sagt uns nur etwas über den Ursprung des Leids und der Sünde, und der Glaube gibt dem Leid auch einen Sinn!
Seit wann gibt es die Sünde? Die Sünde ist seit unseren Stammeltern (Adam und Eva) in der Welt. Seit ihrem Ungehorsam gegen Gott, seit der ersten Übertretung von Gottes Gebot im Paradies haben wir die Erbschuld und die Folgen der Erbsünde - Leiden und Tod - zu tragen.
Den Menschen bleibt also auf dieser Welt das Kreuz nicht erspart. Eine Welt ohne Leid ist Utopie. Die wird es nie geben. Seit der Ursünde ist der Mensch, das Menschengeschlecht, geschwächt, seit der Erbschuld ist seine Natur verwundet und er neigt zum Bösen und wird immer wieder fallen. Leiden und Tod sowie die bleibenden Versuchungen zum Bösen sind letztlich das Kreuz, das wir tragen müssen.
Aber Jesus gibt diesem Leiden einen Sinn. Wir könnten nämlich jetzt genauso fragen:
Warum geht Jesus diesen Kreuzweg? Warum leidet Jesus? Warum stirbt er auf so unmenschliche Weise den Kreuzestod?
Die Antwort haben wir vielleicht von unseren Eltern oder in der Schule gelernt: Um uns zu erlösen; um den Ungehorsam unserer Stammeltern wieder gut zu machen. Aus Liebe, aus Liebe zu uns Menschen!
Jesus hat uns durch seinen Tod den Himmel wieder geöffnet, der uns seit dem Sündenfall im Paradies verschlossen war. Er hat alles wieder gut gemacht.
Aber warum passiert das auf so grausame Art? Er hätte es doch auch anders machen können! Einen Tropfen Blut zu vergießen hätte genügt, und die ganze Menschheit wäre erlöst, wenn er es gewollt hätte, wenn es sein Wille gewesen wäre. Aber nein! Jesus geht freiwillig diesen leidensvollen, schmerzhaften Weg nach Golgota und läßt sich kreuzigen. Warum?
Eine Antwort ist: Indem Jesus uns sein schweres Kreuz vorausgetragen hat, hat er auch unser Kreuz leichter gemacht. Er, der menschgewordene Sohn Gottes, hat alles schon durchgelitten. Alle Schmerzen, alles Leid auf dieser Welt kennt also Jesus bereits. Er hat alle unsere Sünden mit hinaufgetragen ans Holz des Kreuzes. Er hat sogar die Gottverlassenheit durchgemacht: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" (Mt 27,46). All dieses Leid und seinen Kreuzestod hat er stellvertretend für die Menschheit Gott als Sühne angeboten, weil er die Menschen liebt. "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt" (Joh 15,13). Darum hat er auch uns aufgetragen: "Liebt einander, wie ich euch geliebt habe" (vgl. Joh 13,34).
Wir merken oft, wie schwer das ist. Das Wichtigste ist, daß wir den Willen dazu haben, daß wir offen sind, daß wir uns bemühen, sodaß man wie bei den Christen in der Urkirche auch bei uns sagen kann: "Seht, wie sie einander lieben." Das soll unser Ziel sein. Gott möge uns stärken! Amen.
Zur Leitseite
Gemeinschaft vom heiligen Josef