Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau
Predigt am Fest der Heiligen
Familie
am 28. Dezember 1997 (C)
L 1: Sir 3,2-6.12-14 oder 1 Sam 1,20-22.24-28;
L 2: Kol 3,12-21 oder 1 Joh 3,1-2.21-24; Ev: Lk 2,41-52
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es war Gottes heiliger Wille und lag im ewigen Plan unserer Erlösung beschlossen, daß der menschgewordene Sohn Gottes im Schutz und in der Geborgenheit einer menschlichen Familie aufwachsen sollte. Darum war ja der heilige Josef dazu auserwählt, der treue Bräutigam der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria zu sein. Er sollte gleichsam die irdische Vaterrolle übernehmen für den ewigen Sohn Gottes, der nun als Kind ihm anvertraut war.
Dadurch, daß unser Erlöser und Heiland in einer menschlichen Familie aufwachsen wollte, hat er uns gezeigt, wie unersetzlich und heilig Ehe und Familie sind. Schon im Anfang, im Paradies, schuf Gott den Menschen als Mann und Frau. Sie sollten sich gegenseitig helfen und einander beistehen und miteinander für den Lebensunterhalt und die Erziehung ihrer Kinder sorgen.
Auch Jesus Christus unterstellte sich freiwillig seinen Eltern: der Jungfrau Maria, die ihn vom Heiligen Geist empfangen hatte, und dem ebenfalls jungfräulichen heiligen Josef, der nach dem Willen des himmlischen Vaters auf Erden der gesetzliche Vater Jesu sein sollte, auch wenn er nicht sein leiblicher Vater war.
Wir wollen die Demut und den Gehorsam des ewigen Sohnes Gottes bewundern, der sich freiwillig abhängig gemacht hat von Menschen und der seinen Eltern gehorsam war. Dreißig Jahre lang verbrachte er das verborgene Leben im Haushalt und in der Werkstätte seiner Familie in Nazaret. Nur einmal trat er für kurze Zeit an die Öffentlichkeit: Als Jesus nämlich zwölf Jahre alt geworden war (bei den Juden die Zeit seiner Volljährigkeit), da geschieht etwas, was seine Eltern kaum begreifen können: Jesus ist für drei Tage unauffindbar. Und als ihn Maria und Josef endlich finden, da sitzt er bei den Lehrern im Tempel und diskutiert mit ihnen. Er hört zu, stellt Fragen und gibt kluge und verständnisvolle Antworten. Und alle sind erstaunt. Die Frage seiner Mutter aber war: "Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht." Sie verstanden noch nicht, daß der eigentliche Gehorsam Jesu seinem himmlischen Vater gelten mußte. Doch Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. So lernten die Eltern Jesu allmählich begreifen, daß sie selber noch mehr zurücktreten mußten und sich dem Willen Gottes nicht entgegenstellen durften.
Ähnliches passiert wohl auch in vielen anderen Familien. Da werden die Kinder größer, und sie beginnen eigene Wege zu gehen. Die Eltern haben ihre liebe Not mit den "Kindern", die Dinge tun, die die Eltern nicht verstehen und oft auch nicht gutheißen können. Natürlich hat Jesus nie etwas Unrechtes oder gar Sündhaftes getan, er war ja der Sohn Gottes. Aber es ist für Eltern ein Trost, daß auch in der Heiligen Familie nicht alles von vornherein "glatt" ging, daß es auch dort Sorgen und Probleme gegeben hat.
Und bestimmt sind unsere familiären Sorgen und Anliegen gut aufgehoben, wenn wir uns immer wieder an die Heilige Familie wenden: an die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria sowie an den Heiligen Josef und natürlich an das göttliche Kind, dessen Geburt wir in dieser Weihnachtszeit so festlich begehen!
Leider gibt es gesellschaftliche Kräfte, die auf die Zerstörung unserer Familien abzielen. Und doch gibt es keine Zukunft für Kirche und Gesellschaft ohne intakte Familien. Wenn die Kirche den großen Wert von Ehe und Familie betont, so ist dies keine Diskriminierung von Alleinstehenden oder von Menschen, die an gewissen Anforderungen gescheitert sind und deren Ehe in eine Krise geraten oder vielleicht gar zerbrochen ist. Ihnen allen gilt unsere liebevolle Solidarität und Mitsorge! Wir dürfen nicht hart und lieblos über andere urteilen. Aber das gottgewollte Ideal einer in Liebe und Gebet verbundenen christlichen Familie wollen wir hochhalten und anstreben. Nicht negative Berichte brauchen wir (das Zerrbild von Ehe und Familie wird uns ohnehin in vielen Medien nahegebracht), sondern das positive Ideal und Leitbild einer wahrhaft heiligen Familie!
Nicht Zukunftsangst darf uns lähmen, sondern das Vertrauen auf die Hilfe Gottes gibt uns Mut und Kraft: Gott wird unseren Familien beistehen und uns schon hier auf Erden etwas von dem Glück erahnen lassen, das er uns schenken will in der ewigen Gemeinschaft der Kinder Gottes im Himmel. Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef