Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Fest der Heiligen Familie
am 26. Dezember 1999 (Lesejahr B)

L 1: Sir 3,2-6.12-14 oder Gen 15,1-6; 21,1-3;
L 2: Kol 3,12-21 oder Hebr 11,8.11-12.17-19; Ev: Mt 2,22-40


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was macht das Wesen einer Familie aus? Wer oder was muß vorhanden sein, damit wir von einer Familie sprechen können? Diese Frage wollen wir uns heute stellen, wenn wir das "Fest der Heiligen Familie" feiern. Unter der Heiligen Familie verstehen wir Maria und Josef mit dem Jesuskind. Und wenn wir diese Familie als Maßstab nehmen für eine Antwort auf die zuvor gestellte Frage, dann können wir sagen: Eine Familie im vollen und idealen Sinn ist dort vorhanden, wo es Eltern gibt, die miteinander durch eheliche Liebe und Treue verbunden sind, und wo auch Kinder das Leben empfangen haben, für die ihre Eltern in Liebe sorgen und verantwortlich tätig sind.

Mit dieser "idealen" Beschreibung einer Familie sollen jene Mütter und Väter, die als Alleinerzieher für Kinder aufkommen müssen und sich nach besten Kräften für deren Wohl einsetzen, nicht auf die Seite gestellt oder abgewertet werden. Aber überall dort, wo ein Elternteil fehlt oder die Eltern aus welchen Gründen immer getrennt sind, spüren die Betroffenen selber, daß dies ein Zustand ist, mit dem sie nicht gerechnet haben und den sie für sich und ihre Kinder nicht für wünschenswert halten.

Blicken wir heute aber auf die Heilige Familie! Ihr Mittelpunkt ist zweifellos das göttliche Kind, Jesus Christus. Der Sohn Gottes ist Mensch geworden aus der Jungfrau Maria und wollte im Schutz und in der Geborgenheit einer menschlichen Familie aufwachsen! In Liebe waren Maria und Josef untereinander verbunden und auch mit dem Kind. Dabei ist es wichtig, daß Maria und Josef in einer wahren Ehe zusammenlebten, auch wenn beide in gegenseitigem Einverständnis und nach dem Willen Gottes jungfräulich lebten, also auf die sexuelle Vereinigung, wie sie Ehepartnern als leiblicher Ausdruck ihrer geistig-seelischen Liebe zusteht, um Gottes willen verzichteten.

Wenn das Kind in der Heiligen Familie aber direkt von Gott kommt (die Jungfrau Maria hat Jesus ja vom Heiligen Geist empfangen), dann stellt sich uns die Frage nach der Aufgabe und Bedeutung des heiligen Josef. Wie sehr gehört er zur Heiligen Familie? Ist er dem Kind und seiner Mutter gewissermaßen nur "äußerlich", also eher zufällig, im Sinn eines gottgewollten Beistandes zugeordnet, vielleicht noch gerade als "Nähr- oder Pflegevater", oder gibt es doch eine Beziehung, die ihn gewissermaßen unersetzbar und wesentlich macht im Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes?

Auch wenn Josef nicht der leibliche Vater des Jesuskindes ist, so nennt ihn die Heilige Schrift dennoch mit vollem Recht "Vater". Er war ja mit der Jungfrau Maria in ehelicher Liebe verbunden, und Gott hat ihm alle Vaterrechte und Vaterpflichten über das Jesuskind übertragen, als er dem Heiligen Josef durch den Engel aufgetragen hat, seine Frau mit ihrem Kind zu sich zu nehmen. Wir können sagen: Der Sohn Gottes wurde in die Familie Josefs hineingeboren, und darum ist Josef mit Recht der jungfräuliche Vater Jesu.

Wenn das so ist, dann hat Gott selber dem heiligen Josef eine zentrale Stellung in der Heiligen Familie verliehen. Jener stille Mann, von dem uns kein einziges Wort aus seinem Mund überliefert ist, darf nicht unterschätzt werden, auch wenn er im Verborgenen seinen Dienst an Kind und Mutter leistete. Kann er nicht auch für unsere Männer und Väter ein Vorbild sein? An ihm ist nichts Gekünsteltes oder Überfrommes, sondern in schlichter Einfachheit und mit großem praktischen Sinn suchte er die täglichen Lebensaufgaben im Dienst der ihm Anvertrauten zu erfüllen. Was sollte ein guter Vater heute anderes wollen? Ist es nicht auch sein Herzensanliegen, gut für Frau und Kinder zu sorgen und in Liebe für sie dazusein?

Überall dort, wo die Realität von Ehe und Familie mit vielen Problemen fertig werden muß, schauen wir aus nach Modellen für geglückte Ehe und Familie. Die Heilige Familie ist ein solches. Alle Personen dieser Familie waren in Liebe miteinander verbunden. Sie orientierten sich gemeinsam nach dem Willen Gottes. Wo der Mensch dies tut, wo er Gott an die erste Stelle setzt, da kommt überraschenderweise der Mensch nicht zu kurz. Im Gegenteil: Er findet seinen Frieden und auch die richtige Beziehung zu seinen Mitmenschen.

Dafür legt uns die Heilige Familie ein großartiges Zeugnis ab. Wir wollen Maria und Josef um ihre Fürsprache bei Jesus bitten. Er sorgt in Liebe für alle Familien, da er selbst in einer solchen aufgewachsen ist. Amen.
 
 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at