Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Predigt für Christi
Himmelfahrt
8. Mai 1997 (Lesejahr B)
L 1: Apg 1,1-11; L 2: Eph 1,17-23; Ev: Mk 16,15-20
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Vierzig Tage nach Ostern feiert die Kirche heute das Fest der Himmelfahrt des Herrn. Nach den Berichten der Evangelien und der Apostelgeschichte ist Jesus Christus nach seiner Auferstehung von den Toten vierzig Tage hindurch den Aposteln und Jüngern erschienen. In dieser Zeit unterrichtete er sie über wichtige Dinge, die das ewige Heil der Menschen betreffen. Er gab den Jüngern den Auftrag, nach seinem endgültigen Eintreten in die himmlische Herrlichkeit auf das Kommen des Heiligen Geistes zu warten. Gestärkt mit dieser Gabe sollten sie ausziehen in alle Welt und das Evangelium verkünden.
Heute feiern wir das Hochfest, an dem unser Herr Jesus Christus auch seiner Menschheit nach endgültig in die göttliche Verherrlichung beim Vater im Himmel eingetreten ist. Weil Jesus wirklich Gott und Mensch zugleich ist, so ist in ihm unsere Menschennatur erhoben worden in die Herrlichkeit Gottes. Der Mensch, der von Natur aus unter den Engeln steht, ist auf diese Weise in Jesus Christus über die Engel erhoben worden.
Die Apostelgeschichte beschreibt, wie die Jünger und Apostel den Vorgang der Himmelfahrt erlebt haben. Jesus schwebte vor ihren Augen zum Himmel, und eine Wolke verhüllte ihn ihren Blicken.
Ist der Himmel für uns eine Realität? Glauben wir wirklich an das ewige Leben bei Gott „im Himmel“? Das heutige Fest kann Anlaß sein, diese Frage zu klären. Natürlich dürfen wir nicht so naiv sein, den Himmel Gottes und der Heiligen einfach mit dem blauen Wolkenhimmel über uns gleichzusetzen oder mit dem Sternenhimmel des Alls. Gott übersteigt jede geschöpfliche Ordnung, er lebt und existiert jenseits aller geschaffenen Wirklichkeit, und zugleich ist er uns und allen Dingen unbeschreiblich nahe. Wenn wir wirklich an Gott glauben, so müssen wir auch an den Himmel glauben!
Denn der Himmel ist dort, wo Gott ist und wir mit ihm für immer selig sein werden. Wir erwarten voll Zuversicht das ewige Leben bei Gott. Jesus selber sagt, er geht zum Vater, um uns eine Wohnung zu bereiten: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ Und er möchte, daß auch wir dort sind, wo er ist (vgl. Joh 14,2 f).
Einmal wird Jesus wiederkommen am Ende der Zeiten, um alles in Gott zu vollenden. Der Jüngste Tag, an dem dies geschieht, ist für uns kein Tag des Schreckens, wenn wir in der Liebe Gottes bleiben. Denn „wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet“, sagt Jesus. Nur „wer nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk 16,16). Wir wissen nicht den Tag und die Stunde und sollen darum allezeit bereit sein für das Kommen des Herrn, der uns in der Sterbestunde erwartet.
Christsein heißt also, in der Welt leben und doch nicht von dieser Welt sein. Wir sollen Menschen sein, die ihre Herzen in Gott verankert haben und darum von den Stürmen dieses Lebens nicht entwurzelt werden können. Freilich wird es manchmal nicht leicht sein für uns. Wir müssen uns bewähren im geistlichen Kampf. Aber Gott ist mit uns. Er steht uns bei. Obwohl Jesus in den Himmel aufgefahren ist, ist er unsichtbar bei seiner Kirche geblieben und hat ihr den Heiligen Geist gesandt. In diesem Geist, der uns zu Kindern Gottes macht, sind wir voll Zuversicht. Gott, unser Vater, wird uns jeden Tag geben, was wir zum Leben brauchen. Er wird unsere Schritte zu ihm lenken, sodaß wir einst aufgenommen werden in die himmlische Herrlichkeit.
Die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria wurde als erste von allen Menschen ihrem Sohn schon vollkommen gleichgestaltet und nicht nur der Seele nach, sondern auch mit ihrem Leib in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen. Dort lebt und herrscht ihr Sohn, unser Herr Jesus Christus, und tritt fürbittend für uns ein bei seinem Vater.
An dieser himmlischen Liturgie nehmen wir vorauskostend teil, wenn wir die Heilige Messe feiern. Laßt uns also eintreten in dieses Geheimnis des Glaubens, um teilzuhaben an den Mysterien des Todes, der Auferstehung und der Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit seinem Vater lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
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