Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt am Herz-Jesu-Fest (6. Juni 1997)

L 1: Hos 11,1.3-4.8a.c-9; L 2: Eph 3,8-12.14-19; Joh 19,31-37


Liebe Brüder und Schwestern!


Mit der Kirche feiern wir heute das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Die Einführung dieses Festes geht zurück auf die Erscheinungen des Herzens Jesu an die heilige Margareta Maria Alacoque, die von der Kirche anerkannt wurden. Jesus erschien dieser Schwester mit seinem von Liebe zu den Menschen geöffneten und von ihrer Undankbarkeit verwundeten Herzen. So sehr liebt Gott die Welt, daß er seinen eingeborenen Sohn für uns Menschen hingegeben hat bis zum Tod am Kreuz, bis zur Durchbohrung seines Heiligsten Herzens.

Wenn wir heute die Herz-Jesu-Festmesse feiern und anschließend Anbetung vor dem Allerheiligsten halten, so wollen wir diese Liebe des Herzens Jesu erwidern, so gut es uns möglich ist. Denn dieses von Liebe geöffnete Herz des Sohnes Gottes erfährt von den Menschen nichts als Undank und Lieblosigkeit. Und in vielem sind auch wir durch unsere Sünden daran beteiligt. So wollen wir voll Demut und Reue hintreten und Abbitte leisten für unsere eigenen Sünden, aber auch für die Sünden der ganzen Welt. Dieser Geist der Buße und Sühne soll uns nicht niederdrücken, sondern froh machen. Denn es ist die Liebe Gottes, die uns dazu bewegt und uns Großes verheißt für unser ganzes Leben.

Wer sich Gott hingibt und verschenkt, wird von ihm in überreichem Maß gesegnet. Gott hat uns zuerst geliebt. Was besitzen wir, das wir nicht von ihm empfangen hätten? Ob das natürliche Leben oder das übernatürliche Leben der heiligmachenden Gnade - alles haben wir von Gottes Händen empfangen. Wir sollen all diese Gaben in Dankbarkeit nützen und entfalten.

Liebe und Sühne sind die zwei Hauptforderungen des Heiligsten Herzens Jesu an uns. Wir wollen einfach den kleinen Alltag heiligen und uns im Gebet mit Gott verbinden. Dann werden wir die Kraft bekommen zu Taten wahrer Gottes- und Nächstenliebe, zu Verzicht und Opfer aus Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen. Auf diese Weise entspricht die Gegenliebe, die wir dem Heiligsten Herzen Jesu erweisen, sehr gut auch der Botschaft von Fatima, deren 80-Jahr-Jubiläum die Kirche heuer begeht.

Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria möchte die Menschen hinführen zum Heiligsten Herzen Jesu. Sie kennt und liebt dieses Herz wie kein anderer Mensch. An diesem Herzen sollen wir aus den Quellen der Gnade das Wasser des Lebens schöpfen und so gereinigt und geheiligt werden.

Alle Gnadenströme kommen ja von diesem Herzen, das am Kreuz für uns Menschen von der Lanze durchbohrt wurde. Blut und Wasser, die aus der geöffneten Seite des Herrn flossen, sind Zeichen für die Sakramente der Kirche, vor allem für die Heilige Eucharistie und die Taufe.

Aus dem Herzen Jesu wurde die Kirche geboren: So wie Eva von Gott aus der Rippe des schlafenden Adam gebildet wurde, entstand die Kirche aus der geöffneten Seite des am Kreuz entschlafenen Christus, erläutern die Kirchenväter. Die Kirche muß sich dieses heiligen Ursprungs stets bewußt sein. Sie besteht zwar aus Menschen, ist aber keine menschliche Einrichtung, sondern göttlicher Herkunft, von Jesus gewollt und gestiftet.

Die von Jesus Christus erworbenen Schätze der Wahrheit und des ewigen Heiles werden uns nach dem Willen Gottes durch die Vermittlung der Kirche zuteil. Bleiben wir darum immer mit der Kirche verbunden! Menschen können Fehler machen, Gott selber, der durch seinen Heiligen Geist die Kirche leitet, irrt sich nie und garantiert der Kirche und ihrem Lehramt das ständige Bleiben in der Wahrheit.

In diesem Sinne wollen wir alle Menschen in unser Gebet hineinnehmen, ob sie nun Gott kennen oder nicht oder sich gar von ihm abgewandt haben. Niemand soll ausgeschlossen sein von unserer Liebe. Beten wir, daß alle Menschen zu Gott finden und zu seinem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, den der himmlische Vater im Heiligen Geist gesandt hat zu unserem Heil. Er hat sein Herz aus Liebe zu uns Menschen geöffnet.

Öffnen auch wir unser Herz Gott in Liebe, damit wir am Herzen Jesu trinken können aus diesem Quell der Gnade, der einmal fortströmt ins ewige Leben bei Gott. Amen.


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Gemeinschaft vom heiligen Josef