Predigt für
den Gründonnerstag
"Katechese über
die heilige Messe"
(1. April 1999)
L 1: Ex 12,1-8.11-14; L 2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Joh 13,1-15
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenn wir heute die Messe vom "Letzten Abendmahl" Christi feiern, dann tun wir dabei genau das, was Jesus seinen Aposteln und Jüngern mit den Worten aufgetragen hat: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Dies gilt nicht nur für den heutigen Tag, sondern für jede Feier des eucharistischen Opfers in der heiligen Messe. In jeder Meßfeier tut die Kirche das, was Jesus ihr aufgetragen hat. Es ist also nicht eine mehr oder weniger zufällige Versammlung frommer Gläubiger, sondern die von Gott selbst zur Feier von Tod und Auferstehung Christi zusammengerufene Gemeinschaft der Glaubenden. Eben hier ereignet sich in ganz einzigartiger Weise "Kirche". Darum ist es nur folgerichtig, wenn es ein ausdrückliches kirchliches Gebot zur Teilnahme an der heiligen Messe an allen Sonntagen und kirchlich gebotenen Feiertagen gibt!
Am Abend vor seinem Leiden und Sterben hat Jesus uns das Kostbarste geschenkt, was er vermochte: die unblutige Feier seines Todes und seiner Auferstehung, die reale Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi. Es ist ein- und dasselbe Opfer, das Jesus am Kreuz dargebracht hat und das wir nun feiern: Jede heilige Messe ist eine Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi. Denn bei Gott bedeuten Raum und Zeit keine Grenzen für seine Gegenwart und sein Wirken. Vielleicht hilft uns der Gedanke, wenn wir zur Messe gehen: Wir wollen teilnehmen an Jesu Kreuzesopfer, an seinem Tod und seiner Auferstehung. Jene Liebe, die uns der Sohn Gottes erwiesen hat durch sein Leiden und Sterben, wollen wir nicht unbeantwortet lassen!
Weil die heilige Messe so etwas Großes ist, darum fragen wir uns jetzt: Wie können wir am besten die heilige Eucharistie mitfeiern? Denn es ist klar: An sich hat die heilige Messe, da sie das Opfer Christi ist, einen unendlichen Wert. Jesus selber ist es ja, der durch den Priester in unser aller Namen dem himmlischen Vater Lob und Dank, Anbetung, Bitte und Sühne entgegenbringt. Unser Beitrag in einer "aktiven Teilnahme" besteht darin, daß wir uns innerlich und äußerlich diese Opfergesinnung Christi immer mehr zu eigen machen und uns ganz mit seiner liebenden Hingabe an Gott den Vater für das Heil der Menschen vereinen.
So bereiten wir zu Beginn jeder heiligen Messe unser Herz für das große Geheimnis, das wir nun feiern. Wir bekennen vor Gott und voreinander unsere Schuld und empfangen die Vergebung. Das Wort Gottes, das wir in Lesung und Evangelium hören, ist uns wie eine Speise der Seele, die unseren Glauben stärken soll. Schon hier erfahren wir die Gegenwart des heiligen Geistes, der uns mit seiner Liebe entflammt und unser Herz dem lebendigen Gott zuwendet!
Glaubensbekenntnis und Fürbitten nehmen alle Menschen hinein in unser Gebet. Unser Glaube ist katholisch, d.h. allumfassend.
In der Gabenbereitung, früher "Opferung" genannt, werden die Gaben für die Feier des heiligen Opfers bereitet. In diesen Zeichen von Brot und Wein dürfen wir auch unser Leben Gott darbringen. Wir legen unseren Dank und unsere Bitte auf die Opferschale und in den Kelch, damit unser Leben Gott wohlgefällig sei und zu einer heiligen Gabe werde für den Herrn. Damit verbindet sich die gläubige Hoffnung, daß Gott auch dieses Leben verwandeln wird in seine himmlische Herrlichkeit.
Die Präfation und der Ruf des Dreimal-Heilig leiten den Höhepunkt ein: Es folgt das eucharistische Hochgebet mit dem Zentrum, der heiligen Wandlung. Bei jeder Messe wiederholt die Kirche in der Person des geweihten Priesters die Worte Christi, wenn er über das Brot sagt: "Das ist mein Leib" und über den Wein: "Das ist mein Blut." Es ist mehr als ein "Einsetzungsbericht", es geschieht "Wandlung". Das Brot wird wirklich in den Leib Christi verwandelt und der Wein in das Blut Christi. Weil dieses Geschehen unsere Vorstellungskraft übersteigt, bekennen wir dies als "Geheimnis des Glaubens". Wir beten Christus an, der unter uns gegenwärtig ist als wahrer Gott und wahrer Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut. Im Namen Christi, des ewigen Hohenpriesters, bringt die Kirche Gott ihre Gebete und Gaben dar. Dabei gedenkt sie der Lebenden und Verstorbenen, des Papstes, der Bischöfe, Priester und Diakone sowie aller Gläubigen. Die Fürbitte der Heiligen wird angerufen, vor allem der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria. Für die Verstorbenen betet die Kirche in jeder Messe in besonderer Weise, da sie durch dieses heilige Opfer Hilfe und Beistand erfahren, wenn sie noch der Läuterung und Reinigung bedürfen.
Schließlich wendet sich die Gemeinde mit dem Gebet des Herrn, dem "Vaterunser", an Gott, den himmlischen Vater. Es faßt all unsere Bitte und unseren Dank an Gott zusammen. Wir bereiten uns nun vor auf den Empfang der Heiligen Kommunion. Jeder soll sich prüfen, ob er im Stand der heiligmachenden Gnade, d.h. ohne schwere Sünde ist, um würdig das heiligste Sakrament zu empfangen. Wenn die Kirche betont, daß nicht jeder automatisch hinzutreten darf, um den Leib und das Blut Christi zu empfangen, so verurteilt sie niemanden. Es soll uns aber helfen, die rechte Vorbereitung auf dieses große Geschenk der Kommunion zu erhalten. Denn Kommunion heißt Vereinigung: Wir werden mit Gott verbunden und auch untereinander. Übrigens gibt es für jene, die am Empfang der Kommunion gehindert sind, auch die sogenannte geistige Kommunion. Es ist dies die Sehnsucht des gläubigen Herzens, den Leib Christi zu empfangen - eine Möglichkeit, die wir vielleicht wieder neu entdecken sollten!
Der Segen des Priesters und der Entlassungsruf schließlich senden uns in die Welt hinaus. Das Geschenk der Liebe, das wir empfangen haben in der heiligen Eucharistie, soll sich fortsetzen in der Gesinnung und in Werken echter Nächstenliebe. Auch wir sollen für die Brüder und Schwestern unser Leben einsetzen nach dem Vorbild und mit der Kraft unseres Herrn Jesus Christus.
Wir begreifen nun wohl: Die heilige Messe
ist etwas überaus Kostbares und Wertvolles. Sie ist Quelle und
Höhepunkt unseres christlichen Lebens. Sie mitzufeiern bringt
uns schon in diesem Leben viele Gnadenhilfen von Gott und einst das ewige
Leben. Halten wir dieses Testament des Herrn heilig, das er uns gegeben
hat in der Nacht vor seinem Leiden und Sterben! Amen.