Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt für den Gründonnerstag
(9. April 1998)

L 1: Ex 12,1-8.11-14; L 2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Joh 13,1-15


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Apostel und Evangelist Johannes, der Jünger, "den Jesus liebte", berichtet uns in eindrucksvoller Weise von den letzten Stunden, die Jesus vor seinem Leiden und Sterben im Kreis seiner Apostel verbracht hat.

Jesus hatte sich mit den Zwölf in einen Saal zurückgezogen, der ihm wahrscheinlich von einem Bekannten eigens für die Feier des Paschamahles zur Verfügung gestellt worden war. Dort wollte er, wie es der Tradition der Juden entsprach, zum Gedenken an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten - zur dankbaren Erinnerung an ihre wunderbare Befreiung aus der Knechtschaft des Pharao durch die mächtige Hand Gottes - den Ritus des Paschamahles mit seinen Jüngern begehen, so wie es das Gesetz des Mose vorschreibt (vgl. Ex 12,14). Ein einjähriges, fehlerloses Lamm mußte es sein, das geschlachtet und unter die Mitfeiernden aufgeteilt werden sollte zur Erinnerung an diesen Auszug (Exodus) des Volkes Israel aus Ägypten.

Jesus feiert das Pascha mit seinen Aposteln. Er knüpft an den Ritus der Hinopferung des Lammes an, um dieses Vorausbild des Künftigen in seiner Person zur Vollendung zu führen. Denn Jesus selbst ist "das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt". Am Kreuz wird sich in der Wirklichkeit eines blutigen Opfers das ereignen, was Jesus im Letzten Abendmahl unblutig vorwegnimmt und vergegenwärtigt: Er selber opfert sich dem himmlischen Vater auf für die Sünden der Welt. Er gibt seinen Leib hin für alle, die an ihn glauben, und er vergißt sein Blut für die Sünder, damit sie die Versöhnung mit Gott erlangen.

Der Evangelist Johannes berichtet uns nicht die Einsetzung der heiligen Eucharistie durch Jesus beim Letzten Abendmahl (er hat ja ausführlich die Rede über das eucharistische Brot überliefert, vgl. Joh 6,22-59), während uns die übrigen Evangelisten (Matthäus, Markus und Lukas) und auch der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief mit fast gleichlautenden Worten dieses Opfer und Mahl des neuen Bundes überliefern. Jesus nahm Brot in seine Hände und gab es den Jüngern mit den Worten: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis" (Lk 22,19). In ähnlicher Weise reichte er ihnen den Kelch mit Wein, wobei er sprach: "Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird" (Lk 22,20).

Wir kennen diese Worte von der Wandlung bei der Heiligen Messe. Die Kirche führt durch die Priester fort, was Jesus den Aposteln und ihren Nachfolgern aufgetragen hat: "Tut dies zu meinem Gedächtnis."

Bei Johannes steht im Zusammenhang des Letzten Abendmahles - das er, wie gesagt, nicht eigens berichtet - der Bericht von der Fußwaschung Jesu an seinen Aposteln. Es ist ein Sklavendienst, den der menschgewordene Sohn Gottes, der "Herr" und "Meister", seinen Jüngern aus Liebe erweist. Damit zeigt er ihnen, daß sie nicht länger Knechte für ihn sind, sondern Freunde. Und er fordert sie zur Nachahmung auf: Wenn schon er, unser Herr und Gott, so an uns handelt, dann sollen auch wir einander in Liebe dienen und uns den Mitmenschen in helfender Liebe zuwenden.

Das Opfermahl der heiligen Kommunion, die wir empfangen, muß Konsequenzen für unser Leben haben. Messe und Eucharistie müssen sich fortsetzen in unseren Alltag hinein. Jesus ist gegenwärtig im Sakrament, das wir empfangen, er bleibt in unserem Herzen, er begegnet uns auch in unseren Brüdern und Schwestern. Die Nachfolge Christi wird uns ermöglicht durch die Kraft dieses Sakramentes, das wir feiern, empfangen und anbetend verehren. Lassen wir uns von der Liebe Christi erfüllen und schenken wir sie weiter an unsere Mitmenschen!

Dann wird auch uns einst der Herr im Reiche Gottes an seinem Tische Platz nehmen lassen, er wird sich gürten und uns bedienen (vgl. Lk 12,37). Amen.



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