Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Hochfest des Leibes und Blutes Christi

Fronleichnam, 22. Juni 2000

L 1: Ex 24,3-8; L 2: Hebr 9,11-15; Ev: Mk 14,12-16; 22-26

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Der heutige Festtag ist vielerorts geprägt von der feierlichen Fronleichnamsprozession. Auch wir werden Jesus Christus unter der Gestalt des eucharistischen Brotes durch die Straßen tragen und ihn voll Glauben, mit Ehrfurcht und Liebe anbeten und verehren!

Der Name „Fronleichnam“ ist ein uraltes Wort, das soviel bedeutet wie „Leib des Herrn“. Es geht nicht um einen Leichnam, den wir verehren, sondern um den lebendigen, verklärten Leib des Herrn Jesus Christus, der im Himmel thront und zugleich als wahrer Gott und Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut unter der Gestalt von Brot und Wein im Allerheiligsten Sakrament des Altares bei uns zugegen ist.

Was wir heute feiern, ist ein Geheimnis des Glaubens. Nur mit den Augen des Glaubens betrachtet, hat das, was wir heute tun, wirklich Sinn. Wer nicht an die wahre, wirkliche und wesenhafte Gegenwart des auferstandenen Herrn Jesus Christus in diesem Sakrament glaubt, der wird meinen, es würde zuviel Aufwand gemacht um ein Stück Brot. Oder er wird sich sogar ereifern, weil er annimmt, daß der Kult der eucharistischen Anbetung in die Irre geht und Gott nicht gefallen kann.

Die Voraussetzung für die Anbetung Jesu Christi im Allerheiligsten Sakrament des Altares ist also der Glaube an die Worte Jesu, der im Abendmahlssaal die Worte gesprochen hat: „Das ist mein Leib – das ist mein Blut.“ Und bereits vorher, in der eucharistischen Rede von Kapharnaum, hatte er dargelegt, daß er sein Fleisch und sein Blut zur Speise und zum Tranke geben werde. Dies verstanden viele nicht, sie nahmen Ärgernis und wandten sich von ihm ab.

Genau davon hängt es also ab, daß wir die Worte Jesu wirklich ernst nehmen. Wir glauben daran, daß sein Fleisch eine wahre Speise ist und sein Blut ein wahrer Trank. Dies hat der Sohn Gottes uns hinterlassen als Testament seiner Liebe. Er wollte auch nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt bei uns bleiben, indem er sich uns schenkte unter den Gestalten von Brot und Wein, die nach den Wandlungsworten der Heiligen Messe nicht mehr Brot und Wein sind, sondern zum Leib und Blut Christi geworden sind.

Es ist Jesus Christus selbst, der dieses Wunder seiner Liebe und Allmacht immer wieder neu wirkt: Denn wenn der Priester in der Heiligen Messe das Opfer Christi am Kreuz gegenwärtig setzt und seine Auferstehung verkündet, dann handelt er in der Person Jesu Christi. Jesus ist der wahre Hohepriester des Neuen Bundes, in dessen Namen und Auftrag die geweihten Priester der Kirche handeln dürfen, wenn sie die Heilige Eucharistie feiern.

Ist das nicht ein großer Trost für uns alle, liebe Gläubige, wenn wir wissen, daß in unseren Kirchen – im Tabernakel – nicht nur ein Stück Brot gegenwärtig ist, sondern der lebendige Christus? Er ist ja das „Brot, das vom Himmel gekommen ist“, er ist unsere Speise auf dem Weg zu Gott, er schenkt uns das ewige Leben. Alles Gute und Schöne kommt von ihm. Finden wir also auch selber wieder den Weg dorthin: Besuchen wir Jesus Christus im Sakrament des Altares, halten wir stille Anbetung vor dem Allerheiligsten. Beim Herrn, der uns liebt mit seinem heiligsten Herzen, werden wir Trost und Zuflucht finden. All unseren Dank, unsere Liebe, aber auch unsere Not und unser Bitten können wir vor ihn hinbringen!

Wer aber hat uns den Leib Christi geschenkt? Er selbst hat dieses Sakrament eingesetzt beim Letzten Abendmahl. Damit Jesus Christus – der ewige Sohn Gottes - aber überhaupt Mensch werden konnte, hat Gott eine Frau – die Jungfrau Maria – um ihr Jawort gefragt. Sie hat dies in voller Bereitschaft gegeben, und so ist das Wort Gottes Fleisch geworden aus ihrem Schoß. Mit Recht dürfen wir daher beten und singen: „Wahrer Leib, sei uns gegrüßt, den Maria uns gebar!“ („Ave verum corpus natum de Maria Virgine“).

Die heilige Gottesmutter Maria erbitte uns den lebendigen Glauben an die Gegenwart Christi im Altarsakrament, die Sehnsucht nach seinem würdigen Empfang in der heiligen Kommunion und das Glück der seligen Gemeinschaft mit Gott und allen Heiligen im Himmel. Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at