Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt für das Fronleichnamsfest
29. Mai 1997 (Lesejahr B)


L 1: Ex 24,3-8; L 2: Hebr 9,11-15; Ev: Mk 14,12-16.22-26


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


Wenn heute in der Monstranz unser Herr Jesus Christus unter der Gestalt des Brotes durch die Straßen unserer Stadt getragen wird, so ist dies ein Bekenntnis unseres Glaubens an die unsichtbare, aber wirkliche Gegenwart des Erlösers unter uns. In Ehrfurcht und Liebe geben wir Zeugnis für unseren gemeinsamen Glauben an das Allerheiligste Sakrament des Altares, das Jesus am Abend vor seinem Leiden und Sterben im Kreis seiner Apostel eingesetzt hat.

Um ganz fest daran zu glauben, daß nach den Wandlungsworten unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich der ganze Christus gegenwärtig ist - als Gott und Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut -, um diesen Glauben annehmen und bekennen zu können, braucht es große Demut des Herzens und Vertrauen gegenüber Gott, dem Allmächtigen, Wahrhaftigen und Gütigen, der uns Menschen nicht in die Irre führen kann und will.

Jesus hat selber in seinem Leben unter Beweis gestellt, daß er Macht hat sowohl über die Materie als auch über seinen Leib. Bei der Hochzeit von Kana hat er Wasser in Wein verwandelt; wenigstens einmal hat er ein Wunder der Brotvermehrung gewirkt; er ist mit seinem Leib über den See gewandelt, und schließlich ist er am dritten Tage glorreich von den Toten auferstanden. Genügt uns das nicht, daß wir mit bereitwilligem Herzen sein Wort annehmen, das er im Evangelium zu uns spricht? Er sagt beim Letzten Abendmahl: „Das ist mein Leib; das ist mein Blut.“ Ganz wörtlich meinte er dies. Und bei der Eucharistischen Brotrede in Kapharnaum verkündete der Herr: „Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank“ (vgl. Joh 6,55). Wie können wir da noch zweifeln?!

Nehmen wir in Liebe und Ehrfurcht teil am Eucharistischen Opfer, bei dem das Leiden und Sterben, die Auferstehung und Himmelfahrt unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus gegenwärtig werden. Empfangen wir das Mahl der Heiligen Kommunion in rechter Vorbereitung, das heißt frei von schwerer Sünde (die durch das Sakrament der Buße vergeben wird), in rechter Absicht und in eucharistischer Nüchternheit (d.h. eine Stunde vor der Kommunion dürfen wir nichts essen und trinken, ausgenommen Wasser und Medizin). Und halten wir hin und wieder auch stille Anbetung vor dem im Tabernakel gegenwärtigen Herrn Jesus Christus!

Die Heilige Kommunion ist eine Speise, die uns stärkt auf unserem Pilgerweg zum ewigen Leben bei Gott. „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag“ (Joh 6,54), verspricht Jesus. Und die Heilige Eucharistie ist zugleich eine Arznei gegen unsere täglichen Sünden und schlechten Gewohnheiten. Woher sollen wir sonst die Kraft bekommen, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, wenn nicht von dieser wunderbaren Speise?

Denken wir auch daran, daß es derselbe Leib Christi ist, den die Jungfrau Maria empfangen und geboren hat, den wir bei der Heiligen Kommunion empfangen dürfen. So wie Maria sollen wir gläubig zum Tisch des Herrn hinzutreten, mit der Bitte an Gott, seinen Willen immer besser zu erkennen und zu tun. Durch ihre Fürbitte wird uns die heilige Gottesmutter helfen, Jesus Christus, dem wahren Gott und Menschen, immer näher zu kommen. Er ist unser Erlöser und Freund, unser Gott und Bruder, der uns einmal einlädt zur Teilnahme am Hochzeitsmahl des ewigen Lebens! Amen.


Zur Homepage der
Gemeinschaft vom heiligen Josef