Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt für die Florianimesse 2000
(Hl. Florian, 4. Mai)
Liebe Brüder und Schwestern im
Herrn,
liebe Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr!
Nicht nur eine liebgewordene Tradition soll uns heute versammeln zum „Floriani-Kirchgang“. Der Grundsatz der Feuerwehr „Gott zur Ehr’, den Menschen zur Wehr’“ zeigt ja auf, daß beides untrennbar zusammengehört: der Dienst für den Nächsten und die Bereitschaft, Gott die gebührende Ehre zu erweisen. Wenn wir heute am Fest Ihres Patrons, des hl. Florian, miteinander das heilige Opfer Christi feiern, dann möge uns sein Leben Ansporn sein, den guten Weg gemeinsam weiterzugehen.
Wer war der heilige Florian? Er stammte aus dem heutigen Zeiselmauer und kam dort in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts zur Welt. Beruflich war er zuerst römischer Offizier. Dann machte er Karriere als hoher römischer Beamter: Er wurde Kanzleivorstand des Statthalters der Provinz Ufer-Noricum, und zwar im römischen Lauriacum, heute Lorch an der Enns. In diesem Beruf hat er Sachkenntnis und Verantwortungssinn mit der Bereitschaft verbunden, anderen Menschen zu helfen.
Zu Beginn des 4. Jh. brach unter Kaiser Diokletian eine große Christenverfolgung aus. In den einzelnen Provinzen wurden die Christen ausgeforscht und vor die Wahl gestellt, entweder dem Glauben an Christus abzuschwören und den heidnischen Göttern sowie dem Kaiser zu opfern oder das Los von Gefangenschaft, Folter und Tod auf sich zu nehmen. Als Florian, der zu dieser Zeit nicht mehr im aktiven Dienst stand, davon erfuhr, daß 40 Christen in Lauriacum verhaftet worden seien und im Kerker ihrem weiteren Schicksal entgegensahen, da faßte er den Entschluß, ihnen zu Hilfe zu eilen. Unweigerlich riskierte er dabei sein eigenes Leben, denn als er sich beim Statthalter Aquilinus für diese Menschen einsetzte und sich dabei selber als Christ bekannte, da fiel er in Ungnade und wurde vor die Entscheidung gestellt. Für Florian war es in dieser Situation Charaktersache, weiterhin treu zum Glauben an Christus zu stehen und sich mit den verfolgten Christen solidarisch zu zeigen. Weil man sah, daß er auch unter Mißhandlung und Folter den Glauben nicht aufgab, wurde ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und auf diese Weise in der Enns ertränkt.
Wieso ist Sankt Florian gerade der Patron der Feuerwehr? Nicht nur die Beziehung zum Wasser ist es, sondern noch mehr die Bereitschaft zum lebensgefährlichen Einsatz für seine Mitmenschen. Er wollte für die christlichen Glaubensbrüder das ihm Mögliche tun und kam so selber in Gefahr und Verfolgung. Anstatt sich zur Ruhe zu setzen und unbeteiligt zuzusehen, wie unschuldige Menschen den Tod erlitten, suchte er nach einem Weg, ihnen zu helfen. Ist das nicht immer wieder auch die Aufgabe einer freiwilligen Feuerwehr? Wie viele Stunden Ihrer Freizeit und Ruhe opfern ja auch Sie, liebe Kameraden, um bereit zu sein für die nötige Hilfe, die sie Menschen in Gefahr und Bedrohung erweisen. Wer einen solchen Dienst ausübt, wird zwar die nötige Vorsicht walten lassen, er kann sich aber im Ernstfall nicht einfach durch Nichtstun aus der Affäre ziehen, sondern wird bereit sein zum Ganzeinsatz seines Lebens für die bedrohten Menschen. Da kann Ihnen der heilige Florian ein großes Vorbild sein!
Noch etwas soll hier aufgezeigt werden: Für den hohen römischen Beamten Florian bildeten der Dienst am Nächsten und der Glaube an Gott eine lebendige Einheit. Gerade aus seinem Glauben holte er sich die Kraft, um für die Menschen in Not dazusein. So soll auch uns der Glaube an Jesus Christus immer wieder neu inspirieren zum Einsatz für die Brüder und Schwestern in Lebensgefahr. Dabei werden wir den Glauben, von dem wir überzeugt sind, nicht einfach je nach Gunst oder Widrigkeit der Stunde, bekennen oder verleugnen dürfen. Nein, diesem Glauben gilt es treu zu sein, und das sogar in schweren Stunden!
So wird ein echter Christ sich nicht aus dem Staube machen, wenn es auf ihn ankommt. Ein sehr konkretes Beispiel: Wenn wir von vielen Kirchenaustritten hören, dann sollen wir nicht denken, das wäre eine gute Gelegenheit, für uns selber den Glauben aufzugeben und sich von der Kirche zu verabschieden. Gerade da kommt es auf jeden an, der bereit ist, für seine christliche Überzeugung einzustehen!
Der Grundsatz des heiligen Florian war es jedenfalls, gerade in Not und Gefahr umso treuer zu den ihm anvertrauten Menschen sowie zum christlichen Glauben zu stehen! So möge dieser heilige Märtyrer bei Gott für uns eintreten. Gottes Schutz und Segen begleite die Kameraden unserer Feuerwehren, er begleite alle Menschen, damit wir fähig werden, in den Brüdern und Schwestern in Not das Antlitz Christi zu entdecken und ihnen durch den selbstlosen Einsatz unserer Liebe zu dienen! Amen.