Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Fatima-Predigt bei der Monatswallfahrt
zu Unserer Lieben Frau von Maria Kirchbüchl
am 13. Januar 1997


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


Es freut mich, daß ich heute gemeinsam mit Ihnen den Wallfahrtsgottesdienst zu Ehren Unserer Lieben Frau von Maria Kirchbüchl feiern darf! Während meiner Studienzeit in Heiligenkreuz, die nun schon einige Jahre zurückliegt, war ich selber ein paarmal hier. Von meinem Studium her kenne ich auch Professor Pater Dr. Augustinus Fenz sehr gut, der mich nun hierher eingeladen hat. Im letzten Jahr bin ich zum Priester geweiht worden und gehöre zur „Gemeinschaft vom heiligen Josef“ in Kleinhain bei St. Pölten. Derzeit arbeite ich als Kaplan in Mank/NÖ.

Heute am 13. Januar 1997 sind wir versammelt, um zu Beginn des großen Fatima-Jubiläums-Jahres 1997 die besondere Fürsprache der Gottesmutter bei ihrem göttlichen Sohn Jesus Christus anzurufen und zu erflehen. Zugleich stehen wir im ersten Jahr der näheren Vorbereitung auf die 2000-Jahr-Feier des Geburtsfestes unseres Herrn und Erlösers. Dieses Vorbereitungsjahr 1997 soll nach dem Wunsch des Heiligen Vaters, Papst Johannes Pauls II., in besonderer Weise Jesus Christus als dem Erlöser der Menschen geweiht sein.

Vor 80 Jahren erschien die Gottesmutter Maria im portugiesischen Ort Fatima drei Hirtenkindern im Alter von sieben, neun und zehn Jahren, nämlich Jacinta und Francisco Marto sowie Lùcia dos Santos. Die letztere ist noch am Leben und wird bald 90 Jahre alt. Einfache Kinder also hatte Gott auserwählt, um ihnen durch die Vermittlung seiner heiligen Mutter eine Botschaft vom Himmel zukommen zu lassen. Diese Botschaft sollte für die Gläubigen in Portugal, in Europa, ja in der ganzen Welt eine überaus große Bedeutung haben!

Jeweils am 13. Tag der sechs aufeinanderfolgenden Monate Mai bis Oktober kamen die Kinder auf Wunsch der himmlischen Frau, die ihnen erschienen war, in die Cova da Iria, eine Talmulde, in der sie gewöhnlich die Schafe ihrer Eltern hüteten. Dort erschien ihnen dann die Gottesmutter Maria als Frau von unvergleichlicher Schönheit, die sie mit eindringlichen, aber doch so sanften Bitten darum anflehte, den Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder zu beten. So sagte sie am 19. August (sechs Tage nach dem 13., an welchem die Kinder von den zivilen Behörden gehindert worden waren, zur Grotte zu gehen): „Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder. Seht, viele Seelen kommen in die Hölle, weil keiner da ist, der sich für sie aufopfert und für sie betet.“

Das Gebet, das die Gottesmutter besonders wünscht, ist der tägliche Rosenkranz. Viele Menschen haben es schon erfahren, und auch Sie hier, liebe Pilger, schätzen dieses Gebet als ein segensreiches Mittel zu unserem Heil! Durch die Betrachtung des Lebens, des Leidens und des Sterbens unseres Herrn Jesus Christus sowie seiner Auferstehung und Himmelfahrt werden wir an der Hand seiner Mutter Maria hingeführt zu Gott. Unser eigenes Leben wird hineingenommen in die göttlichen Geheimnisse, die wir mit liebendem Herzen betrachten. Gerade auch junge Menschen entdecken in unserer Zeit dieses Gebet neu für sich. Lassen Sie nicht nach im Beten des Rosenkranzes! Auch ist es wichtig, daß wir niemanden ausschließen von unserem fürbittenden Gebet, daß wir also mit einem offenen und weiten Herzen beten und alle Menschen mit hereinnehmen, besonders jene, die Gott noch fern sind durch Unglaube und schwere Sünden!

Viel Liebe zu Gott und zu den Menschen klingt aus den Worten der Gottesmutter, wenn sie die Menschen durch die drei Seherkinder anfleht: „Man beleidige unseren Herrn nicht mehr, der bereits zu sehr beleidigt worden ist.“ (13. Oktober 1917). Der unendlich gute Gott verdient es, daß er geliebt wird, daß die Menschen auf seine zuvorkommende Liebe mit dankbarer Gegenliebe antworten. Daher sollen wir die Sünde meiden. Denn die Sünden der Menschen sind es, die die eigentliche Ursache allen Unfriedens und aller Unordnung in der Welt sind.

Die Botschaft von Fatima verlangt also die eigene Umkehr und Hinwendung zu Gott durch Buße sowie das fürbittende und sühnende Gebet und Opfer für andere, besonders für die Sünder. In dieser Mahnung zur Umkehr ist Fatima zutiefst biblisch. Denn auch Jesus Christus hat seine Predigt vom Reiche Gottes mit dem Aufruf begonnen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ (Mt 4,17).

Diese Abwendung vom Bösen ist die notwendige Voraussetzung für ein Leben der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Und in dieser Liebe finden wir unsere Freude auf Erden und die ewige Seligkeit im Himmel. Damit uns die Übung der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen leichter möglich wird, wollte Gott durch die Erscheinung der heiligen Jungfrau Maria in Fatima die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen in der Welt begründen. Das Herz ist ein Ursymbol des menschlichen Lebens. Es steht für die Ganzheit einer Person, für ihre Zuwendung und Liebe. So ist uns unter dem Zeichen des Unbefleckten Herzens der Gottesmutter ein Weg zu ihrem innersten Wesen eröffnet: Sie ist voll mütterlicher Liebe und Sorge um uns Menschen und kennt keinen anderen Wunsch, als uns zu Gott zu führen. Ihr Herz ist uns eine sichere Zuflucht in den Prüfungen des täglichen Lebens. Gestützt auf die Fürbitte dieses makellosen, von jeder Sünde allzeit freien Herzens treten wir voll Zuversicht hin zum einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen, dem Herrn Jesus Christus.

Maria ist die Vollerlöste. Sie ist sozusagen der wirkungsvollste „Höchstfall der Erlösung“. In ihr ist die Gnade, die ihr Sohn Jesus Christus für uns Menschen beim Vater erworben hat, zur vollendeten Erfüllung gelangt. Darum kann sie auch für uns Fürsprecherin und Mittlerin der Gnade sein bei ihrem Sohn. Ihren mütterlichen Händen wollen wir uns ganz überlassen, ihrem liebevollen und zärtlichem Herzen ganz schenken, damit sich an uns durch ihre Mitwirkung das Heilswerk Gottes vollende. Der Heilige Vater hat die ganze Welt mit Einschluß Rußlands ihrem Unbefleckten Herzen geweiht. Viele Menschen haben sich diese Weihe zu eigen gemacht und versuchen daraus zu leben. Im Wesentlichen ist diese Weihe ja nichts anderes als eine Erneuerung und Vertiefung der Taufgelübde. Wir bekennen uns zum dreifaltigen Gott und widersagen dem Bösen. So hoffen wir mit Hilfe der Gottesmutter Maria das Heil zu erlangen.

Es ist wichtig, daß wir uns Maria ganz übergeben und schenken. Wir sollen uns restlos und in völliger Hingabe ihrem Unbefleckten Herzen übereignen. Dann eröffnen wir ihrem mütterlichen Wirken neue Dimensionen. Gott will ja, daß wir in Freiheit Ja sagen zu seinem Plan der Liebe, den er von Ewigkeit her in Jesus Christus für uns gefaßt hat. Er hat uns geschaffen ohne unser Zutun, er will uns erlösen nur durch unsere freie Mitwirkung!

Bei allem Ernst der Buße und Umkehr ist Fatima im Letzten also doch eine Botschaft der Freude und der Verheißung für die Gläubigen und für die ganze Welt. Denn es heißt, das es zwar Prüfungen und göttliche Strafgerichte gibt für die Sünden der Menschen, daß aber am Ende das Unbefleckte Herz Mariens triumphieren wird. Es ist der Sieg Christi, der durch Maria Wirklichkeit geworden ist und sich in seiner Fülle offenbaren wird! Wann dies sein wird und auf welche Weise, sollen wir der göttlichen Vorsehung überlassen.

Blicken wir also immer auf die Gottesmutter: Sie hat auf Erden in großer innerer Bereitschaft und Offenheit auf das Wort Gottes gehört und es angenommen. Im Alltag hat sie Ja gesagt zum Willen Gottes, und so hat Gott an ihr Großes vollbracht. Für uns kommt es nicht in erster Linie darauf an, große äußere Taten zu vollbringen. Nein, der tägliche Alltag mit seinen Mühen und Schwierigkeiten soll in der Kraft des Glaubens und der Liebe bestanden werden. So hoffen wir voll Zuversicht, auf die Fürsprache der Gottesmutter das Heil bei Gott zu erlangen! Amen.


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