Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt bei einer Hochzeit

Lesung: Eph 5,1-2a.21-33; Evangelium: Joh 2,1-11


Liebes Brautpaar, liebe Verwandte, Freunde und Bekannte!

Es ist eine große Freude für uns alle, heute mit Euch den Tag Eurer Trauung zu feiern. Wir alle dürfen Zeugen sein für den heiligen Bund, den Ihr vor Gott und der Kirche miteinander schließen wollt. Seid voll Zuversicht, denn Gottes Liebe ist Euch in diesen Stunden besonders nahe!

Wir haben soeben das Evangelium von der Hochzeit von Kana gehört. Jesus hat sein erstes Wunder bei einer Hochzeit gewirkt. Dies zeigt uns, daß der Bund der Liebe und des Lebens zwischen Mann und Frau durch ihn eine große Wertschätzung erfahren hat. Jesus war zwar selber nicht verheiratet, aber er hat die Ehe als göttliche und menschliche Einrichtung bestätigt und ihr als eines der sieben Sakramente den christlichen Sinn gegeben. Es ist für uns alle gut, sich die Frage zu stellen: Worin liegt nun der menschliche und christliche Sinn der Ehe?

Auch für Nichtglaubende ist Ehe und Familie als Gemeinschaft der Liebe und des Lebens die wichtigste und schützenswerteste Form des menschlichen Zusammenlebens, die Keimzelle der Gesellschaft. Die beiden Partner erfahren gegenseitigen Beistand und Hilfe und sollen gemeinsam zu ihrer persönlichen Entfaltung gelangen. Weil es ein Bund der Liebe ist, sollen daran auch andere Menschen teilhaben: Dies sind in erster Linie die aus der ehelichen Verbindung entstammenden oder auf die Ehe hingeordneten Kinder. Ihr Leben ist besonders schützenswert und auf Hilfe angewiesen.

In der Sicht des Glaubens nun ist die Ehe ein Eintauchen in die Liebe des dreifaltigen Gottes. Durch ihre gegenseitige Liebe bereichern die christlichen Ehegatten sich und ihre Kinder und nehmen sie wirklich teil an der Liebe Gottes. Gott ist ja ein Geheimnis der Liebe: Im einen und einzigen göttlichen Wesen, in der einen Gottheit also, leben drei göttliche Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Der eigentliche Selbstvollzug Gottes ist die Liebe. Die Liebe ist somit der letzte Urgrund aller Wirklichkeit - eine Wahrheit, die wir nicht vergessen dürfen!

In Jesus Christus ist diese Liebe Gottes für uns Menschen sichtbar geworden. Er ist Mensch geworden aus der Jungfrau Maria und hat sich aus Liebe zu uns am Kreuz hingeopfert.

So wird Jesus als Bräutigam bezeichnet, der sein Leben für seine Braut, die Kirche, hingibt. Zu dieser Kirche gehören wir alle.

Die Liebe Jesu Christi zu seiner Kirche ist grundlegend für das Verständnis der Ehe: Denn in der Ehe wird diese Liebesbeziehung Jesu Christi zu seiner Kirche abbildhaft dargestellt und verwirklicht. Die Ehepartner sollen einander lieben, so wie Jesus Christus seine Kirche geliebt hat: Es ist dies eine treue und unbedingte Liebe, die fortbesteht trotz der Untreue vieler Menschen. Es ist eine dauerhafte Liebe, die uns immer wieder neu einlädt, an ihrem Hochzeitstisch teilzunehmen.

Der Hochzeitstisch Gottes ist die Heilige Eucharistie. Hier schenkt Jesus seiner Kirche alles: nämlich seinen Leib und sein Blut. Auch die Ehe ist eine Ganzhingabe der Partner, in der sie sich einander schenken und bis zur Ganzhingabe ihres Leibes vereinigen. Wie Jesus Christus seine Ganzhingabe an seine Braut, die Kirche, nie mehr zurücknimmt, so dürfen auch die Eheleute ihre gegenseitige Treue und Hingabe nicht mehr zurücknehmen. Wahre Liebe macht ernst bis zum Letzten! Dazu hilft ihnen die Gnade Gottes.

Wenn bei einer Hochzeit der Wein ausgeht, so kann das ein Bild dafür sein, daß die Liebe der Eheleute auch der Prüfung und Bewährung ausgesetzt ist. Bestimmte Krisen und Schwierigkeiten gehören zu jedem Eheleben. Sie sollen aber im gegenseitigen Einvernehmen und im Vertrauen auf die Hilfe Gottes bewältigt werden. Wenn also die Liebe zwischen Mann und Frau zu erkalten droht (der Wein scheint auszugehen), dann müssen sich beide verstärkt an Gott wenden, den Ursprung der Liebe und des Lebens. Er wird in ihnen die “erste Liebe“ erneuern und seinen Heiligen Geist, den Geist der Liebe, in reicher Fülle ausgießen. Das gemeinsame Gebet soll einen festen Platz im Bund der Ehe haben, nicht nur in Krisenzeiten, sondern wenn möglich täglich!

Noch etwas ist gerade in der heutigen Zeit wichtig: Die Ehe ist der Ort, wo das menschliche Leben seinen ersten und besten Schutz erfahren soll. Kinder sind die Frucht der Liebe von Mann und Frau. Ihr Leben ist den Ehepartnern anvertraut, um es zu erhalten und in seiner Entwicklung zu fördern. Die Eheleute sollen daher alle Gefahren für Leib und Leben des Kindes fernhalten und bei der Erziehung auch schädliche Einflüsse für das geistige Leben der Kinder auszuschließen suchen.

Gesellschaft und Kirche müssen wieder von den Familien her erneuert werden. Wir brauchen wieder eine Kultur der Liebe und des Lebens. Wir alle sollen den jungen Familien dabei helfen durch unsere Unterstützung und liebevolle Annahme und auch durch unser Gebet. Das heutige Evangelium lehrt uns, dabei nicht auf Maria, die Mutter Jesu, zu vergessen. Sie ist die aufmerksame Frau, die jede Not sofort bemerkt und fürbittend vor Gott bringt. Sie erreicht alles, worum sie bei ihrem Sohn für uns bittet. Und sie gibt uns den entscheidenden Ratschlag für unser Leben: „Was er euch sagt, das tut!“ Denn in der Freiheit, den Willen Gottes zu erfüllen, liegt unser Glück.

Amen.


Zuletzt aktualisiert am 24.05.1998


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