Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt für den Dreifaltigkeitssonntag
18. Juni 2000 (Lesejahr B)
L 1: Dtn 4,32-34.39-40; L 2: Röm 8,14-17; Ev: Mt 28,16-20
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Kürzlich wurde im Rahmen einer Umfrage erhoben, wie es um Religion und Kirche im Glauben der Österreicher steht. Da ist zwar festgestellt worden, daß die Bindung an das kirchliche Christentum bei vielen abgenommen hat oder lockerer geworden ist, was sich vor allem in großen Städten auswirkt, weniger auf dem Land. Dann aber wurde auch als Ergebnis zutage gebracht, daß die Suche der Menschen nach Gott, ihre Sehnsucht nach den religiösen Werten und auch ihre Bereitschaft zum Gebet nicht geringer, sondern sogar stärker geworden ist.
Die neuerwachte Sehnsucht vieler nach dem Absoluten, nach Gott, ist ein Zeichen dafür, daß der Mensch in seinem Wesen religiös angelegt ist. Menschsein heißt auf Gott bezogen sein. So kannten die Völker aller Zeiten und Kulturen religiöse Vorstellungen. Will der Mensch die Gottesfrage, die ihm im Herzen brennt, verleugnen, dann betrügt er sich selbst. Dann stellt er sein eigenes Wesen in Frage, denn er ist – wie die Bibel lehrt und die Kirche glaubt – nach dem Bild des dreifaltigen Gottes geschaffen. Gott hat ihn nach seinem Ebenbild erschaffen, um im Menschen als Krone der Schöpfung seine Gaben aufleuchten zu lassen und ihn zur seligen Gemeinschaft mit sich zu rufen.
Der heutige Dreifaltigkeitssonntag erinnert uns daran, daß wir mit der Frage nach Gott nicht endlos suchend herumgehen müssen, ohne eine Antwort finden zu können. Gott selber hat uns eine Antwort gegeben, er hat sich uns mitgeteilt, er hat sich uns offenbart in seinem Sohn Jesus Christus, den er zu uns gesandt hat, und im Heiligen Geist, den er ausgegossen hat über alle, die glauben.
Wenn der Mensch nach Gott fragt, dann ist er zugleich voller Hoffnung, aber auch in Furcht und Ungewißheit. Denn: Wer ist Gott wirklich? Wie ist Gott? Erst der christliche Glaube befreit uns von der lähmenden Gottesangst, denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, hat uns den himmlischen Vater offenbart. Gott liebt uns, er sorgt sich um uns, er wendet sich uns zu. Ja noch mehr: Er spricht uns als seine Söhne und Töchter an, er ruft uns in die selige Gemeinschaft mit ihm durch den Heiligen Geist, den er uns gesandt hat.
Vor Gott sind wir kein Spielball, mit dem er tut, was er will, wir sind keine Marionetten, die nur gelenkt würden und keinen freien Willen hätten – nein: Gott hat uns als vernünftige und freie Wesen erschaffen, die ihre Gaben einsetzen sollen zum Wohl der Menschen und zum Lob und zur Ehre Gottes! Gott nimmt uns ernst, er schließt einen Bund der Liebe mit uns. Wir sind – obwohl wir Geschöpfe bleiben – hineingenommen in sein eigenes göttliches Leben. Gott hat uns sein Innerstes mitgeteilt, und das ist: Liebe!
Ja, Liebe ist wirklich das Wesen des dreifaltigen Gottes, an den wir glauben. Denn Gott ist nicht ewige Einsamkeit und unveränderliche Langeweile, sondern er ist Gemeinschaft der Liebe und des Lebens. In Gott ist höchstes Leben, höchste Aktivität, da finden wir alles, was wir ersehnen, denn von ihm kommt alles und alles hat in ihm sein Ziel.
So ist der Glaube an die Dreifaltigkeit Gottes ein seliges Geheimnis für uns: Wir werden Gott nie begreifen, auch dann nicht, wenn wir ihn von Angesicht zu Angesicht schauen dürfen im Himmel. Zugleich dürfen wir die Seligkeit erfahren, die in seinem Wesen liegt. Denn Gott selber ist ewige Beziehung der Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. An dieser Liebe, die das Leben Gottes ausmacht, dürfen wir jetzt schon im Glauben und einst in der Schau Gottes teilhaben. Hier wird sich all unsere menschliche Liebe vollenden.
Ja, Großes hat Gott denen bereitet, die ihn lieben – so lehrt es unser Glaube. In diesem Glauben wollen wir leben, in diesem Glauben mögen wir auch einst sterben und dann eingehen in die ewige Freude, die die Herrlichkeit Gottes all denen schenkt, die er in Liebe erwählt hat zu seinen Kindern. Amen.