Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt für den Dreifaltigkeitssonntag
(7. Juni 1998, Lesejahr C)


L 1: Spr 8,22-31; L 2: Röm 5,1-5; Ev: Joh 16,12-15

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Eine Woche nach Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, feiert die Kirche den Dreifaltigkeitssonntag. Durch unseren Lobpreis bekennen wir: Nicht nur eine göttliche Person steht im Zentrum der Verehrung, sondern die ganze heilige Dreifaltigkeit wird angebetet und verherrlicht! Mit dem Dreifaltigkeitssonntag rückt ein zentrales Geheimnis unseres Glaubens wieder stärker in unser christliches Bewußtsein. Es ist das Bekenntnis zu Gott dem Einen und zugleich Dreifaltigen. Wir glauben an einen Gott in drei Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist.

Eines wollen wir gleich zu Beginn unseres gemeinsamen Nachdenkens feststellen: Gott ist unbegreiflich, er ist und bleibt ein Geheimnis! Der menschliche Verstand vermag ihn nicht auszuloten und zu ergründen. Es wird berichtet, als der heilige Augustinus einmal über das Glaubensgeheimnis der Dreifaltigkeit Gottes nachdachte, da sei ihm ein Kind begegnet, das mit einem Sieb das Meer auszuschöpfen versuchte. Augustinus habe das Kind auf die Unmöglichkeit dieses Unterfangens hingewiesen, worauf es geantwortet habe: In ähnlicher Weise versuchst du Gottes Unbegreiflichkeit zu ergründen.

Vor dem Geheimnis Gottes müßten wir eigentlich alle verstummen und einfach anbetend verweilen. Und dennoch können und sollen wir von Gott sprechen! Denn Gott selber hat von sich gesprochen. Er hat sich uns mitgeteilt, geoffenbart. Gott hat sich geoffenbart auf vielerlei Weise durch die Propheten des Alten Bundes und vor allem durch seinen Sohn, Jesus Christus, das menschgewordene Wort (vgl. Hebr 1,1 f). Gott hat sich in Jesus Christus ausgesprochen und uns in ihm "alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis" Gottes geschenkt (Kol 2,3). So sind wir nicht allein gelassen in unserem Nachsinnen über Gott; denn Gott selber hat uns Antwort gegeben auf unser Rufen und Sehnen! Gott hat uns seinen Sohn gesandt, und Gott Vater und Gott Sohn haben uns den Heiligen Geist gesandt.

Wenn uns Jesus von seinem himmlischen Vater erzählt hat, so hat er immer wieder betont, daß er und der Vater "eins" sind (vgl. Joh 10,30; 17,11). Jesus Christus hat sich dem Vater gleichgestellt, wodurch er darauf hingewiesen hat, daß er genauso wahrer Gott ist wie der Vater. Jesus hat vom Heiligen Geist als dem Beistand und Tröster gesprochen, der vom Vater und vom Sohn gesandt wird (vgl. Joh 15,26). Jesus hat den Aposteln aufgetragen, die Menschen zu taufen "auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" (Mt 28,19).

Die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes besagt: Gott ist einer, es gibt nur einen einzigen Gott. Doch dieser Gott ist nicht einsam, sondern in Gott leben drei göttliche Personen. Gott selber ist ein Geheimnis der Liebe. Jede geschöpfliche Liebe hat ihren Ursprung in Gott, denn "Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,8.16). So macht uns die Rede von Gott als dem Dreieinigen einerseits das Geheimnis Gottes in gewisser Weise unnahbar, da wir Gott nie erschöpfend zu erfassen vermögen, andererseits ist es gerade ein Beweis der besonderen Nähe und Liebe Gottes, daß er uns gleichsam an seinem Innenleben Anteil nehmen läßt. Wir dürfen im Glauben "wissen, was in Gott vorgeht". Gott läßt uns nicht im Dunkeln über sich und sein Leben. Ja mehr noch: Er lädt uns ein, selber teilzunehmen an der Liebe des dreifaltigen Gottes.

Wie können wir an der Liebe des einen und dreifaltigen Gottes teilnehmen? Hier auf Erden durch Glaube, Hoffnung und Liebe aufgrund der Taufe: Denn durch die Taufe sind wir Kinder Gottes geworden, Brüder und Schwestern Christi, ein lebendiger Tempel des Heiligen Geistes. In dieser freundschaftlich-liebevollen Verbundenheit mit Gott sollen wir unser ganzes Leben gestalten. Gott selber wohnt in uns. Wir heißen Kinder Gottes und sind es! Wir sind neugeschaffen nach dem Bild Christi. Der Heilige Geist wohnt in uns und betet mit unaussprechlichen Seufzern (vgl. Röm 8,26), daß wir vollendet werden in der ewigen Erlösung bei Gott.

Und da ist uns Großes verheißen: Das ewige Leben, das uns Jesus Christus durch sein Blut am Kreuz erworben hat, ist nichts anderes als die Teilnahme am Leben des dreifaltigen Gottes selbst. Wir sind vergöttlicht worden durch die Taufe, und wir werden in Gott vollendet werden, wie dies eben für Geschöpfe möglich ist. Gott schenkt uns sein Innerstes. Er möchte, daß wir an seiner innersten Liebesbewegung Anteil erhalten. Das ist gemeint, wenn wir bekennen, daß wir im Himmel Gott schauen werden von Angesicht zu Angesicht.

Ja, wir werden Gott erkennen, so wie wir selber von ihm erkannt sind. Wir werden uns ihm ganz hingeben und uns in ihn verlieren. Er selber wird unser Glück sein auf ewig. Seine Liebe genügt uns. Gott ist Gemeinschaft, und der dreifaltige Gott wird in der Ewigkeit seiner Liebe unsere menschliche Liebe und Freundschaft bewahren und vollenden. Amen.




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