Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt für den Dreifaltigkeitssonntag
25. Mai 1997 (Lesejahr B)


L 1: Dtn 4,32-34.39-40; L 2: Röm 8,14-17; Ev: Mt 28,16-20


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


Am heutigen Dreifaltigkeitsfest feiern wir das Geheimnis Gottes selber. Wir ehren den einen und einzigen Gott in drei Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist, und diese drei sind eins in unendlicher Liebe. Wer kann das begreifen? Wer vermag auch nur ein wenig einzudringen in dieses innerste Geheimnis Gottes, in das Geheimnis des einen göttlichen Wesens in den drei göttlichen Personen?

Vor diesem zentralen Geheimnis unseres Glaubens geht es uns allen gleich: ob einfacher oder gebildeter Christ, ob Laie oder Priester - kein Mensch kann dies verstehen! Doch glauben können wir, niederknien und demütig anbeten und Gott lieben.

Denn Gott selber hat uns mitgeteilt, wer er ist. Er selbst hat sich uns eröffnet, er hat sich uns offenbart. „Niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will“ (Mt 11,27).

Gott ist uns Menschen nicht fern geblieben. Er ist nicht länger ein Gott, vor dem wir uns fürchten müssen. Denn er hat uns in Jesus Christus, seinem Sohn, gezeigt, wer er wirklich ist: Gott ist die Liebe. Und von Jesus Christus haben wir den Geist empfangen, der uns zu Kindern Gottes macht, der „Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (vgl. Röm 1,15)

Alles, was Gott tut, tut er aus Liebe. Aus Liebe hat der dreieinige Gott die Welt erschaffen, und aus Liebe hat er uns erlöst. Bei diesem machtvollen Wirken sind die drei göttlichen Personen immer gemeinsam beteiligt: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

War Gott einsam, „bevor“ er die Welt erschaffen hat? Keineswegs! Denn er ist ein Geheimnis der Liebe. Zur göttlichen Liebe gehören drei: Der Vater „zeugt“ von Ewigkeit her den Sohn, dieser gezeugte Sohn ist das dem Vater wesensgleiche „Wort“, und ihre Beziehung in gegenseitiger Liebe „haucht“ eine neue Person, den Heiligen Geist.

Warum hat Gott dann die Welt und den Menschen erschaffen, wenn ihm nichts fehlte? Nur deswegen, um uns Anteil zu geben an seinem ewigen Glück. Liebe möchte sich mitteilen, verströmen, verschenken. Gott wollte, daß auch andere Wesen an seinem göttlichen Leben Anteil erhalten. So nahm er uns auf in die Gemeinschaft mit ihm.

Dazu sandte er, als die Fülle der Zeit gekommen war, seinen Sohn, geboren von einer Frau (vgl. Gal 4,4). Gott vollendete sein Heilswerk durch die Sendung des Heiligen Geistes, der die Kirche belebt und leitet.

Unsere elementaren Glaubensvollzüge sind ganz und gar mit dem Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit verbunden. Denken wir doch beim Kreuzzeichen daran, daß es ein Bekenntnis zum dreieinigen Gott ist! Nehmen wir Weihwasser und bekreuzigen wir uns dabei, so sollen wir unsere Taufe erneuern. Damals wurden wir auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft, eingetaucht in die göttliche Liebe und gleichsam „wiedergeboren“ zu Kindern Gottes.

Durch die Gnade der Taufe sind wir dazu berufen, am Leben der glückseligen Dreifaltigkeit teilzuhaben, hier auf Erden im Dunkel des Glaubens und jenseits des Todes im ewigen Licht.

Die Heiligen des Himmels haben dieses Ziel schon erreicht. Wir sind noch unterwegs zur ewigen Gemeinschaft der Liebe und des Lebens mit Gott und untereinander. Bitten wir die Engel und Heiligen als mächtige Fürsprecher um ihre Hilfe, damit wir einst die selige und unverhüllte Schau Gottes erreichen und Gott mit allen Erlösten loben und preisen dürfen auf ewig! Amen.


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