Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau

Predigt am Christkönigssonntag
23. November 1997, Lesejahr B

L 1: Dan 7,2a.13b-14; L 2: Offb 1,5b-8; Ev: Joh 18,33b-37



Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Mit dem heutigen Sonntag, dem Christkönigssonntag, endet wieder das Kirchenjahr. Und es wird uns an diesem Festtag sozusagen der krönende Abschluß der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen vor Augen gestellt. Wir feiern die Wahrheit des ewigen Triumphes und Sieges unseres Herrn Jesus Christus im Reiche Gottes, der am Ende der Welt sichtbar erscheinen wird, um seine Herrschaft machtvoll anzutreten.

Blicken wir zurück in die Geschichte, so hat Jesus, der Erlöser der Menschen, der menschgewordene Sohn Gottes, auf Erden gerade nicht so wie ein König gelebt: Arm wurde er geboren im Stall von Bethlehem. Statt öffentlicher Anerkennung wurde ihm schon als Kind Verfolgung und Schmach zuteil, gerade von den Mächtigen seiner Zeit, wenn wir an König Herodes denken, der sein eigenes Königtum in Gefahr sah und deshalb das Jesuskind töten wollte.

Als unser Herr Jesus dann die öffentliche Lehrtätigkeit begann, unternahm er viele Wanderungen, verbunden mit großen Strapazen und Mühen. Er wandte sich den notleidenden Menschen zu und hatte ein Herz für die Verachteten und Geringgeschätzten. So stellt man sich einen König normalerweise nicht vor!

Andererseits wirkte Jesus Christus nach dem Bericht der Evangelien auch machtvolle Wunder, in denen die Jünger und Gläubigen etwas von seiner göttlichen Größe erahnten. Kein Wunder also, daß sie ihn zum König machen wollten! Die Menschen wollten freilich einen König im irdischen, politischen Sinn - und eben das lehnte Jesus ganz eindeutig ab. "Mein Königtum ist nicht von dieser Welt", verkündete er dem Pilatus und allen, die es hören wollten.

Anstatt als König zu herrschen, wählte er den Tod am Kreuz. Er gab sein Leben hin aus Liebe zu uns Menschen. Sein Opfertod hat uns mit Gott versöhnt. - Also eine Niederlage? Oder doch ein Sieg?!

Die göttliche Logik kennt andere Wege, als sie Menschenweisheit ersinnen möchte. Und so ist es der Ostersieg des auferstandenen Herrn, der uns Hoffnung gibt! Gerade in der tiefsten Erniedrigung des Sohnes Gottes am Kreuz wurde alles Böse besiegt: Sünde, Tod und Teufel. So gilt wirklich, wie es in einem alten Hymnus heißt: "Vom Holz (des Kreuzes) herab herrscht unser Gott."

Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern das Leben. Der auferstandene Christus sitzt im Himmel zur Rechten seines Vaters und herrscht auf ewig. Er ist wirklich der König des Weltalls, dem wir uns anbetend und in Liebe zuwenden. Einmal wird er sichtbar wiederkommen am Ende der Zeiten, um zu richten die Lebenden und die Toten. Dann wird er sein Reich in Macht und Herrlichkeit antreten.

Selig, wer auf Erden an ihn geglaubt hat und sich in Liebe Gott und den Menschen zugewandt hat. Denn der wird teilnehmen dürfen am ewigen Leben. Auch uns hat Jesus durch die Taufe eine königliche Würde geschenkt. Wir sind berufen, in seinem Reich mitzuherrschen. Alles Böse wird überwunden sein. Unvorstellbar Großes wird Gott uns schenken. Herrliches erwartet uns in der seligen Vollendung der Kinder Gottes im Himmel.

Haben wir also Mut in den Widerwärtigkeiten und Mühseligkeiten des Lebens! Blicken wir auf zum Himmel, wo Christus als König herrscht. Lassen wir uns die Freude des Glaubens an das ewige Leben nicht nehmen! Jesus sagt, daß jeder, der aus der Wahrheit ist, auf seine Stimme hört. Denn er ist dazu geboren und in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Jesus ist der treue Zeuge, der über alles Böse gesiegt hat durch seinen Tod und seine Auferstehung!

Bitten wir die heilige Gottesmutter Maria, die in Unterordnung und völliger Abhängigkeit von ihrem göttlichen Sohn als Königin des Himmels und Erde herrscht und für uns eintritt, um ihre Fürsprache in allen Gefahren des Lebens. Dann werden wir zur seligen Vollendung im Reiche Gottes gelangen und dort mit Christus herrschen auf ewig. Amen.



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