Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Weihnachten 1997
in der Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14;
Ev: Lk 2,1-14
am Morgen: L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
am Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18
Kurzpredigt bei der Kindermette
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, liebe Kinder!
Wir sind hier in der Kirche zusammengekommen, um miteinander die Geburt des Jesuskindes zu feiern. Eben haben wir aus der Bibel, aus diesem heiligen Buch, worin das Wort Gottes enthalten ist, den Bericht des Evangeliums von der Geburt Jesu gehört: Maria und Josef waren in Bethlehem, wo sie sich in Steuerlisten eintragen mußten. Aber in der Herberge war kein Platz für sie, und so fanden sie in einem Stall Zuflucht. Dort kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ein Kind, einen Sohn, dem sie den Namen Jesus gab.
Schaut euch die Krippe hier vorne an! Vielleicht habt Ihr auch zuhause eine Krippe. Darin liegt das Jesuskind, ganz arm und hilflos, auf Stroh gebettet und in Windeln gehüllt. Nur Maria und Josef sorgen für dieses Kind. Sie schenken dem Jesuskind ihre ganze Liebe, und es ist dankbar dafür.
So groß ist die Liebe Gottes, daß er uns seinen Sohn Jesus in die Welt gesandt hat. Als kleines Kind wollte er geboren werden. So hat Gott gezeigt, wie sehr er uns Menschen, besonders aber die Kinder lieb hat.
Macht dem Jesuskind viel Freude! Betet oft zu ihm, verehrt es sehr! Dann wird es Euch immer begleiten auf Eurem Lebensweg. Auch wir Erwachsenen sollen das göttliche Kind verehren und anbeten. Es ist wirklich der allmächtige Gott, der ein Menschenkind geworden ist, um uns nahe zu sein. Gott ist Mensch geworden, damit wir der göttlichen Natur teilhaftig werden, damit wir das göttliche Leben empfangen.
Ja, wir alle sind von Gott zu einem großen Ziel
berufen. Einmal sollen wir im Himmel bei Gott für immer glücklich
sein. Dies hat uns Jesus versprochen und uns durch seine Geburt, sein Leben
und Sterben und seine glorreiche Auferstehung verdient. So wollen wir
uns heute freuen und mit den Engel und Heiligen des Himmels Gott loben
und danken für seinen Sohn Jesus Christus, der für uns Mensch
geworden ist und als kleines Kind geboren wurde im Stall von Bethlehem.
Amen.
Predigt am Christtag
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wie halten wir es mit Weihnachten? Sagt uns dieses Fest noch etwas?
Vielleicht denken jetzt manche: Das ist uns doch klar, was wir feiern. Aber ist es das wirklich? Sind wir nicht alle in Gefahr, das eigentliche Geheimnis des Weihnachtsfestes in der Hektik und im Rummel dieser Tage zu übersehen? Steht nicht auch für uns das Äußere vielleicht manchmal zu sehr im Vordergrund, während wir die eigentlichen Werte des Lebens und die Inhalte unseres Glaubens übersehen?
Das Geheimnis dieser "hochheiligen Nacht", in der das Unfaßbare geschah, kann nur in der Stille erahnt und aufgenommen werden. Lassen wir einfach den Bericht der Evangelien zu unserem Herzen sprechen! Schauen wir dazu auf das Kind in der Krippe, wie es vor uns liegt in seiner Unscheinbarkeit und doch so großen Würde, wie es uns anblickt mit Kindesaugen voller Liebe und Zärtlichkeit, wie es uns allen die wahren Werte des Menschseins wieder bewußt macht: Nicht Geld und Erfolg zählen vor Gott, sondern das schlichte und demütige Herz, das offen ist für das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Wer noch staunen kann wie ein Kind, der wird die Botschaft von Weihnachten "verstehen"!
Die "Welt" freilich hat es nicht begriffen, was Wunderbares ihr in jener seligen Nacht zuteil wurde. Der Gang der Dinge ging weiter, scheinbar war nichts Bedeutendes geschehen, ein Kind wie jedes andere hatte das Licht der Welt erblickt - so schien es. Dennoch gab es Menschen, die offen waren für das göttliche Geheimnis, das sich vor ihren Augen zu enthüllen begann: Maria und Josef vor allem, aber auch die Hirten, die auf dem Felde waren und denen Engel die frohe Kunde von der Geburt des Erlösers brachten. Die Hirten ließen sich nicht durch kritische Einwände davon abhalten, zum Jesuskind zu gehen. Sie suchten es, und fanden es in einer Krippe liegend. Ihr Herz war bereit für die göttliche Botschaft. Überglücklich beteten sie das Kind in der Krippe an. Sie wußten: Ihr Leben würde nun anders verlaufen. Denn sie hatten das Heil geschaut, das Gott allen Menschen bereiten will. Im Kind von Bethlehem ist der ganzen Welt Gnade zuteil geworden und Friede von Gott, dem Allerhöchsten.
Kein menschliches Unverständnis, keine Sünde der Schwachheit und auch keine noch so große menschliche Bosheit wird dieses Licht, das unsere Finsternis erleuchtet hat, jemals wieder auslöschen können. Der Gang der Geschichte ist tatsächlich ein anderer geworden. Die Weltgeschichte hat sich mit der Geburt des Jesuskindes aus Maria der Jungfrau unwiderruflich zum Guten gewendet.
Gott hat in der Menschwerdung seines Sohnes endgültig Ja gesagt zum Menschen. In der Annahme der menschlichen Natur durch die zweite göttliche Person hat Gott einen neuen und ewigen Bund mit der Menschheit geschlossen. Diese Liebe nimmt er nicht mehr zurück, was immer auch geschieht. Maria hat in Stellvertretung für die ganze Menschheit ihr bräutlich-jungfräuliches Ja gesagt zum Plan Gottes, der aus ihrem Schoß Fleisch angenommen hat, um uns zu erlösen. So hat sie uns durch ihre freie und tätige Mitwirkung als Mutter Gottes den Erlöser geschenkt.
Bereiten auch wir Gott einen Platz in unserem Herzen! Es ist nicht unsere Aufgabe, über "die böse Welt" zu schimpfen, die nicht an Christus glauben will, sondern wir sind persönlich aufgerufen, den menschgewordenen Sohn Gottes in unserem Herzen aufzunehmen und ihm eine Wohnung zu bereiten. Nehmen wir den Frieden an, den Gott uns schenken will. Geben wir diesen Frieden weiter an alle Menschen guten Willens!
So werden wir schon hier auf Erden anfanghaft etwas vom
ewigen Glück erahnen, das Gott uns einst bereiten will im Himmel.
Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef