Josef Spindelböck

Wir sind getauft auf den Namen der dreifaltigen Gottes

Predigt am Fest der Taufe des Herrn
10. Januar 2010, Lesejahr C


L 1: Jes 42,5a.1-4.6-7 oder Jes 40,1-5.9-11; L 2: Apg 10,34-38 oder Tit 2,11-14; 3,4-7; Ev: Lk 3,15-16.21-22

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Als Jesus von Johannes im Jordan getauft wurde, vollzog sich die Offenbarung eines Geheimnisses: Der „Himmel öffnete sich, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“

Gott zeigt sich als der Dreifaltige: Der himmlische Vater beglaubigt seinen Sohn; dieser ist der mit dem Heiligen Geist Gesalbte, der Messias, der Christus.

Jesus hatte die von Johannes gespendete Taufe der Umkehr und der Buße nicht nötig, da er das Lamm Gottes ist, das hinweg nimmt die Sünde der Welt. Er stellt sich aber freiwillig in eine Reihe mit den Sünden, die von Johannes getauft werden, um zu zeigen, dass er zu uns gehören will und die Schuld der Menschen auf sich nimmt.

Nicht Jesus Christus wird durch die Taufe der Umkehr und Buße geheiligt, sondern er selber, der Heilige, heiligt das Wasser des Jordan und mittelbar das Wasser der ganzen Erde, das dann später als Wasser der christlichen Taufe verwendet werden wird. Denn Jesus selbst wird den Aposteln nach seiner Auferstehung auftragen, alle Menschen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen.

Das heutige Fest der Taufe des Herrn kann ein Anlass sein, etwas näher über den Sinn der heiligen Taufe nachzudenken. Wir sind auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft und somit gleichsam „eingetaucht“ worden in die Liebe Gottes. Durch die Taufe wird der Mensch aus dem Unheilszusammenhang der Erbsünde und ihrer Folgen herausgenommen und in den Lebensbereich Christi versetzt. In der Taufe geschieht gleichsam „Neuschöpfung“; es ist eine „Wiedergeburt“ aus Wasser und Heiligem Geist zum neuen, göttlichen Leben, das ewig währt.

Wir sind in der Taufe zu Kindern Gottes geworden und dürfen Gott jetzt vertrauensvoll als Vater ansprechen. Untereinander sind wir Brüder und Schwestern in Christus, und Gott hat uns durch seinen Sohn das ewige Erbe verheißen. Wir haben gleichsam ein Pfand erhalten für die ewige Seligkeit.

Wichtig ist allerdings, dass wir der Taufgnade treu bleiben und aus ihr leben. Wenn bei der Taufe von Kindern die Eltern und Paten stellvertretend dem Bösen absagen und das Glaubensbekenntnis beten, so ist der getaufte Mensch ab Erreichen des Vernunftgebrauches aufgerufen, dies selber einzulösen. Eben darum wird auch im Rahmen der Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Firmung das Taufversprechen erneuert. Auch gibt es jedes Jahr in der Osternacht eine feierliche Erneuerung dieses Taufgelöbnisses. Das macht uns immer wieder den heiligen Ernst und die Größe und Schönheit unserer christlichen Berufung kund.

Jedes Mal wenn wir das Weihwasser nehmen und uns bekreuzigen, ist auch dies eine Erinnerung bzw. eine „Auffrischung“ unserer Taufe. Gott hat uns das Wasser geschenkt; es ist schon im natürlichen Bereich lebensspendend und dient der Reinigung. Im Zeichen des Wassers sind wir in der Taufe reingewaschen worden von aller Schuld und haben das göttliche Leben empfangen. Aus dem Mutterschoß der Kirche, der durch das Taufbecken symbolisiert wird, sind wir gleichsam neu geboren worden. Bewahren wir die Taufgnade allezeit; sollte sie verloren gehen, erhalten wir im Sakrament der Buße aufs neue die Versöhnung mit Gott und die ursprüngliche Heiligkeit.

Wir heißen Kinder Gottes und sind es; Gott aber will unsere Vollendung in Herrlichkeit. Maria, die Gottesmutter, ist auch unsere geistliche Mutter; denn in Maria erblicken wir das Urbild der Kirche, die uns in Liebe und Freude zu ihren Söhnen und Töchtern zählt.

Amen.

 

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