Josef Spindelböck

Die Gottesmutter Maria als Wegweiserin ins neue Jahr

Predigt am Hochfest der Gottesmutter Maria
1. Januar 2010, Lesejahr C


L 1: Num 6, 22-27; L 2: Gal 4,4-7; Lk 2,16-21

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Mit dem heutigen Tag endet die Weihnachtsoktav. Eine Woche lang haben wir das Hochfest der Geburt Christi gefeiert, und diese Feier gilt liturgisch wie ein einziger Tag. Und wenn bürgerlich am 1. Januar das neue Jahr beginnt, so ergibt auch das Sinn: Mit der Geburt Christi ist der Anfang des Heils offenbar geworden, und damit – eben am letzten Tag der Weihnachtsoktav – soll auch das neue Jahr beginnen!

In besonderer Weise feiern wir den heutigen Tag als Hochfest der Gottesmutter Maria, die uns den Erlöser geboren hat.

Wer ist Maria? Sie definiert sich ganz von ihrem Sohn her, von Jesus Christus, den sie als Jungfrau empfangen und geboren hat.

Wir verehren Maria als eine Frau, die Gott in einzigartiger Weise begnadet hat. Ihre Gnadenfülle verdankt sie dem Erlöser Jesus Christus. Erhaben ist Maria über alle Frauen; ihr allein war es geschenkt, dem Erlöser eine menschliche Mutter zu werden. Wenn wir sie Gottesmutter nennen dürfen, dann heißt dies: Sie hat Jesus Christus geboren, der zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott ist. Die Gottheit verdankt Jesus Christus dem ewigen Vater, der ihn „gezeugt“ hat von Ewigkeit; die Menschheit verdankt er Maria, seiner menschlichen Mutter, die Ja gesagt hat zu seiner Empfängnis vom Heiligen Geist und zu seiner Geburt.

Im Evangelium des heutigen Hochfestes heißt es, dass Maria alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte. Auch sie konnte das Wunder der Menschwerdung Gottes nur anbetend verehren! Jede menschliche Vorstellung versagt hier, der Verstand kann dies nicht ergründen. Genau dies hatten auch die Hirten in ihrer Einfachheit und Demut begriffen: Vor Gott muss jedes Knie sich beugen! Der einfache, liebende Blick des Herzens versteht mehr von den göttlichen Dingen als so manche rationalistische Erforschung der Philosophen und Theologen.

Ist nicht die Geburt eines jeden Kindes wie ein Wunder? Die Frau, die Mutter wird, freut sich und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus über das Große, das an ihr geschehen ist. Umso mehr war die Geburt des Erlösers aus Maria etwas Wunderbares und Heiliges. Gott hat die Jungfräulichkeit Marias dadurch nicht verletzt und zerstört, sondern geheiligt und vollendet. Er, der Urheber des Lebens, brachte seiner Mutter das Heil in Fülle!

So beten wir an unseren Erlöser und Herrn, der uns auch im Neuen Jahr mit seiner Gnade begleiten will!

Maria, die Gottesmutter weist uns den Weg; sie lädt uns im Geiste ein zur Krippe, wo wir das Jesuskind finden und Heil und Erbarmen empfangen, nicht nur heute, sondern an allen Tagen des Neuen Jahres.

Amen.

 

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