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Predigt:

Hochfest der Erscheinung des Herrn C (06.01.2004)

L1: Jes 60,1-6; L2: Eph 3,2-3a.5-6; Ev: Mt 2,1-12


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wie reich und angesehen muss man sein, damit man hinzutreten darf zum Kind in der Krippe? Diese Frage können wir uns am heutigen Hochfest der Erscheinung des Herrn stellen, wenn wir der Weisen aus dem Morgenland gedenken, die den Weg zur Krippe fanden und die von der christlichen Überlieferung als „Heilige Drei Könige“ bezeichnet werden.

Die Frage so zu stellen, heißt aber zugleich auch schon eine Antwort zu geben. Gerade im Zusammenhang mit dem Weihnachtsgeheimnis wird ja deutlich, dass es nicht von Besitz, Macht und Einfluss oder anderen irdischen Qualitäten abhängt, ob jemand dem Jesuskind begegnen darf oder nicht. Die ersten, die den Weg zur Krippe fanden, waren – man vergesse es nicht! – arme (!) Hirten vom Felde, denen die Engel die frohe Botschaft verkündet hatten. Wieso gerade sie ausgezeichnet wurden, bleibt ein Mysterium göttlicher Erwählung und Berufung. Gott selber, der König der Könige und Herr aller Herren, er der unendlich Reiche und Mächtige, wollte im Kind von Bethlehem arm und ohnmächtig vor uns erscheinen, damit wir uns einzig von der Macht seiner Liebe bezwingen ließen und nicht aus Angst vor seiner Größe in knechtischer Unterwürfigkeit zu vergehen drohten.

Nun aber sind sie da – einige Tage nach Weihnachten –, die „heiligen drei Könige“. Auch sie haben es jetzt geschafft, zum Kind in der Krippe vorzudringen. Sie sind reich und bringen ihre Schätze mit zum Kind: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Zugleich aber sind sie gläubig und demütig, denn sie fallen nieder und beten Gott an, der als Mensch unter uns erschienen ist. Die Herrlichkeit des Herrn hat sich ihnen offenbart durch den Stern, der ihnen den Weg gewiesen hat. Es war ein langer Weg voller Mühen und Gefahren. Auf diesem Weg nützte es ihnen wenig, dass sie reich und mächtig waren. Ihre einflussreiche Stellung konnte ihnen zwar in ihrer Heimat Tür und Tor öffnen, doch den Weg zum Jesuskind konnte dies nicht abkürzen. Ihr Weg war außerordentlich lang, vielleicht waren sie Monate unterwegs, und doch gaben sie nicht auf: Sie glaubte und vertrauten, dass der Welt Großes widerfahren war. Sie deuteten den Stern als Zeichen dafür, dass den Menschen ein Königskind geboren sei, das Heil und Frieden bringen würde.

Nun aber, was hat es mit der Mächtigkeit auf sich, mit all ihrem Reichtum und Ansehen? Sie kamen zwar endlich zum Kind in der Krippe sowie zu Maria und Josef, aber nicht wegen, sondern trotz ihres Reichtums. Gott sah auf ihr Herz, das ein glaubendes, suchendes und liebendes war und erbarmte sich ihrer. Sie fanden das Kind, weil sie Gott liebten und nicht, weil sie irdische Machtmittel besaßen. Ein anderer König „blitzte ab“ beim Jesuskind: Herodes heuchelte, als er den bei ihm anfragenden Weisen die Auskunft gab, auch er wolle kommen und das Kind verehren, sobald sie es gefunden hätten. In Wirklichkeit sah Herodes die Bedrohung seiner Macht durch den neugeborenen „König der Juden“, eine Illusion, die so folgenschwer war, dass er – als er des Kindes nicht habhaft werden konnte – alle Kinder jener Gegend bis zu einem bestimmten Alter töten ließ, um das eine unbekannte Jesuskind mit ihnen zu ermorden, dessen Existenz ihm als Gefahr für seinen eigenen Thron erschien.

So kam es also dazu, dass diese weisen und reichen Männer aus dem Orient hinzutraten vor das Jesuskind und ihm ihre Gaben darbrachten. Und obwohl die heilige Familie derartige Schätze nicht begehrte, ließen es Maria und Josef dennoch zu, dass die Weisen auf diese Art ihre Hingabe an das göttliche Kind zum Ausdruck brachten. Es war keine geheuchelte Frömmigkeit, sondern die Tat eines aufrichtigen Herzens und einer lauteren Liebe. Auf diese Weise begriffen jene mächtigen und reichen Männer aus einem fernen Land, dass vor Gott nichts anderes zählt als die Hingabe der Liebe. Sie kamen zur Überzeugung von einer grundlegenden Gleichheit aller Menschen vor Gott durch Jesus Christus, den Herrn und Bruder aller Menschen. In ihm ist jedem – sei er arm oder reich – die Tür geöffnet zum Leben Gottes. Hier heißt es eintreten und die eigene Armut und Bedürftigkeit anerkennen. Den Stolzen ist der Zutritt zur Krippe verwehrt, die Armen und Demütigen im Herzen werden jederzeit vom Kind und seinen Eltern erwartet.

Freuen auch wir uns, dass uns dieses Kind erschienen ist. Gott selbst ist uns nahe in der Menschwerdung seines Sohnes. Die frohe Botschaft begann bereits vor 2000 Jahren, sich in der Welt zu verbreiten. Auch heute wollen wir Boten Gottes sein, zusammen mit all jenen Kindern, die als Sternsinger unterwegs waren, um für die Anliegen der Mission und Entwicklungshilfe weltweit zu sammeln. Reich ist jener Mensch, der zu geben versteht. Reich sind jene, die arm sind im Herzen, weil sie empfangen können, was Gott ihnen schenken will! Amen