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Predigt:

Feindesliebe statt Hass und Vergeltung

7. Sonntag im Jahreskreis C (18.02.2007)

L1: 1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23; L2: 1 Kor 15,45-49; Ev: Lk 6,27-38


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In diesen Tagen erreicht die „närrische Zeit“ des Faschings ihren Höhepunkt. Soweit dabei bestimmte Grenzen der Sittlichkeit und des Anstands nicht überschritten werden, darf auch der Christ sich daran beteiligen. Freilich muss uns klar sein, dass die wahre Freude nicht im irdisch-weltlichen Treiben und in einer damit verbundenen Ausgelassenheit besteht, sondern sich aus anderen Quellen speist, die tiefer gründen. Die biblischen Texte dieses 7. Sonntags im Jahreskreis C weisen uns dazu den Weg.

Im Grund geht es darum, wie wir als Christen das Böse durch das Gute überwinden können. Wie leicht ist man doch versucht, wenn einem Unrecht geschieht, es mit gleicher Münze heimzuzahlen, es auf „gerechte Weise“ zu erwidern! Der andere hat ja bekanntlich immer zuerst angefangen, und nachgeben will man nie selber, sondern man möchte den „Gegner“ dazu bringen und selber als Sieger dastehen. Das beginnt beim Streit der Kinder, setzt sich fort in den jugendlichen Hahnenkämpfen und Rivalitäten, bis hin zu Auseinandersetzungen und Feindschaften von Erwachsenen auf verschiedenen Ebenen: ob es um Geld, Macht, Ehre oder die Gunst einer Frau oder eines Mannes geht. Ja selbst im politisch-weltanschaulichen und im religiösen Bereich ist es immer wieder der Fall, dass man an sich notwendige inhaltliche Auseinandersetzungen derart auf die Spitze treibt, dass der Andersdenkende in seiner Würde als Mensch herabgesetzt oder verletzt wird. Gar nicht zu reden von den vielfältigen Bedrohungen durch Krieg und Terrorismus! Wer aber Hass und Feindschaft im Herzen trägt und aussät, kann die wahre Freude, die von Gott kommt, nicht in sich tragen.

Die Lesung aus dem ersten Buch Samuel zeigt uns, wie David in wahrem Großmut seinem Verfolger, dem König Saul, verziehen hat. Dieser wollte ihn töten und stellte ihm nach. Doch als David die Chance gehabt hätte, seinen Gegner umzubringen, verschonte er dessen Leben: Denn der rachsüchtige König Saul war immer noch der „Gesalbte des Herrn“. Auf diese Weise bewies David, dass es ihm nicht um die eigene Ehre ging, sondern dass er alles Gott anheimstellen wollte, der ihm Recht verschaffen würde.

Im Evangelium hörten wir die Worte Jesu von der Feindesliebe und der Barmherzigkeit: „Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.“ Wir müssen zugeben, dass wir uns schwer tun mit solchen Weisungen. Und dennoch liegt allein hier der Weg zum wahren Frieden und zur Versöhnung. Der Kreislauf, ja der Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt, von Unrecht und Vergeltung kann nur durchbrochen werden durch die bedingungslose Liebe Christi. Diese übersieht nicht einfach das Unrecht und schweigt dazu, sucht jedoch nach gerechten und zugleich maßvollen Wegen der Wiederherstellung des Rechts und eröffnet dem Übeltäter zu jeder Zeit den Weg der Umkehr und der Versöhnung.

Christus selbst hat uns diesen Weg durch sein Leiden und Sterben am Kreuz vorgelebt; als er Verfolgung und Feindschaft erfuhr, hegte er keinen Groll gegen jene, die ihm Böses taten, sondern verzieh seinen Mördern. In seiner Liebe hat er die Sünde der Welt hinweggenommen und den Teufel, den „Mörder von Anbeginn“, besiegt.

Wer nun Jesus Christus nachfolgen will, wird klar erkennen, dass es über unsere eigenen Kräfte geht, das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, ja sogar der Feindesliebe zu erfüllen. Der irdische Mensch ist dazu nicht in der Lage. Gott muss uns nach dem „Bild des Himmlischen gestalten“, wie es in der zweiten Lesung heißt. In Jesus Christus werden wir durch den Heiligen Geist zu neuen Menschen. Und dieses „neue Herz“ befähigt uns zu wahrer Gottes- und Nächstenliebe.

Mancher wird sagen: Darauf lasse ich mich nicht ein. „Das ist mir zu unsicher. Am Ende zahle ich selber drauf, während ‚die Bösen’ Erfolg und Bestand haben.“ Diese Einschätzung trifft sicher nicht zu, sondern entspringt nur einer vordergründigen Betrachtungsweise. Wer wirklich von Herzen liebt, fürchtet nicht, irgendwie zu kurz zu kommen. Und das Evangelium sagt uns mit einer wahrhaft großartigen Verheißung, dass dem, der Gutes tut, von Gott her reichlich vergolten wird: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“

Folgen wir dem Herrn auf seinem Weg, den er uns in seiner Gnade eröffnet; dann werden wir die wahre Freude empfangen, die Bestand hat über den Tag hinaus und die uns die ewige Seligkeit mit hoffnungsvoller Zuversicht erwarten lässt. Die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria möge uns mit ihrer Fürbitte begleiten! Amen