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Predigt:

7. Sonntag im Jahreskreis C (22.02.2004)

L1: 1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23; L2: 1 Kor 15,45-49; Ev: Lk 6,27-38


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Alle Welt feiert heute den Faschingssonntag. Die Kirche ist nicht humorlos, sondern vergönnt jedem die Freude und eine in rechtem Maß bleibende Unterhaltung. Die Botschaft des Evangeliums vom 7. Sonntag im Jahreskreis fordert uns jedoch auf besondere Weise heraus, und ich denke, dass wir uns trotz des allgemeinen Faschingstrubels diesen Gedanken nicht entziehen sollten! Verzeihen Sie also, dass es hier keine Faschingspredigt gibt, sondern eine Predigt über das Evangelium J

Wenn wir uns mit unserem Herrn Jesus Christus befassen, dann imponiert uns vielerlei: seine selbstlose Zuwendung zu den Menschen und sein Eintreten für die Kranken und Schwachen, für die an den Rand Gedrängten, sein Erbarmen mit den Sündern und seine innige Verbundenheit mit seinem himmlischen Vater, aus der heraus er seine Sendung lebte und sein Leben hingab für uns am Kreuz. In seiner Auferstehung wurde machtvoll offenbar, dass er der wahre Sohn Gottes ist.

Die Worte aus dem Mund des Herrn sind nicht immer leicht verständlich und annehmbar. Wenn es heute heißt: „Liebet eure Feinde; tut Gutes denen, die euch hassen!“, dann scheint uns das wie eine Überforderung. Dass man den Nächsten lieben soll, sehen wir ja noch ein, aber den Feind?! Wie können wir Menschen in Liebe gegenübertreten, die uns übel gesinnt sind, die uns laufend Steine in den Weg legen und die ihrerseits keinen Millimeter bereit sind, uns entgegen zu kommen? Wenn wir diese Menschen lieben würden und ihnen Gutes tun sollten, wären wir dann nicht töricht, zumindest in den Augen der Welt?

Genau hier aber liegt der springende Punkt, liebe Brüder und Schwestern: So wie es „töricht“ war, dass Jesus am Kreuz sein Leben hingegeben hat für uns Menschen, die wir durch die Sünde „Feindes Gottes“ waren, so „töricht“ kann es scheinen, wenn Menschen in der Nachfolge Jesu den Hass durch Liebe überwinden, der Gewalt ihrer Gegner nicht mit Gegengewalt antworten, sondern mit Verzeihen, und wenn sie denen Gutes tun, von denen sie selber es nicht erwarten können, ja die ihnen vielleicht sogar Böses getan haben.

Geben wir zu: Im Grunde sind wir da alle überfordert, die Priester und Verkündiger eingeschlossen! Wer sagen möchte: „Für mich stellt das alles kein Problem dar, ich tue mich leicht mit der Feindesliebe“, der hat die Worte Jesu nicht begriffen, ihre Provokation noch nicht erkannt.

Es bleibt dabei: Die frohe Botschaft des Herrn bleibt in ihrem Anspruch, dass wir auch die Feinde lieben sollen, gleichsam ein „Stachel“, der uns gegen unser natürliches Empfinden zu sein scheint, eine Weisung, die wir so nicht erwartet hätten.

Wie aber können und sollen wir damit umgehen? Es wäre falsch, hier einfach zur Tagesordnung überzugehen und zu sagen: „Ich schaffe es ja doch nicht. Daher gilt für mich das Gebot der Feindesliebe nicht.“ Nein, so kann und darf es nicht sein! Es liegt nicht im Willen Gottes, dass katholische Christen zuerst die heilige Messe besuchen und dann nachher wieder Pläne der Rache schmieden. Es entspricht nicht dem Willen des Herrn, das Wohlwollen nur auf jene zu beschränken, von denen auch wir es erwarten können. Wir dürfen uns der inneren Dynamik der Liebe Gottes nicht verschließen, der die Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten, der gütig ist auch gegen die Undankbaren und Bösen. „Seid barmherzig!“ sagt Jesus.

Ja, aus uns selbst sind wir dazu nicht fähig. Aber sollte uns nicht die Teilnahme am eucharistischen Opfer und die würdige Verbindung mit Jesus Christus in der heiligen Kommunion dazu die Kraft geben können? In der heiligen Messe wird die Liebeshingabe Christi an den himmlischen Vater für uns Menschen sakramental gegenwärtig, wie sie damals am Kreuz erfolgt ist. Es war eine Hingabe, die den Hass jener überwunden hat, die Jesus Böses wollten. Wer ist schuld am Tod Jesu? Nicht bloß jene damals Verantwortlichen unter den jüdischen und römischen Autoritäten, sondern wir alle, die wir durch unsere Sünden Gottes Liebe zurückweisen. Und doch lautet die Antwort Gottes darauf nicht „Tod und Verderben“, sondern Liebe und Verzeihung. So gilt auch für uns: Wenn wir selber täglich das Erbarmen Gottes erfahren, müssen auch wir einander verzeihen und bereit sein, jene zu lieben, die uns noch nicht lieben. Wir sollten von uns aus keine Feindschaft auf Dauer aufrechterhalten wollen!

Mit diesen Gedanken wollen wir in den Alltag gehen. Die Worte Jesu sind frohe Botschaft für jene, die sie im Glauben annehmen und danach leben. Wer sich bemüht, das Gebot der Nächsten-, ja sogar der Feindesliebe zu leben, der wird eine innere Freiheit und Freude erfahren, die weit über das hinaus geht, was die Welt in diesen Tagen bieten kann. Es ist eine Freude, die sich mit der Verheißung auf ewige Vollendung im Reiche Gottes verbindet. Amen