Dr. theol. habil. Josef Spindelböck

Vom Ganzeinsatz aus Liebe

Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit
6. Mai 2007 (Lesejahr C)

L 1: Apg 14,21b-27; L 2: Offb 21,1-5a; Ev: Joh 13,31-33a.34-35

Alle liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wenn heute so wie vielerorts auch in unserer Kirche die „Florianimesse“ mit den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert wird, so blicken wir gemeinsam auf einen besonderen Heiligen: Florian, der ehemalige Kanzleivorstand von Cetium (St. Pölten), trat in Lauriacum (Lorch) für seine verfolgten Brüder und Schwestern ein und musste deshalb selber das Schicksal der Verfolgung und schließlich sogar des Märtyrertodes auf sich nehmen.

Im Leben des heiligen Florian, den die Feuerwehren als ihren Patron erwählt haben, spiegelt sich in einzigartiger Weise die Verwirklichung des neuen Gebots der Liebe wieder, das der Herr seinen Jüngern gegeben hat.

Hätte Florian nur an sich gedacht und den Status einer satten, selbstzufriedenen Bequemlichkeit dem mühsamen und für ihn nachteiligen Zeugnis für die Wahrheit vorgezogen, würden wir ihn nicht als Heiligen verehren. Er wäre längst vergessen wie viele andere Menschen aus dieser Zeit vor über 1700 Jahren.

Florian war Christ aus tiefster Überzeugung seines Herzens: Darum war für ihn das Gebot des Herrn „Liebt einander!“ keine Floskel oder eine unverbindliche Weisung, sondern ein Auftrag, dem er bis in den Tod hinein treu bleiben wollte. Der ehemalige römische Beamte Florian war überzeugt, dass jemand nur dann als Christ glaubwürdig war, wenn er bereit war, die Worte Jesu ins Leben umzusetzen.

Beachten wir den besonderen Hintergrund der Worte des Herrn. Jesus fügt nämlich seinem Gebot, einander Liebe zu erweisen, eine notwendige Klärung und Begründung hinzu. Diese lautet: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Das Maß und der Beweggrund der Liebe zu unserem Nächsten soll also die Liebe des Erlösers selber sein. Auf diese Weise wird jedes bloß natürliche Denken übertroffen. Der natürliche Mensch denkt ja zuerst an seinen eigenen Vorteil und ist nur innerhalb eines bestimmten Rahmens bereit, für den Nächsten dazu sein. Wenn es hart auf hart geht und das Eintreten für die Mitmenschen spürbare Nachteile mit sich bringt, dann springen viele ab vom fahrenden Zug der Mitmenschlichkeit. Plötzlich lassen sie den Nächsten allein da stehen und kümmern sich nicht mehr um ihn.

Nicht so Florian! Gemäß dem Vorbild seines Herrn und Meisters Jesus Christus, der sich am Kreuz aus Liebe zu uns Menschen in den Tod gegeben hat, war auch Florian bereit zum Ganzeinsatz für seine Mitmenschen, die verfolgten Christen. Er achtete nicht der Schmach und Verfolgung, ja fürchtete selbst den Tod nicht. So groß war seine Liebe und die aus dem Glauben entspringende Zuversicht und Hoffnung auf ewiges Leben, dass er gleichsam alles auf eine Karte setzte. Gott hat seine Hoffnung nicht enttäuscht, sondern ihn aufgenommen in den himmlischen Frieden. Von dort aus ist er uns ein großes Vorbild und ein machtvoller Fürsprecher.

Auch Ihnen, liebe Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, ist im Beispiel des heiligen Florian der Weg gewiesen. Sie setzen sich ein für Ihre Mitmenschen in vielfältiger Not und Gefahr. Und im Ernstfall müssen auch Sie bereit sein, für den in Gefahr befindlichen Mitmenschen das Leben hinzugeben. Es braucht in gewisser Weise auch heute den Mut und die Opferbereitschaft des heiligen Florian, damit unsere Gesellschaft menschlicher wird. Ein Volk von Egoisten kann auf Dauer keinen Bestand haben; nur die Liebe zählt und vermag Leben und Zukunft zu schenken.

Die Liebe ist das sicherste Erkennungszeichen der Jünger Christi. Gestern, heute und morgen werden die Worte Christi Bestand haben: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ Möge uns der heilige Florian durch sein Beispiel und seine Fürbitte in allem Guten bestärken! Amen.

 

Aktueller Hinweis:

 

Das ethische Werk "Liebe und Verantwortung" von Johannes Paul II. (Karol Wojtyła) ist nun im Verlag St. Josef in einer deutschen Neuausgabe erschienen.

 

Familienbischof DDr. Klaus Küng schreibt im Vorwort:

 

Mit beachtlichem Fleiß wurde von Dozent Dr. habil. Josef Spindelböck die deutsche Übersetzung der seit längerem vergriffenen deutschen Ausgabe des Buches von Karol Wojtyła Liebe und Verantwortung neu erarbeitet. Die vorliegende Neuausgabe wurde auf der Grundlage der polnischen Fassung von 1986 / 2001 und unter Berücksichtigung der vorliegenden englischen und deutschen Textausgaben erstellt. Das Ziel war eine möglichst sinngemäße und zugleich gut lesbare Wiedergabe des Originals.
Diese deutsche Neuausgabe soll das wichtige ethische Werk Karol Wojtyłas über den Sinngehalt der ehelichen Liebe einem breiteren Leserkreis erneut zugänglich machen, da diese Studie im deutschen Sprachraum seit Jahren nicht mehr erhältlich ist.

 

Bibliographische Angaben: Karol Wojtyła (Johannes Paul II.), Liebe und Verantwortung. Eine ethische Studie, gebunden, 420 Seiten, 21 × 14 cm, ISBN: 978-3-901853-14-2, Preis EUR 15,80. Bestellung: http://verlag.stjosef.at oder verlag@stjosef.at.

 

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