Dr.
theol. habil. Josef Spindelböck
Vom Ganzeinsatz
aus Liebe
L 1: Apg 14,21b-27; L 2: Offb 21,1-5a; Ev: Joh 13,31-33a.34-35
Alle liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenn
heute so wie vielerorts auch in unserer Kirche die „Florianimesse“
mit den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert wird, so blicken wir
gemeinsam auf einen besonderen Heiligen: Florian,
der ehemalige Kanzleivorstand von Cetium (St. Pölten),
trat in Lauriacum
(Lorch) für
seine verfolgten Brüder und Schwestern ein
und musste deshalb selber das Schicksal der Verfolgung und schließlich sogar
des Märtyrertodes auf sich nehmen.
Im
Leben des heiligen Florian, den die Feuerwehren als ihren Patron erwählt haben,
spiegelt sich in einzigartiger Weise die Verwirklichung
des neuen Gebots der Liebe wieder, das der Herr seinen Jüngern gegeben hat.
Hätte
Florian nur an sich gedacht und den Status einer satten, selbstzufriedenen
Bequemlichkeit dem mühsamen und für ihn nachteiligen Zeugnis für die Wahrheit vorgezogen, würden wir ihn nicht als
Heiligen verehren. Er wäre längst vergessen wie viele andere Menschen aus
dieser Zeit vor über 1700 Jahren.
Florian
war Christ aus tiefster Überzeugung seines Herzens: Darum war für ihn das Gebot des Herrn „Liebt einander!“ keine
Floskel oder eine unverbindliche Weisung, sondern ein Auftrag, dem er bis in
den Tod hinein treu bleiben wollte. Der ehemalige römische Beamte Florian war
überzeugt, dass jemand nur dann als
Christ glaubwürdig war, wenn er bereit war, die Worte Jesu ins Leben
umzusetzen.
Beachten
wir den besonderen Hintergrund der Worte des Herrn. Jesus fügt nämlich seinem
Gebot, einander Liebe zu erweisen, eine notwendige Klärung und Begründung
hinzu. Diese lautet: „Wie ich euch
geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Das Maß und der
Beweggrund der Liebe zu unserem Nächsten soll also die Liebe des Erlösers selber sein. Auf diese Weise wird jedes bloß
natürliche Denken übertroffen. Der natürliche
Mensch denkt ja zuerst an seinen eigenen
Vorteil und ist nur innerhalb eines bestimmten Rahmens bereit, für den
Nächsten dazu sein. Wenn es hart auf hart geht und das Eintreten für die
Mitmenschen spürbare Nachteile mit sich bringt, dann springen viele ab vom
fahrenden Zug der Mitmenschlichkeit. Plötzlich lassen sie den Nächsten allein
da stehen und kümmern sich nicht mehr um ihn.
Nicht
so Florian! Gemäß dem Vorbild seines Herrn und Meisters Jesus Christus, der
sich am Kreuz aus Liebe zu uns Menschen in den Tod gegeben hat, war auch Florian bereit zum Ganzeinsatz für seine
Mitmenschen, die verfolgten Christen. Er achtete nicht der Schmach und
Verfolgung, ja fürchtete selbst den Tod nicht. So groß war seine Liebe und die aus dem Glauben entspringende
Zuversicht und Hoffnung auf ewiges Leben, dass er gleichsam alles auf eine
Karte setzte. Gott hat seine Hoffnung nicht enttäuscht, sondern ihn aufgenommen
in den himmlischen Frieden. Von dort aus ist er uns ein großes Vorbild und ein machtvoller Fürsprecher.
Auch
Ihnen, liebe Mitglieder der Freiwilligen
Feuerwehr, ist im Beispiel des heiligen Florian der Weg gewiesen. Sie setzen sich ein für Ihre Mitmenschen in vielfältiger Not und Gefahr. Und im
Ernstfall müssen auch Sie bereit sein, für den in Gefahr befindlichen
Mitmenschen das Leben hinzugeben. Es braucht in gewisser Weise auch heute den Mut und die Opferbereitschaft des heiligen
Florian, damit unsere Gesellschaft menschlicher wird. Ein Volk von Egoisten
kann auf Dauer keinen Bestand haben; nur
die Liebe zählt und vermag Leben und Zukunft zu schenken.
Die Liebe ist das sicherste Erkennungszeichen
der Jünger Christi. Gestern, heute
und morgen werden die Worte Christi Bestand haben: „Daran werden alle erkennen,
dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ Möge uns der heilige Florian durch sein Beispiel und seine Fürbitte
in allem Guten bestärken! Amen.
Aktueller Hinweis:
Das ethische Werk "Liebe und
Verantwortung" von Johannes Paul II. (Karol Wojtyła)
ist nun im Verlag St. Josef in einer deutschen
Neuausgabe erschienen.
Familienbischof DDr. Klaus Küng schreibt im Vorwort:
Mit beachtlichem Fleiß wurde von
Dozent Dr. habil. Josef Spindelböck die deutsche Übersetzung der seit längerem
vergriffenen deutschen Ausgabe des Buches von Karol Wojtyła
Liebe und Verantwortung neu erarbeitet. Die vorliegende Neuausgabe wurde auf
der Grundlage der polnischen Fassung von 1986 / 2001 und unter Berücksichtigung
der vorliegenden englischen und deutschen Textausgaben erstellt. Das Ziel war
eine möglichst sinngemäße und zugleich gut lesbare Wiedergabe des Originals.
Diese deutsche Neuausgabe soll das wichtige ethische Werk Karol Wojtyłas über den Sinngehalt der ehelichen Liebe einem
breiteren Leserkreis erneut zugänglich machen, da diese Studie im deutschen
Sprachraum seit Jahren nicht mehr erhältlich ist.
Bibliographische Angaben: Karol Wojtyła (Johannes Paul II.), Liebe und Verantwortung. Eine
ethische Studie, gebunden, 420 Seiten, 21 × 14 cm, ISBN: 978-3-901853-14-2,
Preis EUR 15,80. Bestellung: http://verlag.stjosef.at
oder verlag@stjosef.at.
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