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Predigt:

Wenn ein Sünder heimkehrt …

4. Fastensonntag C (18.03.2007)

L1: Jos 5,9a.10-12; L2: 2 Kor 5,17-21; Ev: Lk 15,1-3.11-32


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Österliche Bußzeit lädt uns ein, dass wir uns in rechter Weise auf das Osterfest vorbereiten. Wenn wir wirklich aus ganzem Herzen das „Halleluja!“ singen wollen und die Osterfreude sich Bahn brechen soll, dann gehört dazu auch die Versöhnung mit Gott, welche jedem gewährt wird, der seine Sünden von Herzen bereut und mit Gottes Gnade den Weg des Guten gehen will. Genau dies bringt das Sakrament der Buße zum Ausdruck, wobei die sakramentale Gnade in der Lossprechung die Vergebung der Sünden bewirkt.

Das Evangelium vom verlorenen Sohn kann ein Bild für unser Leben sein, wie wir mit dem Thema Schuld und Versöhnung umzugehen haben. Eigentlich sind es ja zwei Söhne, die im Evangelium vom barmherzigen Vater, wie es auch und vielleicht besser genannt wird, vorgestellt werden: Der eine Sohn geht auf Abwege und veruntreut das Erbe seines Vaters; nach leidvollen Erfahrungen kehrt er zurück und wir vom Vater mit Freuden aufgenommen und wieder in seine Rechte als Sohn eingesetzt. Der andere Sohn ist von vornherein „der Brave“ und „der Anständige“; er tut nichts Falsches und bleibt zuhause, wo er offenbar dem Vater treue Dienste leistet. Er scheint sich allerdings über die Rückkehr des verlorenen Sohnes nicht sehr zu freuen, was Anlass gibt zu verschiedenen Überlegungen.

Vielleicht sagen auch wir: Ich fühle mich eigentlich gar nicht so sehr als verlorener Sohn oder als verlorene Tochter, da ich mich im Leben, so gut es ging, immer bemüht habe, das Gute zu tun. Wenn das wirklich zutrifft, so handelt es sich dabei um etwas ganz und gar Erfreuliches. Wer dies so sehen darf, hat allen Grund, sich das Treubleibendürfen im Guten nicht sich selbst zuzuschreiben, sondern Gott zu danken für seine Gnade und Hilfe. Falsch wäre es, wenn jemand sagen würde: „Ich bin der Gute, die anderen sind die Bösen“, und wenn er sich dann hochmütig über die anderen erheben würde, die vielleicht einen Irrweg oder Umweg gegangen sind oder immer noch gehen.

Eben dies ist das Problem des daheim gebliebenen Sohnes: Er hat zwar nichts Böses getan, doch als der verlorene Sohn umkehrt und heimkehrt, da kann er sich nicht mit dem Vater darüber freuen, dass sein Bruder gleichsam „tot“ war und nun wieder „lebt“, dass er verloren war und nun wieder gefunden wurde. Vielmehr verharrt er in seinem Groll und kann es nicht verstehen, dass der Vater mit dem zuvor untreuen Sohn, der das Erbteil durchgebracht hat, nun feiern will, während er sich von seinem Vater plötzlich vernachlässigt fühlt, obwohl er so viele Jahre gut und treu gedient hat.

Das Gleichnis Jesu bezieht sich auf unsere Gottesbeziehung, auf unser Leben auf Erden und auf unser Verhältnis zu Gott, dem barmherzigen Vater. Es gibt den direkten Weg zu Gott, wenn jemand Tag für Tag Gottes Gebote hält und sich bemüht, den Willen Gottes zu erfüllen. Dieser Weg scheint so lange unproblematisch, bis eines Tages jemand auftaucht, der eben erst neu und vielleicht erst sehr spät zu Gott gefunden hat. Er hat womöglich bis jetzt ein Leben abseits von Glaube und Kirche geführt oder war sogar in Dinge verstrickt, welche „anständige Menschen“ auf keinen Fall tun, sondern ablehnen und verurteilen. Und plötzlich findet so ein Mensch zum Glauben, plötzlich bekehrt er sich und nimmt teil am gottesdienstlichen Leben. Wie reagieren die „Frommen“? Rümpfen sie die Nase, dass der oder die jetzt auch dazu gehören will oder freuen sie sich mit Gott und den Engeln des Himmels darüber, dass der verlorene Sohn oder die verlorene Tochter endlich heimgefunden hat?

Nur dann wenn es möglich wird, die gemeinsame Freude über die Heimkehr eines Sünders zum Ausdruck zu bringen, wird auch der Fromme in seinem Mühen vor Gott Bestand haben. Zeigt er sich hingegen hartherzig, überheblich und lieblos, so offenbart er sich auf andere Weise als Sünder und zeigt damit, dass er ebenso die Bekehrung des Herzens nötig hat. Kein Mensch kann gut sein ohne Gottes Gnade, und wer Gutes tut, freue sich, dass ihm das Gute gelingt, aber auch darüber, dass Menschen heimfinden, welche auf Abwegen und Irrwegen waren. Denn auch für sie hat der gütige und barmherzige Gott in seinem Reich eine ewige Wohnung bereitet. Die Fürbitte der Gottesmuter Maria und des heiligen Josef möge alle Suchenden und Irrenden zum Himmelreich geleiten! Amen