Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau
Predigt für den Dritten
Sonntag der Osterzeit
26. April 1998, Lesejahr C
L 1: Apg 5,27b-32.40b-41; L 2: Offb 5,11-14;
Ev: Joh 21,1-19
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die Apostel müssen sich vor dem Hohen Rat in Jerusalem wegen ihres Zeugnisses für Jesus Christus, den Auferstandenen, verantworten: Das ist das Thema der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte.
Jesus war am dritten Tage von den Toten auferstanden und hatte sich den Aposteln auf vielfache Weise zu erkennen gegeben: Die Apostel konnten ihn sehen und anfassen, ja aßen und tranken sogar mit ihm. Erfüllt mit dem Heiligen Geist legten die Apostel und Jünger Jesu Zeugnis ab für den Glauben an den auferstandenen Herrn.
Es war abzusehen, daß sie bei diesem Glaubenszeugnis für Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, mit jenen politischen und religiösen Autoritäten in Konflikt geraden würden, die Jesus zum Tode verurteilt und am Kreuz hingerichtet hatten. "Der Jünger muß sich damit begnügen, daß es ihm geht wie seinem Meister, und der Sklave, daß es ihm geht wie seinem Herrn. Wenn man schon den Herrn des Hauses Beelzebul nennt, dann erst recht seine Hausgenossen" (Mt 10,25). So hatte es Jesus selbst vorausgesagt für alle, die ihm nachfolgen.
Die jüdischen Schriftgelehrten und Hohenpriester konnten und wollten es nicht zulassen, daß nach dem Tod Jesu seine Lehre mit Berufung auf eine angebliche Auferstehung wieder wirksam würde und verbreitet werden sollte. Es entsprach ihrer Logik, daß sie die Apostel festnehmen ließen und zur Rede stellten, als diese bezeugten, daß Jesus von den Toten auferstanden sei. Die jüdischen Autoritäten waren gefangen in ihrem nichtigen Denken, aus dem heraus sie Jesus ans Kreuz geschlagen und getötet hatten.
Doch die Apostel und Jünger hatten Dinge erlebt, die ihr ganzes Leben von Grund auf veränderten. Dieser Jesus, auf den sie alle ihre Hoffnung gesetzt hatten, war am Kreuz gestorben. Die Angst und Enttäuschung waren groß. Doch da erschien ihnen Jesus. Sie machten eine Ostererfahrung, die sie befähigte zu sagen: "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4,20). Auch unter Androhung von Strafen waren sie nicht mehr bereit, von der Verkündigung des auferstandenen Herrn Abstand zu nehmen. Denn "man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen", wie sie sagten.
Ihr Glaube an Jesus war stärker als die Furcht vor dem Tod. Und so predigten sie dem ganzen Volk Israel und allen, die es hören wollten, die Umkehr und die Vergebung der Sünden. Viele bekehrten sich, nahmen den Glauben an und ließen sich taufen.
Auch wir sind im Glauben an den auferstandenen Herrn getauft. Aber sind wir ergriffen wie die Apostel und bereit, unser Leben für Christus einzusetzen? Haben auch wir den Mut, der sie befähigte, vor die weltlichen und religiösen Autoritäten ihrer Zeit zu treten und ihnen Jesus mit Freimut zu verkünden? Leider geben manche Christen schon bei geringem Widerstand auf und lassen sich einschüchtern durch Spott und Ablehnung. Aber es hat zu allen Zeiten Menschen gegeben, die dem Glauben treu geblieben sind bis in den Tod!
Ob wir die Kraft dazu hätten, wenn es um Leben oder Tod geht, wissen wir nicht. Wir sollen aber Gott um die Gabe des Heiligen Geistes bitten, der die Apostel und Jünger sowie die gläubigen Frauen zu einem so mutigen Zeugnis für Christus befähigt hat. Gott erwartet von uns vermutlich kein spektakuläres Hintreten vor die Mächtigen dieser Welt. Aber der stille Dienst für Gott in der täglichen Erfüllung der Pflicht, die Annahme des Alltagskreuzes, das sind Wege, wo wir unseren Glauben an die Auferstehung Jesu Christi leben sollten und so auch für andere Menschen zum Zeichen werden können, daß es eine Hoffnung gibt, die uns trägt über den Tod hinaus.
Christus lebt, Halleluja! Wir aber leben mit ihm, er ist unsere Hoffnung. Auch uns wird er einst auferwecken. Amen.
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