Predigt:
Gott ist da und rettet uns
3. Fastensonntag C (11.03.2007)
L1: Ex 3,1-8a.13-15; L2: 1 Kor 10,1-6.10-12; Ev: Lk 13,1-9
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im brennenden Dornbusch hat sich Gott dem Mose offenbart. Mose war zum Gottesberg Horeb gekommen, und da sah er einen Dornbusch, der brannte und doch nicht verbrannte. Gott befahl dem Mose, seine Schuhe auszuziehen und sich nicht weiter zu nahen. Gegenüber dem Heiligen sind jede Art der Neugier und jede Forschheit fehl am Platz, nur Anbetung und stille Ehrfurcht können dem Göttlich-Geheimnisvollen gerecht werden.
Mose erhält nun von Gott den Auftrag, das Volk Israel, das vom Pharao und seinen Beamten versklavt wird, aus Ägypten herauszuführen und es zu befreien. Mose weiß, dass dies über seine Kräfte geht. Mit so einem Auftrag hat er nicht gerechnet. Überdies weiß er sich nicht, wie er sich vor seinem eigenen Volk und dem Pharao ausweisen und rechtfertigen soll. Denn man wird ihn fragen, wie denn der Gott der Väter heißt, der ihn gesandt hat.
Hier geschieht nun die herausragende Offenbarung des Gottesnamens „Jahwe“: Der Name Gottes ist einzigartig und steht für das Wesen Gottes. Er bedeutet: „Ich-bin-da“ bzw. auch „Ich-bin-da-für-euch“. Gott ist der Seiende; er braucht sich nicht zu rechtfertigen, denn von ihm haben alle Wesen ihr Dasein. Alles, was es gibt, was lebt und existiert, verdankt sein Dasein Gott. Nur Gott allein ist der wahrhaft Seiende, der sich niemand anderem verdankt. Er trägt sein Dasein und sein Leben in sich selbst.
Noch trostvoller ist aber die zweite, erweiterte Bedeutung des Gottesnamens „Jahwe“: Sein Name bedeutet: „Ich bin da für euch.“ Gott wendet sich den Menschen zu, er lässt sie nicht im Stich. Er ist in Liebe für sie da. Nicht irgendein anonymer, namenloser Gott hat uns in die Welt gesetzt und uns einem blinden Schicksal überlassen, sondern der dreipersönliche Gott, der uns liebt, hat uns das Leben geschenkt und trägt uns in seiner Hand. Auf seinen Schutz und seine Hilfe dürfen wir vertrauen.
Eben diesen Trost, der im Gottesnamen „Jahwe“ liegt, sollte Mose dem Volk Israel überbringen. Wenn Gott auf der Seite seines Volkes steht, dann vermag die scheinbare Allmacht des Pharaos auf Dauer nichts dagegen. Der ägyptische König wird das Volk Israel schließlich in die Freiheit ziehen lassen müssen – und sei es durch das Rote Meer und durch die Wüste.
Wir Christen berufen uns nicht auf Mose, sondern auf Jesus Christus. Er ist gleichsam der neue Mose, der die Gottesoffenbarung des Alten Bundes erfüllt und übertrifft. Der Name „Jesus“ bedeutet „Jahwe (also Gott) rettet, Gott erlöst“. Dieser Gott, der sich dem Mose offenbart hat, hat uns in Jesus Christus ein menschliches Antlitz gezeigt und endgültig wahr gemacht und eingelöst, was sein Name bedeutet. Gott ist unser Retter und unser Erlöser. Auf ihn dürfen wir hoffen und vertrauen.
Wovon aber rettet uns Gott? Es ist keine irdische Knechtschaft, die uns belastet, und kein ägyptischer Gewaltherrscher nach Art des Pharao. Vielmehr ist es die Macht der Sünde und des Todes, aus der wir von Jesus Christus befreit worden sind. Indem er am Kreuz sein Leben hingegeben hat für die Sünder, hat er die Schuld der Welt getilgt und den Weg der Versöhnung eröffnet. Niemand kann sich nun darauf hinausreden, dass es für ihn keine Möglichkeit der Umkehr und der Sinnesänderung gäbe. Im Gegenteil: Auch dem größten Sünder wird verziehen, wenn er aufrichtigen Herzens bereut und seine Armseligkeit ganz Gott anvertraut. Im Sakrament der Versöhnung, der heiligen Beichte, wird uns der Friede mit Gott neu geschenkt.
Lassen wir uns also in dieser Österlichen Bußzeit mit Gott versöhnen! Jetzt ist die Zeit der Gnade. Wir wollen nicht taub sein für die Worte des Herrn, der uns in Liebe mahnt und uns zur Umkehr und zur Erneuerung des Herzens einlädt. In seinem Tod und in seiner Auferstehung hat Christus uns neu geschaffen. Der alte Mensch der Sünde ist tot, wir leben für Gott und sind berufen zu einem Leben der Hingabe an Gott und die Mitmenschen in Liebe.
Wer liebt, hat Anteil an Gottes Liebe. Gott ist da für uns, seien auch wir da füreinander! Mit der Jungfrau und Gottesmutter Maria dürfen wir den Pilgerweg des Glaubens gehen, der ewigen Herrlichkeit im Himmel entgegen. Die Hoffnung des Glaubens stärkt uns: Einmal werden auch wir jubeln und das ewige Halleluja anstimmen dürfen. Amen
