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Predigt:

3. Fastensonntag C (14.03.2004)

L1: Ex 3,1-8a.13-15; L2: 1 Kor 10,1-6.10-12; Ev: Lk 13,1-9


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das Evangelium vom 3. Fastensonntag des Lesejahres C enthält eine eindringliche Mahnung zur Umkehr. Jesus Christus ist zwar nicht wie Johannes der Täufer als fast ausschließlicher Buß- und Gerichtsprediger aufgetreten; vielmehr stand im Mittelpunkt seiner Verkündigung das mit seinem Kommen angebrochene Reich Gottes und die damit verbundene Verheißung auf ewiges Leben bei Gott. Dennoch fehlt auch in der Botschaft unseres Herrn Jesus Christus das Moment der Buße und Umkehr nicht, und bisweilen haben seine darauf bezogenen Worte eine ganz eigentümliche Schärfe und Dringlichkeit.

Der Anlass zu den Worten Jesu ist eine traurige Nachricht: die Mitteilung eines Unglücks, das sich nicht durch die Unbill der Natur ereignet hat, sondern auf die furchtbare Tat des römischen Statthalters Pontius Pilatus zurückzuführen war: Da die Römer im Land der Juden stets einen möglichen Aufstand witterten, waren sie als fremde Besatzungsmacht darauf bedacht, mögliche Aufrührer frühzeitig auszuschalten. Diese Art von „antiker Terrorbekämpfung“ schreckte auch davor nicht zurück, Unschuldige zu treffen. Es sollte jedenfalls ein Exempel gesetzt werden, das geeignet war, potentielle Rebellen gegen die römische Macht einzuschüchtern und von Aktionen des Widerstands gegen die Besatzungsmacht abzuschrecken.

Pilatus hatte nun beim jüdischen Opferfest eine ganze Anzahl galiläischer Männer ermorden lassen, die irgendwie in den Verdacht geraten waren, an einer jüdischen Verschwörung gegen die Römer beteiligt gewesen zu sein. Pilatus ließ diese Galiläer beim Opfern umbringen, sodass ihr eigenes Blut sich mit dem der Opfertiere vermischte.

Als nun seine jüdischen Zuhörer dies Jesus berichten und in gut traditioneller frommer Denkweise der Meinung sind, die von Pilatus Getöteten hätten dies wohl als Strafe für ihre Sünden von Gott erleiden müssen, da nimmt dies Jesus zum Anlass für eine Mahnung an sie alle. Jesus wendet sich gegen die These einer exklusiven Schuldzuweisung, wie sie ja so oft einseitig vorgenommen wird, damit man sich selber entlasten kann und umso besser dasteht. Er sagt: Nicht nur diese Galiläer haben Schuld vor Gott auf sich geladen, sondern ihr alle! Alle Menschen bedürfen der Umkehr und Buße. Niemand kann sich selbst heilig sprechen und sagen, er sei schon vollendet.

Ein weiteres Beispiel führt Jesus an: Beim Einsturz des Turmes von Schiloach wurden achtzehn Männer erschlagen. Jesu Frage lautet: „Meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht?“ Und daran schließt sich seine Mahnung zur Umkehr: „Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.“

Vor Gott dem Gerechten gibt es keine Ausflüchte. Wer meint, nicht auf das Erbarmen Gottes angewiesen zu sein, betrügt sich selbst. Wer hingegen aufblickt zu Gott, dem barmherzigen Vater, wird seine Liebe empfangen. In seinem Sohn Jesus Christus schenkt er uns sein Heil und seine Gnade!

Liebe Brüder und Schwestern! Selbstkritisch dürfen und sollen wir uns fragen, ob wir nicht auch manchmal zu schnell urteilen. Da trifft jemanden ein Unglück, und wir meinen sofort: Das hat sich derjenige oder diejenige bestimmt selbst eingebrockt. Wir sind schnell bei der Hand, gewisse Ereignisse so zu interpretieren, dass es wie eine „Strafe“ für die anderen aussieht, wir selbst aber fein herauskommen. Jesus möchte uns nicht einschüchtern; wohl aber sollten wir nachdenklicher werden und bereit sein, auch unser eigenes Leben in der Gegenwart Gottes einer Überprüfung zu unterziehen.

So können wir uns in einer Gewissenerforschung, die uns vorbereitet auf den Empfang des Bußsakramentes, selber fragen:

Was bedeutet mir Gott? Ist er der Mittelpunkt meines Lebens? Liebe ich ihn aus ganzem Herzen und ganzer Seele? Bete ich regelmäßig und nehme ich teil am sonntäglichen Gottesdienst der Hl. Messe? Halte ich all das heilig, was Gott uns an Heiligem anvertraut hat? Halte ich die sonntägliche Arbeitsruhe ein?

Wie steht es um mein Verhältnis zum Mitmenschen? Achte ich die rechtmäßigen Vorgesetzten? Wie sieht es aus im Verhältnis der Eltern zu den Kindern, für die sie Verantwortung tragen, aber auch umgekehrt? Gibt es Streit und Feindschaft unter Menschen, die sich nahe stehen, oder gegenüber anderen? War ich versöhnungs- und hilfsbereit oder habe ich Feindschaften genährt und aufrechterhalten, womöglich über Jahre hinweg? Habe ich andere körperlich oder seelisch verletzt, ihnen geschadet in ihrer Ehre und in ihrem guten Ruf? War ich gerecht gegenüber Mitarbeitern in Arbeit und Betrieb?

Habe ich mir selber geschadet durch Unmäßigkeit im Essen und Trinken, durch Sucht- und Genussmittel? War ich verantwortungslos im Straßenverkehr?

Achte ich die Heiligkeit der Ehe in unverbrüchlicher Treue? Wie stehe ich zur Forderung eines keuschen Lebens außerhalb und innerhalb der Ehe? Habe ich meinen Leib oder den anderer missbraucht durch unkeusche oder unzüchtige Handlungen? War mein Herz rein und frei von jeder unkeuschen Begierde oder habe ich hier den Verlockungen der Umwelt nachgegeben und mich durch Bilder, Filme oder anderes in eine Phantasiewelt hineingesteigert, die gegen die Gebote Gottes steht? Habe ich verhütet oder gar ein Kind abgetrieben oder dazu verleitet oder dabei mitgewirkt?

War ich ehrlich im Umgang mit den Mitmenschen? Habe ich das Eigentum anderer geachtet? Bin ich meinen bürgerlichen Pflichten nachgekommen?

Das sind nur einige der Fragen, die wir uns stellen können, wenn wir unser eigenes Gewissen erforschen. Dies zu tun bedeutet nicht Selbstquälerei, wohl aber eine von Gott geschenkte Gelegenheit zu heilsamer Selbsterkenntnis und damit verbundener Umkehr. Gott verheißt uns sein Erbarmen und seine Versöhnung. Es gibt keine Sünde, die Gott nicht vergeben könnte, wenn sie nur ehrlichen Herzens bereut wird und der Mensch sich um wahre Umkehr bemüht.

Nehmen wir gerade jetzt in dieser Fastenzeit die Hilfsmittel der Kirche an! Nutzen wir die heiligen Sakramente, um Gott näher zu kommen. Empfehlen wir uns der Fürbitte der Gottesmutter Maria und des heiligen Josef! Gott schenkt uns Heil in Fülle. Was er sucht, das sind bereite Herzen, die seine Stimme hören und die ihm in Liebe antworten. Amen