Predigt:
3. Adventsonntag C (14.12.2003)
L1: Zef 3,14-17; L2: Phil 4,4-7; Ev: Lk 3,10-18
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der 3. Adventsonntag mit dem Namen „Gaudete“ hat diese Bezeichnung vom Eröffnungsvers und den Anfangsworten der 2. Lesung aus dem Philipperbrief des Apostels Paulus: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4) Die etwas andere Farbe der dritten Kerze des Adventkranzes sowie des Messkleides (rosa) machen uns bewusst, dass die adventliche Vorbereitung auf Weihnachten einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Die Vorfreude über das Kommende erfüllt unser Herz!
Kann jedoch Freude einfach befohlen werden? Können und sollen wir uns freuen, weil wir dazu aufgefordert werden? Dies scheint tatsächlich nicht so recht zu gelingen. Vor allem wäre es eine Zumutung, einem Menschen mit schwerem Leid oder mit Sorgen einfach unvermittelt zu sagen, er soll doch alles beiseite schieben und sich einfach freuen. Nein, liebe Brüder und Schwestern, so einfach geht es nicht! Und genau das ist von uns Christen auch nicht verlangt.
Worum geht es aber? Wo liegen die Quellen unserer Freude? Worüber und wie können wir uns wirklich freuen?
Das freudige Erfülltsein jener, die an Jesus Christus glauben, ist keine bloße Stimmung, die der Vergänglichkeit unterworfen ist und an der Oberfläche bleibt. Manche Menschen suchen bloß das Gefühl: in ihrer Freizeitgestaltung wollen sie Erlebnisse haben, die sie „high“ machen und „abheben“ lassen, vielleicht um den „tristen Alltag“ für eine Weile zu vergessen. In der Gestaltung von Freundschaft und Partnerschaft werden Emotionen überbetont, was zur Folge hat, dass so manches sehr schnell umschlägt und aus „himmelhohem Jauchzen“ tiefste Betrübnis und Enttäuschung folgen kann. Wir dürfen uns selber und andere emotionell nicht überfordern. Gefühle und Stimmungen, ja auch tiefe Emotionen können und sollen uns helfen, das Leben zu ordnen und zu bewältigen; sie dürfen jedoch nicht an die Stelle rationaler Überlegungen treten und uns in einer falschen Weise abhängig machen von Launen, blinden Impulsen und Willkür.
Wie sieht es aus, wenn wir beten, den Gottesdienst feiern oder die Sakramente empfangen? Eine bloße natürliche Hochstimmung ist zu wenig. Ich darf nicht sagen: Nur wenn ich in Stimmung und bei Laune bin, bete ich oder besuche ich die heilige Messe. Es darf nicht der erste Gedanke sein zu fragen: „Was gibt mir das?“ Sondern es geht um mehr! Unser Glaube und die Liturgie der Kirche ist Begegnung mit dem lebendigen Gott und untereinander. Diese Hinwendung verlangt ein Herz, das bereit ist, sich selber zu verschenken. Das Geschenk seiner selbst, die Selbsthingabe in Liebe an Gott und die Mitmenschen, verlangt auch so manches Opfer. Wollte beispielsweise eine Mutter zu ihrem kranken Kind sagen: „Lass mich in Ruhe!“ und es seinem eigenen Schicksal überlassen, dann hätte sie ihre Verantwortung grob missverstanden und wäre ihre Liebe nicht echt. So dürfen wir auch beim Gebet zu Gott nicht nur fragen: „Was habe ich davon?“, sondern wir sollen uns bedingungslos hingeben an Gott, der die Liebe ist und der uns letztlich nie enttäuschen kann. Nur eine solche Offenheit und Tiefe der Hingabe kann der Weg zur wahren Freude sein!
So wird es heute nötig und hilfreich sein zu unterscheiden zwischen den Freuden, die aus dem Egoismus kommen und die in Wahrheit gar keine wirklichen Freuden sind, und jener Freude, die aus der Hingabe selbstloser Liebe erwächst. Es ist eine ganz tiefe Freude, die von innen her kommt und heranwächst und die auch in Leiden und Sorgen bestehen kann. Von woher aber strahlt uns diese Freude auf? Bereits heute am 3. Adventsonntag ist es etwas von dem Licht zu spüren, das vom Kind in der Krippe ausgeht. Wir feiern zu Weihnachten ja die vorbehaltlose Liebe unseres Gottes, der sich uns als kleines Kind offenbart hat! Wenn Gott uns so nahe kommt, sollten wir uns da nicht freuen? Ja selbst das Gerichtsmotiv, das Johannes der Täufer so eindrucksvoll anspricht, wird in seinem Schrecken überstrahlt und hoffnungsvoll erhellt von jenem Licht aus der Höhe, das uns im Sohn Gottes erschienen ist!
So lädt uns der heutige Sonntag ein, die Freude dort zu suchen, wo wir sie wirklich finden können: in der Tiefe unseres Herzens und nicht an der Oberfläche; dort, wo wir Gott und dem Mitmenschen begegnen können in der Selbstlosigkeit echter Hingabe! Von daher werden wir sagen dürfen: Diese Freude ist keine Illusion, sondern Verheißung von noch Größerem, von zukünftiger und endgültiger ewiger Freude.
Blicken wir auf die heilige Gottesmutter Maria! In all der Einfachheit und äußeren Armut, inmitten von Not und kommenden Verfolgungen war ihr Herz ganz gegründet in Gott und empfing von dort einen tiefen Frieden, den die Welt nicht geben kann. In Maria jubelt die „Tochter Zion“ und jauchzt das Volk Israel, das sich vollendet im Neuen Bund, der die Kirche ist.
Bauen wir nicht auf die Versprechungen einer Welt des Konsums, des schrankenlosen Genusses und des Egoismus, sondern wagen wir es, wirklich zu lieben und unser Leben einzusetzen in der Hingabe für andere! Dann wir die Freude nicht nur ein leeres Wort sein, sondern eine tiefe Erfahrung, die unser Leben begleitet und zu Gott hin führt. Amen
