Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 32. Sonntag im Jahreskreis C
7. November 2004

L 1: 2 Makk 7,1-2.7a.9-14; L 2: 2 Thess 2,16-3,5; Ev: Lk 20,27-38

Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wenige Tage nach Allerheiligen und Allerseelen lenkt das heutige Evangelium unseren Blick auf die Zukunft des Menschen nach dem Tod. Wie wird es weitergehen? Wie können wir uns das ewige Leben vorstellen? Was dürfen wir von Gott erhoffen?

Schon zur Zeit Jesu gab es Rationalisten, die ein Weiterleben nach dem Tod in Frage stellten oder entschieden leugneten. Diese gehörten zur religiösen Partei der Sadduzäer. Sie glaubten nicht an eine Auferstehung der Toten. Als man nun Jesus eine Falle stellen wollte, führten diese Gelehrten das hypothetische Beispiel einer Frau an, die nacheinander mit sieben Brüdern verheiratet war, die alle starben und keine Kinder hinterließen. Die provokante Frage an Jesus lautet: „Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.“

Jesus Christus legt nun in seiner Antwort zwei Dinge klar: 1. Es gibt wirklich eine Auferstehung der Toten; Gott selber garantiert dafür. 2. In der jenseitigen Welt werden die Menschen einander nicht mehr heiraten, da es sich um eine für uns unvorstellbare Wirklichkeit handelt.

Dass es wirklich eine Auferstehung der Toten gibt, beweist Jesus durch den Bezug auf Mose, dem der Herr im brennenden Dornbusch erschienen ist. Gott – „Jahwe“ – hat sich dem Mose als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs geoffenbart. Er ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Warum sollte dann dieser Gott, der Leben schenkt, nicht auch die Macht haben, Menschen von den Toten aufzuerwecken? Wer der Auferstehung zum Leben teilhaft geworden ist, wird nicht mehr sterben. Denn diese Menschen sind durch die Auferstehung in einer ganz neuen Weise zu Söhnen und Töchtern Gottes geworden.

In der jenseitigen Welt, sagt Jesus außerdem, werden die Menschen einander nicht mehr heiraten. Die Ehe als Institution wird dann aufhören; ein wesentlicher Hauptzweck, Nachkommen zu zeugen, fällt dann weg. Der Ausdruck der Liebe aber wird auf andere Weise fortbestehen. Denn die Liebe, die durch Gottes Plan hier auf Erden ihren Anfang genommen hat, wird nicht enden. Gott selber wird den Menschen als Mann und Frau vollenden und ihnen die selige Gemeinschaft in seiner Herrlichkeit schenken.

Liebe Brüder und Schwestern! Als Christen leben wir in gewisser Weise aus der Vergangenheit, in der lebendigen Erinnerung (memoria) an all das, was Gott in der Geschichte des Heiles für uns getan hat. Wir leben in der jeweiligen Gegenwart, und in diesem Sinn können wir sagen: Die momentane Stunde (das „Jetzt“) ist immer die wichtigste. Denn hier gilt es sich zu bewähren im Guten. Das Ziel des Lebens finden wir jedoch erst in der Zukunft. Es ist nicht ein unbestimmtes Morgen, das wir erwarten, sondern die eschatologische Vollendung im ewigen Leben bei Gott. Selig, wer von Gott gewürdigt wird, daran teilzuhaben! Der Jubel wird über alle Maßen groß sein, und wir haben keine Vorstellung von jenem Glück, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.

Wenn in der gegenwärtigen Situation der Gesellschaft oft ein Pessimismus spürbar ist, obwohl doch die meisten ein materiell gesichertes Auskommen haben, so zeigt dies vor allem eine geistige Not und Orientierungslosigkeit an. Viele wissen nicht mehr, wofür es sich überhaupt zu leben lohnt. Im Glauben an die unbedingte Liebe Gottes zu uns können wir echte Hoffnung haben: Gott steht in Treue zu uns. Er nimmt diese nicht zurück und schenkt uns Leben über den Tod hinaus. Bleiben wir daher verbunden mit unserem Herrn Jesus Christus, der für uns am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Lassen wir uns an der Hand unserer himmlischen Mutter Maria hinführen zur ewigen Vollendung, die uns allen verheißen ist. Wir glauben an den Gott der Lebenden und wollen diesem Vertrauen an seine rettende Liebe keine Grenze setzen! Amen.

 

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