Predigt:
Jesus sucht und rettet, was verloren ist
31. Sonntag im Jahreskreis C (31.10.2010)
L1: Weish 11,22-12,2; L2: 2 Thess 1,11-2,2; Ev: Lk 19,1-10
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Evangelium vom reichen Zollpächter Zachäus, bei dem Jesus zu Gast sein will, zeigt uns auf erschütternde und berührende Weise, wie sehr Gott einem jeden Menschen nahe ist und gerade dem Sünder nachgeht, um ihn zur Bekehrung einzuladen.
Als Jesus Christus ausgerechnet den beim Volk denkbar unbeliebten Steuerpächter Zachäus auswählt, um in seinem Hause einzukehren, weckt das zuerst Unverständnis. Zachäus war allen wohlbekannt; doch sein Ruf war nicht der beste. Wer im römischen Reich als Steuer- oder Zollpächter sein Einkommen suchte, stand im Verdacht – und dies war auch oft traurige Wirklichkeit –, dass er sich dadurch eigene Vorteile verschaffte, indem er völlig überhöhte Steuern eintrieb. Ungerechtigkeit, Korruption und Geldgier verbanden sich zu einer unheiligen Allianz. Sollte man einen solchen Menschen achten oder gar lieben können? So gut es ging, mieden alle den zwar reichen, aber überhaupt nicht gern gesehenen Zachäus!
Und nun geschieht das Aufsehenerregende: Zachäus interessiert sich für Jesus; weil er klein ist, steigt er dazu sogar auf einen Baum, um ihn zu hören und zu sehen. Und als Jesus vorbeikommt, wendet er sich ausgerechnet diesem so verschrienen Mann zu und verkündet ihm: „Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“
Bei so einem Mann will Jesus einkehren? Weiß er denn nicht, dass er ein Sünder ist? So und ähnlich lauten die Vorwürfe an Jesus. Doch Jesus lässt sich nicht beirren. Er, der menschgewordene Sohn Gottes, kennt die Herzen der Menschen, und er weiß: Bei Zachäus hat sich etwas ereignet; in seinem Inneren ist eine Umwandlung geschehen. Gottes Gnade hat ihn, den öffentlichen Sünder, ergriffen und ihm die Bekehrung geschenkt. Auch dieser Mensch, der zwar äußerlich reich ist, aber innerlich arm, verdient die Zuwendung Gottes. „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“
Ein Sünder findet zu Gott zurück und auch zur Gemeinschaft der Menschen, seinem Haus wird Heil zuteil.
Und Zachäus ist sich dessen bewusst, dass sich ab jetzt viel ändern wird müssen. Er verspricht feierlich: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“
Es mag sein, dass ihm das die Mitmenschen zuerst nicht abgenommen haben. Doch Jesus glaubt und vertraut dem Zachäus. Er gibt ihm die wahrhaft lebenswendende Chance der Bekehrung zu Gott und zum Guten. Ab jetzt kann und wird das Leben des Zachäus einen neuen Lauf nehmen. Er wird aussteigen von allem Bösen, das er getan hat; er wird von jetzt an Gutes tun und den Menschen in Not helfen, anstatt sie zu bedrängen.
Ist das nicht großartig? Kann dieses Evangelium nicht auch uns persönlich ermutigen? Denn auch wir wissen um unsere Schwächen und Sünden. Und doch: Gott verlässt uns nicht. Er rechnet mit uns; er „glaubt“ an uns. Er traut es uns zu, dass wir uns mit seiner Hilfe dem Guten erneut zuwenden und uns darin bewähren. Im Bußsakrament – in der heiligen Beichte – kehrt Jesus bei uns ein, und in der heiligen Kommunion hält er mit uns Mahl, nachdem die Gemeinschaft der Liebe mit Gott und den Menschen wiederhergestellt ist.
So sollte jeder Tag ein neuer Anfang im Guten sein, in dankbarem Vertrauen darauf, das der Menschensohn – also Jesus der Erlöser – wirklich gekommen ist, um zu suchen und zu retten, was verloren war. Tun wir das Unsere, um Gottes Liebe im Leben zu entsprechen, und helfen wir auch unseren Mitmenschen, die vielleicht verachtet werden von anderen, sogenannten „Besseren“, und die dennoch auch die Sehnsucht haben, ihr Leben ganz in Gottes Hand zu legen, um so das Heil zu erlangen.
Amen.
