Predigt:
Weltmissionssonntag - Sonntag der Weltkirche
30. Sonntag im Jahreskreis C (24.10.2010)
L1: Sir 35,15b-17.20-22a; L2: 2 Tim 4,6-8.16-18; Ev: Lk 18,9-14
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Auch heuer begehen wir wieder den Weltmissionssonntag, der als „Sonntag der Weltkirche“ bezeichnet wird. Die Päpstlichen Missionswerke bemühen sich besonders, den Sinngehalt dieses Tages lebendig zu halten und für das Anliegen der Mission und der ideellen und materiellen Unterstützung aller damit betrauten Personen und Institutionen Verständnis zu wecken. Die österreichischen Bischöfe wenden sich einem eigenen Hirtenwort an die Gläubigen.
Ein Schwerpunkt der Hilfe ist heuer für die Diözesen in Kambodscha vorgesehen. Dort ist das Land immer noch von der Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot und dem Mord an 1,7 Millionen Menschen gezeichnet. Auch fast alle Priester und Bischöfe wurden damals Opfer des Terrorregimes. Gesellschaft und Kirche befinden sich aber heute wieder im Aufbau. Es gibt nur 24.000 Katholiken in Kambodscha; die Bevölkerung ist mehrheitlich buddhistisch. Gerade die katholische Kirche setzt sich aber unermüdlich für die Opfer ungerechter Gewalt ein und verkündet ihnen die Botschaft von der rettenden Liebe Christi.
Dies entspricht dem Inhalt der heutigen ersten Lesung aus dem Buch Jesus Sirach, wonach Gott „das Flehen des Bedrängten hört“ und aller Not ein Ende bereitet. Gott „schafft Recht als gerechter Richter“, heißt es. Gewiss ist dies eine Verheißung, die in ihrem Vollsinn für die eschatologische Wirklichkeit gilt. D.h. am Ende der Tage wird Gott als Richter der Lebenden und der Toten allem Unrecht ein Ende bereiten und das Reich der Liebe und des Friedens aufrichten. Und doch sind wir schon in dieser Weltzeit aufgerufen mitzuhelfen, dass sich das Reich Gottes den Weg in die Herzen der Menschen und in die Lebensstrukturen ihrer Welt bahnen kann.
Durch die Nähe und Anteilnahme, welche die katholischen Gläubigen in Kambodscha ihren Mitmenschen erweisen, werden sie zu Botschaftern der barmherzigen Liebe Gottes.
Auch die selige Mutter Teresa von Kalkutta, deren 100. Geburtstag heuer gefeiert wurde, hat sich in der Liebe Christi den Ärmsten der Armen zugewandt. Ohne viel zu reden, hat sie die Menschen spüren lassen, wer Gott ist und wozu er sie beruft.
Die Verkündigung des Wortes Gottes und der Einsatz für die Menschen in Not sollen immer Hand in Hand gehen. Die Evangelisierung und Mission müssen sich mit der christlichen Liebe verbinden. Dann kommt Gott in den Herzen der Menschen an, und das Reich Gottes wird aufgebaut.
Papst Benedikt XVI. hat vor wenigen Tagen den Päpstlichen Rat für die Evangelisierung ins Leben gerufen. Es geht darum, auch in jenen Ländern, die bereits den christlichen Glauben empfangen haben, wo er aber bei vielen Christen seine Lebendigkeit verloren zu haben scheint, dieses Feuer neu zu entfachen. Das Herz muss brennen; und dann kann es in der Liebe Christi auch andere Menschen entflammen zum Glauben an Gott und zum Hören auf sein Wort sowie zur helfenden Tat.
Möge uns die Gottesmutter Maria, die Rosenkranzkönigin, durch ihre Fürbitte bei Gott beistehen! Amen.
