Predigt:
30. Sonntag im Jahreskreis C (24.10.2004)
L1: Sir 35,15b-17.20-22a; L2: 2 Tim 4,6-8.16-18; Ev: Lk 18,9-14
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der heutige Tag wird als „Sonntag der Weltkirche“ begangen. Wir werden uns bewusst, dass die Kirche Jesu Christi über die ganze Erde ausgebreitet ist. Die Apostel und ihre Nachfolger und Mitarbeiter sind dem Wort Jesu gefolgt: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,19 f)
Mission heißt Aussendung. Wie Jesus Christus der vom himmlischen Vater in diese Welt gesandte Erlöser ist, so hat unser Herr Jesus Christus wiederum die Apostel und Jünger ausgesandt, damit sie den Menschen die Botschaft vom Reich Gottes verkünden. Es ist die frohe Botschaft, dass Gott uns liebt und uns erlöst hat von allem Bösen durch das Leiden und Sterben seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz. Wer glaubt und sich taufen lässt, wird durch Tod und Auferstehung Christi gerettet. Eben darum gilt es diesen Heilsglauben zu verkünden, anzunehmen, zu bewahren und zu leben.
Auch am Ende jeder heiligen Messe gibt es eine Aussendung. Auf Lateinisch heißt es: „Ite, missa est.“ Das heißt: „Gehet hin in Frieden!“[1] Dieses Hingehen ist ein Auftrag, das weiterzugeben an die Menschen, was wir in der heiligen Eucharistie empfangen haben: die Gemeinschaft mit Gott in Liebe, die sich fortsetzen soll in der gelebten Nächstenliebe. Es darf nicht sein, dass wir das Herz zu Gott erheben, dann aber unseren Nächsten links liegen lassen und uns als krasse Egoisten erweisen, denen die Bedürfnisse der Mitmenschen nichts bedeuten. Wir würden sonst dem Pharisäer gleich, der im Gebet seine eigenen Verdienste hervorhebt und kein Herz hat für seinen Nächsten, den er verachtet und verurteilt (vgl. Lk 18,11–12).
Im „Jahr der Eucharistie“ gilt ganz besonders, dass jenes Geheimnis des Glaubens, das wir feiern, Konsequenzen haben muss in Taten der Liebe. Darum ruft uns die Kirche heute am Weltmissionssonntag dazu auf, für unsere Brüder und Schwestern in der Welt zu beten und mit ihnen solidarisch zu sein. Das zeigt sich auch durch die Missionsspende, die heute von Ihnen erbeten wird. Die Bischöfe Österreichs schreiben dazu in ihrem Hirtenwort: „Es ist aber auch ein Tag der Solidarität, an dem wir uns daran erinnern, dass in unserer weltweiten Kirche auch ein materieller Ausgleich notwendig ist. Denn viele Ortskirchen in den ärmsten Ländern stehen vor gewaltigen pastoralen und sozialen Herausforderungen, die sie ohne unsere Hilfe nicht bewältigen können. Diese Hilfe bietet der Sonntag der Weltkirche, den die Päpstlichen Missionswerke in Österreich (Missio Austria) unter das Motto ‚Teilen verbindet gestellt haben. Die heutige Sammlung in allen Kirchen Österreichs dient der dringenden Unterstützung der 1100 ärmsten Diözesen der Welt.“
In der Botschaft von Papst Johannes Paul II. zum Sonntag der Weltkirche werden alle Gläubigen dazu aufgerufen, ihren missionarischen Eifer zu erneuern. „Um den Altar versammelt, versteht die Kirche ihren Ursprung und ihre missionarische Sendung besser.“ Ausdrücklich stellt der Papst auch fest: „Zum Abschluss jeder Messe, wenn der Zelebrant die Gläubigen mit den Worten ‚Ite, Missa est verabschiedet, sollten sich alle als „Missionare der Eucharistie“ entsandt fühlen, die empfangene Gabe an allen Orten zu verkünden. Denn wer Christus in der Eucharistie begegnet, der kann nicht umhin, durch sein Leben die barmherzige Liebe des Erlösers zu verkünden. Damit man aus der Eucharistie lebt, muss man auch dem anbetenden Verweilen vor dem Allerheiligsten Sakrament viel Zeit widmen, eine Erfahrung, die ich selbst täglich mache, und aus der ich Kraft, Trost und Stärkung beziehe (vgl. Ecclesia de Eucharistia, 25).“
Möge uns hier und in allem die Verbindung mit der Gottesmutter Maria leiten! Sie ist die „eucharistische Frau“, da sie uns den Erlöser geschenkt hat, der aus ihr geboren wurde und der gegenwärtig ist im Allerheiligsten Sakrament des Altares.
Auch hierzu findet der Papst schöne und wichtige Worte: „Maria, das erste ‚Tabernakel der Geschichte (Ecclesia de Eucharistia, Nr. 55), zeigt und opfert uns Christus, unseren Weg, die Wahrheit und das Leben (vgl. Joh 14,6). Wenn ‚Kirche und Eucharistie ein untrennbares Wortpaar sind, so muss man dies gleichfalls von Maria und der Eucharistie sagen“ (ebd., 57).“
So leite uns die Fürsprache der Gottesmutter an, den Menschen überall dort Christus zu bringen, wo wir ihnen begegnen und mit ihnen leben. Dann werden wir zu Missionaren des Glaubens und der Liebe werden, welche Frucht bringen für das ewige Leben. Amen.
[1] Wörtl.: Geht, sie (= die Gemeinde) ist gesendet. Das Wort „Messe“ leitet sich wahrscheinlich davon ab.
