Predigt:
2. Sonntag im Jahreskreis C (18.01.2004)
L1: Jes 62,1-5; L2: 1 Kor 12,4-11; Ev: Joh 2,1-11
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
„Was er euch sagt, das tut!“ Mit diesen Worten hat die Gottesmutter Maria öffentlich Stellung bezogen, als es bei der Hochzeit von Kana zu einem akuten Notstand kam: Der Wein war ausgegangen!
Dieses Evangelium ist in verschiedener Hinsicht bemerkenswert: Nicht der für das Festmahl Verantwortliche oder die Diener kommen zu Jesus, der mit seiner Mutter Maria und den Aposteln an der Hochzeit teilnimmt, sondern Maria ist es, die die Initiative ergreift. Sie bemerkt als erste die Verlegenheit der Diener: Der Wein geht zu Ende. Noch bevor die Diener es wagen, jemanden damit zu konfrontieren, tut dies Maria. Als der Wein ausgeht, sagt sie zu Jesus einfach: „Sie haben keinen Wein mehr.“
Großes Vertrauen klingt aus dieser so einfach scheinenden Feststellung. Es ist nicht eine bloße Faktenaussage, die Maria hier trifft. In diesem unscheinbaren Satz ist die vertrauensvolle Bitte und Aufforderung zum Handeln enthalten. Die Mutter Jesu wagt es, ihren Sohn mit der Not der Menschen zu konfrontieren, damit er helfe!
Was aber ist das für eine Not? Uns scheint es fast, ein solches Wunder wäre überflüssig. Trinkt man nicht bei einer Hochzeit genug Wein, ja oftmals auch zu viel? Wäre es da nicht besser gewesen, wenn der Wein vorschnell ausgegangen wäre? Dann hätte man sich nicht mehr um die Nüchternheit der Gäste sorgen müssen. Dann wäre die Feier nicht so ausgelassen geworden wie sonst. So denken sich die Moralisten und meinen, eben das wäre ja eine gute Sache gewesen.
Jedoch: Wie wird Jesus handeln? Auf welche Seite schlägt er sich? Wie reagiert er? Zuerst scheinbar ablehnend. Er spricht seine Mutter recht eigenartig und fremd an mit dem Wort „Frau“ und sagt: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
Was wie eine Zurechtweisung Marias klingt, ist es keineswegs! Die Bezeichnung „Frau“ hebt sie hinaus über die rein verwandtschaftliche Ebene. Maria ist als „Frau“ die Vertreterin der nach Erlösung verlangenden Menschheit. Als „neue Frau“ und „zweite Eva“ unternimmt sie es, Christus, dem „zweiten Adam“, jene Bitte vorzutragen, die mehr einschließt als die Stillung jenes Durstes nach Wein.
Obwohl Jesus antwortet, daß seine Stunde noch nicht gekommen ist, kann Maria voll Vertrauen zu den Dienern sagen: „Was er euch sagt, das tut!“ Und tatsächlich: Nun handelt Jesus. Er sagt zu den Dienern, sie sollten die sechs steinernen Wasserkrüge mit Wasser anfüllen, deren jeder hundert Liter fasste.
Was wird geschehen? Niemand kann es sich vorstellen. Einzig Maria vertraut darauf, dass Jesus die Seinen nicht im Stich lassen wird. Als die Diener die Krüge bis zum Rand gefüllt haben, sagt Jesus zu ihnen: „Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist.“
Wie groß ist die Verwunderung beim Kellermeister, als er das Wasser kostet, das zu Wein geworden war! Er kann es sich nicht erklären, woher der gute Wein kommt. Denn er weiß nicht, dass sich Jesus hier betätigt hat. Seine Überraschung ist groß, und er sagt zum Bräutigam: „Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“
Liebe Gläubige! Was ist der Sinn dieses offensichtlichen Wunders, das Jesus hier gewirkt hat? Ging es ihm nur um den Wein und die unmittelbare Abhilfe für die Not der Brautleute, die sich sonst blamiert hätten? Sicher wollte er den Menschen helfen. Doch sein Tun ist zugleich immer Zeichen für Höheres und Unsichtbares. Im menschlichen Leben zeigt Jesus uns die Größe und Herrlichkeit Gottes. Hier geschieht Offenbarung. Wunder sind Zeichen, die uns hinweisen auf den, der uns einlädt, in sein himmlisches Reich einzutreten. Auch wir sind eingeladen zu glauben und zu vertrauen. Gott schenkt seine Gaben in Fülle. Er verlässt uns nicht.
Und so wie damals Maria in Aktion getreten ist, so tut sie es bestimmt auch heute vom Himmel aus. Sie kennt unsere verborgene Not und bringt sie vor ihren Sohn. Sie weist ihn hin auf unsere Anliegen und Probleme, und das genügt. Denn Maria vertraut darauf, ja sie weiß es, dass ihre Bitten Erhörung finden bei ihrem Sohn Jesus Christus. So dürfen auch wir auf Hilfe hoffen, wenn wir bereit sind, uns an die Worte zu halten, die Maria auch uns sagt: „Was er euch sagt, das tut.“
Wir sollen Jesus nachfolgen, auf seine Worte hören und sie ins Leben umsetzen. Darauf kommt es an, und darin liegt unser Heil. Hier erfahren wir, wie froh uns die Botschaft des Glaubens machen kann. Gott verheißt uns Leben in Fülle – hier schon im Glauben und in der Hoffnung, dort aber im ewigen Leben in seiner ganzen Herrlichkeit und Endgültigkeit!
Wir pilgern dem himmlischen Hochzeitsmahl entgegen, wo Gott selber uns an seinen Tisch laden und bedienen wird. Er wird uns mit seiner Liebe beschenken, und es wird uns nichts mehr fehlen. Ein Unterpfand dessen empfangen wir schon auf Erden in der Feier der heiligen Messe, wo sich uns der Sohn Gottes selber schenkt unter den Gestalten von Brot und Wein. Auch das ist ein Wunder der Verwandlung.
So wird die Schöpfung umgestaltet, und wir mit ihr. Wir werden in den Leib Christi eingegliedert, der die Kirche ist. Bleiben wir als lebendige Glieder in dieser Kirche. Denn hier empfangen wir das Heil. Einer tritt für den anderen ein, und alle leben von der Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes. Möge uns die Gottesmutter Maria helfen, jederzeit und in allen Lebenslagen auf Gott zu vertrauen! Amen
